Sport

Der Erfolg von Good-Governance zeigt sich erst in der Praxis

Die Arbeitsgruppe Sport von Transparency Deutschland freut sich, dass die Idee von „Good Governance“ im deutschen Sport langsam aber kontinuierlich voranschreitet. Das belegen verschiedene Beschlüsse von Landessportbünden und Fachverbänden in jüngster Zeit. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat im Oktober 2015 das Konzept „Good Governance – Gute Verbandsführung“ verabschiedet – unter kräftiger Mitarbeit von Transparency Deutschland.

 

Für Transparency Deutschland ist das Steuerungskonzept „Good Governance“ eine große Chance für die Sicherung der Integrität  im Sport. Es hilft z.B. Interessenkonflikte zu erkennen und offenzulegen oder auch Fehlverhalten zu vermeiden. Mit  Transparenz und Partizipation sorgt Good Governance für die Einbindung von Mitgliedern, Beschäftigten und weiteren Interessengruppen.

Beschlüsse über Regelungen sind aber nur ein erster Schritt – entscheidend kommt es auf die Umsetzung in der Praxis an. Good Governance muss mit Leben erfüllt werden und insgesamt die Verbandskultur hin zu Offenheit und Konfliktfähigkeit weiter entwickeln.

 

Hessische Turner verabschiedeten Good-Governance-Kodex

Erkannt hat das zum Beispiel der Hessische Turnverband (HTV), der auf seinem Verbandstag im Juni 2016 einen Good-Governance-Kodex,  niedergelegt in einem „Ethik-Code“ und ergänzt durch „Verhaltensrichtlinien für Mitglieder im HTV“ verabschiedet hat. Damit sollen insbesondere auch Hilfestellungen für die Vereine an der Basis geschaffen werden. Ein „Good Governance“-Beauftragter wird gemeinsam mit einem Vorstandsmitglied im HTV die Dinge vorantreiben.

 

LSB NRW: Jährliche Überprüfung vorgesehen

Beispielhaft genannt werden kann hier auch der Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD), der seit 2014 ebenfalls über einen Ethik-Code und Handlungsanleitungen für Funktionäre verfügt. In denen wird auch die strikte Trennung von privaten Interessen und denen des Verbandes angesprochen. Der Landessportbund NRW hat im Januar 2016 „Grundsätze der guten Verbandsführung“ in Anlehnung an den DOSB Ethik-Code (wie andere Verbände auch) verabschiedet und will diese einmal jährlich durch das Präsidium überprüfen lassen.

 

Der Landessportbund Niedersachsen regelt seine Verbandsarbeit seit Ende 2015 in einem ausführlichen „Corporate Governance-Codex“. Schon seit Anfang 2015 verfügt der Bayerische Tischtennis-Verband über Verhaltensregeln für Mitarbeiter, zu denen auch die Unterzeichnung einer Verpflichtungserklärung in Sachen „Anti-Doping-Kampf“ gehört.

 

Man sieht: einiges ist in Bewegung, aber noch nicht überall. Transparency hofft, dass jetzt weitere Verbände schnellstmöglich die „Good Governance“-Idee umsetzen.

 

Den Ethik-Code des Hessischen Turnverbandes finden Sie hier.

 

Aktuelles

25. Juli 2016

Transparency fordert Anti-Doping-Gipfel mit unabhängigen Experten

Am Tag nach der IOC-Entscheidung zur Zulassung russischer Athleten bei den Olympischen Spielen in Rio fordert die Arbeitsgruppe Sport von Transparency International Deutschland „eine völlige Überarbeitung und Neuaufstellung des Anti-Doping-Kampfes im internationalen Spitzensport“. Im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (SID) setzte sich die Leiterin der AG, Sylvia Schenk, für die Einberufung eines Gipfels unabhängiger Fachleute ein. Außerdem plädierte Schenk vehement für eine grundsätzliche Begrenzung politischer Einflüsse auf den Sport.
„Dieser Vorgang zeigt doch, dass der Anti-Doping-Kampf an seine Grenzen gestoßen ist. Das Schlimme ist, dass man in Rio doch selbst ohne Russen in keinem Wettkampf glauben kann, dass Medaillengewinner und andere Teilnehmer sauber sind“, sagte Schenk. Wesentlicher Bestandteil einer Problemlösung muss aus Sicht der früheren Leichtathletin „die Entpolitisierung des internationalen Spitzensports sein“.

