Sport

Foto: Deutsches Institut für Compliance e.V.

„Mit Compliance kann Sportsponsoring glaubwürdiger werden“ – Transparency Deutschland beim DICO-Talk in Bonn

Für Sylvia Schenk, Leiterin der Arbeitsgruppe Sport von Transparency International Deutschland, ist die Sache eindeutig: „Dass Compliance, wie häufig behauptet, Sponsoring verhindert, ist schlichtweg falsch“. Beim 2. DICO-Talk am 20. September in der Telekom-Zentrale in Bonn ging sie noch weiter: „Im Gegenteil: sich an gesetzliche Vorschriften zu halten kann Sponsoring glaubwürdiger machen“. Entscheidend sei die Balance des Handelns, so Schenk bei der hochkarätig besetzten Diskussion, die das Deutsche Institut für Compliance e.V. (DICO) organisiert hatte.


„Compliance und Sportsponsoring – ein Win-Win-Geschäft?“ Die im Veranstaltungstitel formulierte Frage wurde von Sylvia Schenk also weitgehend mit „ja“ beantwortet. Sie verwies aber auch darauf, dass es im Sportsponsoring viel Wildwuchs gegeben habe – Stichwort Einladungen – und dass es grundsätzlich richtig und wichtig war, das abzustellen. Dem stimmte selbstkritisch auch Mitdiskutant Stephan Althoff zu. Der Leiter Konzernsponsoring Deutsche Telekom, erinnerte sich nur ungern daran, wen das Unternehmen in den 90er Jahren alles zum Finale der Tour de France nach Paris eingeladen hatte.

 

Sponsoring steht für Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung

Althoff riet ferner dazu, im Sportsponsoring immer Compliance-Spezialisten hinzu zu ziehen: „Wir brauchen einander um einen möglichst verlässlichen Rahmen für unser Tun zu schaffen“. Für Wirtschaftsethiker Prof. Alexander Brink von der Uni Bayreuth steht Sponsoring heutzutage auch immer für die Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung: „Denn viele Unternehmen rücken von der reinen Profitorientierung ab, parallel werden Non-Profit-Organisationen immer professioneller. Beide Akteure auf dem Markt bewegen sich somit aufeinander zu und genau an dieser Schnittstelle entstehen für Sponsoring neue Möglichkeiten“.

 

Bildzeile:
DICO-Talk in Bonn: Sylvia Schenk, Prof. Dr. Dr. Alexander Brink, Dr. Thomas Lösler, Flavio Bertoli, Ilka Müller-Schmäh, Stephan Althoff

 

Aktuelles

29. September 2016

Dokumentation über Menschenrechtsverletzungen in Rio vorgelegt

Genf – Die Menschenrechtsorganisation „Terre des Hommes“ (TdH) präsentierte  heute in Genf eine besondere Bilanz der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro: "Breaking Records: Child rights violations during Rio 2016 Olympics". Darin wurden zahlreiche Menschenrechtsverletzungen besonders an Kindern und Jugendlichen vor und während der Spiele dokumentiert. Vorrangig geht es um Vertreibungen von 22 000 Familien, willkürliche Festnahmen und massive Polizeigewalt. Mit der Präsentation und in weiteren Gesprächen will „Terre des Hommes“ mehr Druck auf das IOC ausüben, damit bei künftigen Spielen die Einhaltung der Menschenrechte stärker in den Blickpunkt rückt. Transparency International Deutschland arbeitet mit TdH in der „Sports and Rights Alliance“ zusammen.
Mehr zum Thema finden Sie hier.


15. September 2016

Schenk: Zwanziger  muss von Zahlungen an Beckenbauer gewusst haben

Hamburg – Als Versuche der Verschleierung wertet Sylvia Schenk, Leiterin der Arbeitsgruppe Sport, die Vorgänge um die Zahlungen an Franz Beckenbauer in seiner Zeit als OK-Vorsitzender für die Fußball-WM 2006 in Deutschland. In einem Interview mit dem Radiosender NDR Info kritisierte sie vor allem den späteren DFB-Präsidenten Theo Zwanziger, der als damaliger DFB-Schatzmeister von den Zahlungen gewusst haben musste. Sie forderte erneut rückhaltlose Aufklärung aller dubiosen Vorgänge rund um die WM-Bewerbung des DFB. Schenk stellte aber auch fest, dass solche Verschleierungsversuche heute wohl nicht mehr möglich seien. Sie forderte den DFB auf, die Bewerbung um die EURO 2024 und dort besonders das Thema Finanzen absolut transparent zu halten.
Das komplette Interview finden Sie hier

 

25. Juli 2016

Transparency fordert Anti-Doping-Gipfel mit unabhängigen Experten

Am Tag nach der IOC-Entscheidung zur Zulassung russischer Athleten bei den Olympischen Spielen in Rio fordert die Arbeitsgruppe Sport von Transparency International Deutschland „eine völlige Überarbeitung und Neuaufstellung des Anti-Doping-Kampfes im internationalen Spitzensport“. Im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (SID) setzte sich die Leiterin der AG, Sylvia Schenk, für die Einberufung eines Gipfels unabhängiger Fachleute ein. Außerdem plädierte Schenk vehement für eine grundsätzliche Begrenzung politischer Einflüsse auf den Sport.
„Dieser Vorgang zeigt doch, dass der Anti-Doping-Kampf an seine Grenzen gestoßen ist. Das Schlimme ist, dass man in Rio doch selbst ohne Russen in keinem Wettkampf glauben kann, dass Medaillengewinner und andere Teilnehmer sauber sind“, sagte Schenk. Wesentlicher Bestandteil einer Problemlösung muss aus Sicht der früheren Leichtathletin „die Entpolitisierung des internationalen Spitzensports sein“.

