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Sport

Sport kann völkerverbindend wirken und politische Grenzen überwinden. Sport ist ein wesentlicher Faktor der gesellschaftlichen Wirklichkeit, in den Medien nimmt die Sportberichterstattung einen großen Raum ein, der Umsatz im Sport rechnet sich längst in Milliarden. Transparency Deutschland setzt sich für transparente und korruptionsfreie Sportstrukturen ein, in Deutschland und weltweit.


Aktuelle Meldung

© Thomas Søndergaard/Play the Game
Jorge Leyva am Rednerpult der „Play the Game”-Konferenz in Odense

„Doping-Risiko in Staaten mit hoher Korruption sehr groß“ Jorge Leyva bei der Konferenz „Play the Game“

Odense, 28. Juni 2022 – Von Fortschritten und Perspektiven der internationalen Doping-Bekämpfung berichtete Jorge Leyva, Mitglied der Arbeitsgruppe Sport von Transparency Deutschland, auf der „Play The Game“-Konferenz im dänischen Odense. Dieses Expert:innen-Forum beschäftigt sich seit nunmehr 25 Jahren mit aktuellen Fragen der Integrität des internationalen Sports. Doping ist bei „Play the Game“ ein regelmäßig auftauchendes Thema.

Jorge Leyva, im Hauptberuf Geschäftsführer des „Institute of Nationale Anti-Doping Organisations“ (INADO) mit Sitz in Bonn, berichtete den ca. 300 Zuhörer:innen, dass die Fortschritte der Dopingbekämpfung im Rahmen des „World Anti-Doping Code“ zweifellos erheblich seien. Aber: „Die Reihe von Dopingskandalen im Sport, an denen korrupte Regierungen und Sportfunktionäre beteiligt sind, legen jedoch nahe, dass Anti-Doping-Bemühungen langfristig nicht erfolgreich sein werden, wenn wir nicht den Einfluss von sozioökonomischen oder politischen Faktoren ausreichend berücksichtigen“.

Manipulationsrisiko vor der Vergabe von Sportevents genau abwägen

Er verwies auf das große Dopingriskio von Sportler:innen in Ländern mit hoher Korruption, Armut oder autoritären Regierungen.  Das habe u.a. auch der Korruptionsindex von Transparency International belegt: „In solchen Ländern ist es sehr viel schwerer, ein wirkungsvolles Anti-Doping-System zu etablieren. Weder Sportlerinnen und Sportler noch die Nationalen Doping-Agenturen sind dafür verantwortlich.“

Deshalb forderte Leyva auch in Odense, die jeweiligen Staaten mehr in die Verantwortung für ihr Doping-Gebaren zu nehmen. Und das wiederum müsse dazu führen, dass Sportorganisationen bei der Vergabe von großen Sportevents das Manipulationsrisiko für jedes Land genau analysieren und entsprechend reagieren.


Forderungen

  • Die EURO 2024 muss ein Leuchtturm für Menschenrechte, Vielfalt sowie Transparenz werden. Hierzu sind Bundesregierung, Länder und Spielorte aufgerufen, umfassende Compliance-Maßnahmen zu ergreifen. Notwendig ist ein Nachhaltigkeitskonzept nach den UN-Leitlinien für Wirtschaft und Menschenrechte. Zur Rahmenerklärung der Zivilgesellschaft
  • Deutschland braucht eine internationale Sportstrategie, um einen Beitrag zur Bekämpfung von Misswirtschaft und Korruption im Sport zu leisten. Fördergelder des Bundes sollten an entsprechende Kriterien geknüpft werden.
  • National muss das von Transparency Deutschland mitentwickelte Konzept des DOSB für Good Governance auf die Mitgliedsorganisationen des DOSB und die Landessportverbände übertragen werden.
  • Nachdem im Jahr 2017 Sportwettbetrug als Straftatbestand eingeführt wurde, muss – auch zum Schutz der Athletinnen und Athleten – ein Schwerpunkt auf Prävention gelegt und das Projekt von DFL und DFB flächendeckend im Fußball ausgerollt sowie auf andere Sportarten übertragen werden. 
     
  • Die Bundesregierung muss die Prävention von Spielmanipulation zu einem Förderkriterium machen. Als Maßnahme zur Prävention von Spielsucht muss die Werbung für Sportwetten eingedämmt werden. 
     
  • Ein Whistleblower-System mit Schutz für Hinweisgeber muss eingerichtet werden.

Hintergrund

Die gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedeutung des Sports sowie seine Vorbildwirkung und globale Verankerung verlangen von den Verantwortlichen ein beispielhaftes Engagement für ethische Grundsätze und Fairness, wie sie in der Olympischen Charta niedergelegt sind. Nur auf dieser Basis lassen sich die Werte des Sports, seine Glaubwürdigkeit und damit auch seine erzieherische Funktion dauerhaft sichern.

Würden diese Prinzipien konsequent umgesetzt, wäre dies die beste Prävention gegen Fehlentwicklung und Korruption, die – trotz zahlreicher Fälle – im Sport immer noch viel zu wenig thematisiert werden. Der Fokus der Arbeit von Transparency Deutschland liegt also auf der Schärfung des Bewusstseins für Missstände im Sport, die jene Prinzipien in Frage stellen, die der Sport sich selbst gibt, und der Stärkung von integrem und fairem Verhalten in allen Bereichen: auf dem Platz genauso wie in den Führungsebenen des Sports.


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Kontakt

Sylvia Schenk

Leiterin der Arbeitsgruppe Sport

Jochen Reinhardt

Stellvertretender Leiter der Arbeitsgruppe Sport