18. Juli 2016

Schenk:  „McLaren-Report ein Offenbarungseid für den Anti-Doping-Kampf“

Frankfurt – Für Sylvia Schenk, Leiterin der Arbeitsgruppe Sport von Transparency Deutschland, sind die Ergebnisse des McLaren-Reports über systematisches Doping in Russland „ein Offenbarungseid für den Anti-Doping-Kampf“. Die ehemalige Leichtathletin ging gegenüber dem SID mit der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) hart ins Gericht, die es versäumt habe, „neben den eigentlichen Anti-Doping-Kontrollen risikobasiert ein Compliance-System für das Umfeld des Spitzensports aufzubauen und auch investigativ gegen Verbände, Funktionäre, Labore usw. vorzugehen.“


Hinsichtlich der Konsequenzen forderte Schenk, über einen Olympia-Ausschluss hinauszudenken: „Jetzt lediglich den Ausschluss der russischen Athleten von den Spielen in Rio zu fordern, ohne Konsequenzen auch für russische IOC-Mitglieder und sonstige Funktionäre, wäre eine unzureichende Reaktion.“ Es genüge auch nicht, lediglich an Russland ein Exempel zu statuieren: „Es sind weitergehende Maßnahmen zur weltweiten Überprüfung des Anti-Doping-Systems und der Entwicklung grundlegend neuer Maßnahmen nötig.“

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14. Juli 2016

Rio 2016: „Children Win“ sensibilisiert EU-Abgeordnete für Kinderrechte

Brüssel – Um die Rechte von Kindern im Umfeld der anstehenden Olympischen Spiele von Rio de Janeiro ging es bei einem Termin vor dem Menschenrechtsausschuss des Europaparlamentes in Brüssel. Die von Amnesty International, Partnerorganisation von Transparency International Deutschland, ins Leben gerufene Kinderhilfsorganisation „Children Win“ berichtete den Abgeordneten von den massenhaften Vertreibungen, die es in Rio für den Bau olympischer Infrastruktur gegeben hat. „Häuser wurden zerstört – und Kindheiten“ so Andrea Florence, Sprecherin von „Children Win“. Schon vor der Fußball-WM 2014 sei in Rio zudem damit begonnen worden, Straßenkinder einzusperren. Es gebe viele Berichte über Gewalttaten der Polizei. „Children Win“ forderte die EU-Parlamentarier dazu auf, während und nach den Olympischen Spiele die Situation von Kindern in Rio besonders im Blick zu behalten.

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17. Juni 2016

Good Governance im Fussball – Transparency bei Fan-Workshop in Manchester

Manchester – Die Erfahrung von Transparency Deutschland bei der Einführung von Good-Governance-Konzepten in Verbänden und Vereinen war jetzt auch in Manchester gefragt. Sylvia Schenk, Leiterin der Arbeitsgruppe Sport, referierte dazu auf einem Workshop, den die Organisation „Supporters Direct Europe“ (SD) veranstaltete. SD ist ein Interessenverband, der sich europaweit für die Interessen von Fans einsetzt. Die Veranstaltung fand im Stadion des FC United of Manchester statt, einem 2005 von Fans gegründeten und bis heute selbstverwalteten Alternativ-Klub. Aus Deutschland beteiligten sich Fans des FC Schalke 04 an der Debatte.