18. Juli 2016

Schenk:  „McLaren-Report ein Offenbarungseid für den Anti-Doping-Kampf“

Frankfurt – Für Sylvia Schenk, Leiterin der Arbeitsgruppe Sport von Transparency Deutschland, sind die Ergebnisse des McLaren-Reports über systematisches Doping in Russland „ein Offenbarungseid für den Anti-Doping-Kampf“. Die ehemalige Leichtathletin ging gegenüber dem SID mit der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) hart ins Gericht, die es versäumt habe, „neben den eigentlichen Anti-Doping-Kontrollen risikobasiert ein Compliance-System für das Umfeld des Spitzensports aufzubauen und auch investigativ gegen Verbände, Funktionäre, Labore usw. vorzugehen.“


Hinsichtlich der Konsequenzen forderte Schenk, über einen Olympia-Ausschluss hinauszudenken: „Jetzt lediglich den Ausschluss der russischen Athleten von den Spielen in Rio zu fordern, ohne Konsequenzen auch für russische IOC-Mitglieder und sonstige Funktionäre, wäre eine unzureichende Reaktion.“ Es genüge auch nicht, lediglich an Russland ein Exempel zu statuieren: „Es sind weitergehende Maßnahmen zur weltweiten Überprüfung des Anti-Doping-Systems und der Entwicklung grundlegend neuer Maßnahmen nötig.“

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Archivierte Meldungen

Beiträge aus dem Pressespiegel zum Thema

Hintergrund

Sport ist ein wesentlicher Faktor der gesellschaftlichen Wirklichkeit - in den Medien nimmt die Sportberichterstattung einen großen Raum ein, der Umsatz im Sport rechnet sich längst in Milliarden. Die gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedeutung des Sports sowie seine Vorbildwirkung und globale Verankerung verlangen von den Verantwortlichen ein beispielhaftes Engagement für ethische Grundsätze und Fairness, wie sie in der Olympischen Charta niedergelegt sind. Nur auf dieser Basis lassen sich die Werte des Sports, seine Glaubwürdigkeit und damit auch seine erzieherische Funktion dauerhaft sichern.

 

Würden diese Prinzipien konsequent umgesetzt, wäre dies die beste Prävention gegen Fehlentwicklung und Korruption, die – trotz zahlreicher Fälle – im Sport immer noch viel zu wenig thematisiert werden. Der Fokus der Arbeit von Transparency Deutschland liegt also auf der Schärfung des Bewusstseins für Missstände im Sport, die jene Prinzipien in Frage stellen, die der Sport sich selbst gibt, und der Stärkung von integrem und fairem Verhalten in allen Bereichen: auf dem Platz genauso wie in den Führungsebenen des Sports.  

 

Im internationalen Sport – ausgehend vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) nach dem Bestechungsskandal um die Vergabe der Olympischen Winterspiele 2002 nach Salt Lake City – haben eine Reihe von Verbänden bereits Beschlüsse zu ethischem Verhalten gefasst und u.a. Ethikkommissionen eingerichtet und Ethik Codes verabschiedet. Allerdings fehlt es, von einzelnen Ausnahmen abgesehen, an der tatsächlichen Änderung von Strukturen und Verfahren hin zu größerer Transparenz und Verantwortlichkeit sowie der konsequenten Verfolgung von Verstößen gegen entsprechende Regeln.

 

In Deutschland werden zurzeit in Zusammenarbeit mit Transparency Deutschland solche Vorgaben mehr und mehr thematisiert und verabschiedet, gerade weil das große öffentliche Interesse dem Sport eine herausragende Rolle bei der Durchsetzung von demokratischen und transparenten Strukturen zuschreibt. Insgesamt geht es nicht nur um die Situation in Deutschland, sondern darüber hinaus um eine internationale Wirkung mit dem Ziel, weltweit zu transparenten und demokratischen Sportstrukturen beizutragen. Für Infrastrukturprojekte gibt das Handbuch  The United Nations Convention against Corruption: A Strategy for Safeguarding against Corruption in Major Public EventsOrientierung.

 

Mitmachen?

Wenn Sie sich aktiv in der von Sylvia Schenk geleiteten Arbeitsgruppe Sport engagieren wollen, melden Sie sich unter office(at)transparency.de.