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Archivierte Meldungen

Beiträge aus dem Pressespiegel zum Thema

Hintergrund

Sport ist ein wesentlicher Faktor der gesellschaftlichen Wirklichkeit - in den Medien nimmt die Sportberichterstattung einen großen Raum ein, der Umsatz im Sport rechnet sich längst in Milliarden. Die gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedeutung des Sports sowie seine Vorbildwirkung und globale Verankerung verlangen von den Verantwortlichen ein beispielhaftes Engagement für ethische Grundsätze und Fairness, wie sie in der Olympischen Charta niedergelegt sind. Nur auf dieser Basis lassen sich die Werte des Sports, seine Glaubwürdigkeit und damit auch seine erzieherische Funktion dauerhaft sichern.

 

Würden diese Prinzipien konsequent umgesetzt, wäre dies die beste Prävention gegen Fehlentwicklung und Korruption, die – trotz zahlreicher Fälle – im Sport immer noch viel zu wenig thematisiert werden. Der Fokus der Arbeit von Transparency Deutschland liegt also auf der Schärfung des Bewusstseins für Missstände im Sport, die jene Prinzipien in Frage stellen, die der Sport sich selbst gibt, und der Stärkung von integrem und fairem Verhalten in allen Bereichen: auf dem Platz genauso wie in den Führungsebenen des Sports.  

 

Im internationalen Sport – ausgehend vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) nach dem Bestechungsskandal um die Vergabe der Olympischen Winterspiele 2002 nach Salt Lake City – haben eine Reihe von Verbänden bereits Beschlüsse zu ethischem Verhalten gefasst und u.a. Ethikkommissionen eingerichtet und Ethik Codes verabschiedet. Allerdings fehlt es, von einzelnen Ausnahmen abgesehen, an der tatsächlichen Änderung von Strukturen und Verfahren hin zu größerer Transparenz und Verantwortlichkeit sowie der konsequenten Verfolgung von Verstößen gegen entsprechende Regeln.

 

In Deutschland werden zurzeit in Zusammenarbeit mit Transparency Deutschland solche Vorgaben mehr und mehr thematisiert und verabschiedet, gerade weil das große öffentliche Interesse dem Sport eine herausragende Rolle bei der Durchsetzung von demokratischen und transparenten Strukturen zuschreibt. Insgesamt geht es nicht nur um die Situation in Deutschland, sondern darüber hinaus um eine internationale Wirkung mit dem Ziel, weltweit zu transparenten und demokratischen Sportstrukturen beizutragen. Für Infrastrukturprojekte gibt das Handbuch  The United Nations Convention against Corruption: A Strategy for Safeguarding against Corruption in Major Public EventsOrientierung.

 

Mitmachen?

Wenn Sie sich aktiv in der von Sylvia Schenk geleiteten Arbeitsgruppe Sport engagieren wollen, melden Sie sich unter office(at)transparency.de.

Unsere Dokumente zum Thema

Global Corruption Report 2016 Sport, 23.02.2016 (englisch) 

Selbstverpflichtungserklärung für FIFA Präsidentschaftskandidaten, 25.01.2016 (englisch, pdf, 284 kB)

Stellungnahme zum Entwurf eines Gesetzes zur Strafbarkeit von Sportwettbetrug und der Manipulation berufssportlicher Wettbewerbe, 11.01.2016 (pdf, 192 kB)

Stellungnahme von Transparency International Deutschland e.V. zur Umsetzung der Konvention des Europarats gegen die Manipulation von Sportwettbewerben, 09. September 2015 (pdf, 160 kB)

„Ethik und Transparenz in den deutschen Landessportbünden – eine Analyse“, Praktikumsprojekt Christoph Stiller, März 2015 (pdf, 153kB)