Unsere Dokumente zum Thema

Stellungnahme zum Gesetzentwurf zur Strafbarkeit von Sportwettbetrug und der Manipulation berufssportlicher Wettbewerb, 26.09.2016 (pdf, 187 kB)

Global Corruption Report 2016 Sport, 23.02.2016 (englisch) 

Selbstverpflichtungserklärung für FIFA Präsidentschaftskandidaten, 25.01.2016 (englisch, pdf, 284 kB)

Stellungnahme zum Entwurf eines Gesetzes zur Strafbarkeit von Sportwettbetrug und der Manipulation berufssportlicher Wettbewerbe, 11.01.2016 (pdf, 192 kB)

Stellungnahme von Transparency International Deutschland e.V. zur Umsetzung der Konvention des Europarats gegen die Manipulation von Sportwettbewerben, 09. September 2015 (pdf, 160 kB)

„Ethik und Transparenz in den deutschen Landessportbünden – eine Analyse“, Praktikumsprojekt Christoph Stiller, März 2015 (pdf, 153kB)

Corruption and sport: building integrity to prevent abuses, Working Paper 2/2014, Transparency International, September 2014
Nach der WM ist vor der WM - Integrität im Sport ist eine Daueraufgabe, Scheinwerfer 64, August 2014
Compliance im Sport, Sylvia Schenk, 10. Juni 2014 (pdf, 217kB)
Prävention schlägt Manipulation – Halbzeit im EU-Projekt „How to stop match-fixing", Scheinwerfer 61, November 2013
Guidelines for Good Governance in Grassroots Sport, April 2013 (pdf, 1,9 MB)
Gemeinsam gegen Spielmanipulation, Scheinwerfer 58, März 2013
Grundsätze einer transparenten Olympiabewerbung, Januar 2013 (pdf, 38,2 kB)
Scheinwerfer 55: Sport und Korruption, Juni 2012 (pdf, 713 kB)
FIFA-Report Safe Hands - Deutsche Übersetzung, 2012 (pdf, 107 kB)
ICC Governance Review. Transparency International, 2011 (pdf, 287 kB)
Schriftwechsel mit der Bewerbungsgesellschaft München 2018 GmbH, Januar bis April 2011
Sport und Politik: Transparenz auch auf kommunaler Ebene gefragt. Scheinwerfer 49, November 2010.
Korruption und Sport: Integrität stärken und Missbrauch verhindern Transparency International, Working Paper, # 03/2009 (pdf, 554 kB)
Hospitality im Compliance-Umfeld - Handhabung von Hospitality-Aktivitäten im deutschen Profisport, Stefan Lugwig und Nadine Jacobi, Deloitte (aus Jahrbuch Sponsoring 2009) New Business Verlag, 2009 (pdf, 1,02 MB)
Aufruf zur Transparenz und zu Maßnahmen gegen Korruption im Sport (pdf, 33 kB)
Strafrechlichte Aspekte im Rahmen von Sponsoren-Einladungen zu Sportveranstaltungen, Scheinwerfer 40
Stellungnahme vom 23.03.2010 zum Thema "Zukunft des Glücksspielwesens in Deutschland" (pdf, 103 kB)
Intransparenz im Sport, Scheinwerfer 48, Juli 2010

Pressemitteilungen zum Thema

Donnerstag, 22.09.2016
Mehr Transparenz bei der Bewerbung um die EURO 2024

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Mittwoch, 24.08.2016
Transparency Deutschland fordert nach Olympia Neustart im Vorgehen gegen Doping

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Dienstag, 23.02.2016
Global Corruption Report (GCR) Sport veröffentlicht

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Donnerstag, 14.05.2015
FIFA-Präsidentschaftskandidaten beziehen Position zu den Themen Korruption, Arbeitsstandards und Menschenrechte

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Freitag, 05.12.2014
Zivilgesellschaftliches Bündnis fordert vom IOC eine Vorreiterrolle für saubere internationale Sportveranstaltungen

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Dienstag, 12.08.2014
Transparente Olympiabewerbung: Berlin und Hamburg prüfen Bewerbung um die Spiele 2024

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Donnerstag, 24.10.2013
Gesellschafter stellen Ethik-Code für Münchens Olympiabewerbung 2022 vor

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Donnerstag, 21.06.2012
Transparency nimmt Unternehmen in die Verantwortung - Grundlegende Reform der "Formula One Group" überfällig

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Dienstag, 16.08.2011
Transparency International fordert unabhängige Kommission zur Begleitung der FIFA-Reform und legt Reformvorschläge vor

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Donnerstag, 07.07.2011
Olympia neu denken

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Montag, 09.05.2011
Abstimmung ist Signal für mehr Transparenz und Bürgerbeteiligung – nur so kann die Olympiabewerbung nachhaltig erfolgreich sein

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Freitag, 29.01.2010
Transparency Deutschland fordert klare Regeln bei Beraterverträgen von Sportfunktionären

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Mittwoch, 11.03.2009
Professionelle Compliance auch im Profisport erforderlich

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Montag, 03.04.2006
Transparency Deutschland stellt Aufruf zur Transparenz und zu Maßnahmen gegen Korruption im Sport vor

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Was ist Korruption?

Was macht Transparency Deutschland dagegen?

Initiative Transparente Zivilgesellschaft