Corruption and sport: building integrity to prevent abuses, Working Paper 2/2014, Transparency International, September 2014
Nach der WM ist vor der WM - Integrität im Sport ist eine Daueraufgabe, Scheinwerfer 64, August 2014
Compliance im Sport, Sylvia Schenk, 10. Juni 2014 (pdf, 217kB)
Prävention schlägt Manipulation – Halbzeit im EU-Projekt „How to stop match-fixing", Scheinwerfer 61, November 2013
Guidelines for Good Governance in Grassroots Sport, April 2013 (pdf, 1,9 MB)
Gemeinsam gegen Spielmanipulation, Scheinwerfer 58, März 2013
Grundsätze einer transparenten Olympiabewerbung, Januar 2013 (pdf, 38,2 kB)
Scheinwerfer 55: Sport und Korruption, Juni 2012 (pdf, 713 kB)
FIFA-Report Safe Hands - Deutsche Übersetzung, 2012 (pdf, 107 kB)
ICC Governance Review. Transparency International, 2011 (pdf, 287 kB)
Schriftwechsel mit der Bewerbungsgesellschaft München 2018 GmbH, Januar bis April 2011
Sport und Politik: Transparenz auch auf kommunaler Ebene gefragt. Scheinwerfer 49, November 2010.
Korruption und Sport: Integrität stärken und Missbrauch verhindern Transparency International, Working Paper, # 03/2009 (pdf, 554 kB)
Hospitality im Compliance-Umfeld - Handhabung von Hospitality-Aktivitäten im deutschen Profisport, Stefan Lugwig und Nadine Jacobi, Deloitte (aus Jahrbuch Sponsoring 2009) New Business Verlag, 2009 (pdf, 1,02 MB)
Aufruf zur Transparenz und zu Maßnahmen gegen Korruption im Sport (pdf, 33 kB)
Strafrechlichte Aspekte im Rahmen von Sponsoren-Einladungen zu Sportveranstaltungen, Scheinwerfer 40
Stellungnahme vom 23.03.2010 zum Thema "Zukunft des Glücksspielwesens in Deutschland" (pdf, 103 kB)
Intransparenz im Sport, Scheinwerfer 48, Juli 2010

Pressemitteilungen zum Thema

Dienstag, 23.02.2016
Global Corruption Report (GCR) Sport veröffentlicht

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Donnerstag, 14.05.2015
FIFA-Präsidentschaftskandidaten beziehen Position zu den Themen Korruption, Arbeitsstandards und Menschenrechte

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Freitag, 05.12.2014
Zivilgesellschaftliches Bündnis fordert vom IOC eine Vorreiterrolle für saubere internationale Sportveranstaltungen

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Dienstag, 12.08.2014
Transparente Olympiabewerbung: Berlin und Hamburg prüfen Bewerbung um die Spiele 2024

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Donnerstag, 24.10.2013
Gesellschafter stellen Ethik-Code für Münchens Olympiabewerbung 2022 vor

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Donnerstag, 21.06.2012
Transparency nimmt Unternehmen in die Verantwortung - Grundlegende Reform der "Formula One Group" überfällig

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Dienstag, 16.08.2011
Transparency International fordert unabhängige Kommission zur Begleitung der FIFA-Reform und legt Reformvorschläge vor

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Donnerstag, 07.07.2011
Olympia neu denken

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Montag, 09.05.2011
Abstimmung ist Signal für mehr Transparenz und Bürgerbeteiligung – nur so kann die Olympiabewerbung nachhaltig erfolgreich sein

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Freitag, 29.01.2010
Transparency Deutschland fordert klare Regeln bei Beraterverträgen von Sportfunktionären

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Mittwoch, 11.03.2009
Professionelle Compliance auch im Profisport erforderlich

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Montag, 03.04.2006
Transparency Deutschland stellt Aufruf zur Transparenz und zu Maßnahmen gegen Korruption im Sport vor

[mehr] 

Was ist Korruption?

Was macht Transparency Deutschland dagegen?

Initiative Transparente Zivilgesellschaft