Sport

Foto: Sylvia Schenk

Was hat die „Berliner Erklärung“ für den Welt-Sport gebracht? - Transparency bei „MINEPS VI“-Workshop in Lausanne

Die 6. UNESCO-Weltsportministerkonferenz „MINEPS VI“ wird im Juni 2017 im russischen Kasan stattfinden. Am Vorbereitungs-Workshop der UNESCO in Lausanne Anfang November nahm auch Sylvia Schenk teil. Die Leiterin der Arbeitsgruppe Sport von Transparency International Deutschland war eine von über 30 ExpertInnen aus IOC, FIFA, verschiedenen Regierungen, der WADA und von zahlreichen Universitäten, die sich besonders mit dem Stand der Umsetzung der vielbeachteten „Berliner Erklärung“ von 2013 beschäftigten.

 

Die gilt als Meilenstein der internationalen Sportpolitik – 2013 verabschiedet immerhin von 42 Sportministern, 28 Vizeministern und 26 Leitern oberster Sportbehörden ihrer Länder. In dem Dokument geht es um neue Anforderungen an Bewerbung und Ausrichtung von sportlichen Großveranstaltungen im Hinblick auf Transparenz, Nachhaltigkeit und Partizipation, um die Bekämpfung von Manipulation im Sport sowie um die Verbesserung des Zugangs von Frauen und Mädchen zum Sport.

 

Viele kleine Länder brauchen noch „die Basics“

 

Im Workshop in Lausanne wurden erste Bilanzen gezogen, was seit 2013 erreicht wurde – oder nicht. Es wurden Vorschläge erarbeitet, mit welchen Schwerpunkten sich die Sportminister ab 2017 beschäftigen sollen (siehe Foto). Sylvia Schenk sprach sich im Workshop dafür aus, alles „sehr konkret“ zu gestalten. „Wir müssen sehr konsens-bezogen vorgehen, weil alles auch in kleineren Ländern umsetzbar sein muss, wo vielfach ja noch die Basics für unsere Anliegen erarbeitet werden müssen“.

 

Vor drei Jahren hatte der damalige Bundesinnenminister Friedrich vor den Konferenz-Teilnehmern in Berlin von der Hoffnung gesprochen, dass von MINEPS V ein starker Impuls für die gemeinsame Bewältigung der globalen Herausforderungen im Sport ausgehen wird. Bei MINEPS VI soll dieser Impuls nun in die Gestaltung konkreter Projekte übergehen.

 

Aktuelles

22. November 2016

Sportfilmfestival: Hauptpreise für Benjamin Best und Hajo Seppelt

Mailand - Beim Internationalen Sportfilmfestival in Mailand haben gleich zwei deutsche Produktionen Hauptpreise gewonnen. In beiden wird ein kritischer Blick auf die Sportwelt geworfen. Einen Hauptpreis in der Kategorie "Movies & TV Football" gewann Filmemacher Benjamin Best. Der Münchner Journalist erhielt die "Guirlande d'Honneur" für seine Kino-Doku "Dirty Games" über Menschenrechtsverletzungen und finanzielle Manipulationen im globalen Sportbusiness.
In der Kategorie "Sport & Society" gewann die ARD-Dopingredaktion den Siegespreis für die im Jahr 2016 ausgestrahlten Filme über Doping in Russland. Das TV-Team um Hajo Seppelt hatte im März den Film "Russlands Täuschungsmanöver" und im Juni den Film "Showdown für Russland" realisiert, die letztendlich zum Ausschluss fast aller russischen Leichtathleten von den Olympischen Spielen in Rio führten.  .
Das Internationale Sportfilmfestival Mailand ist das größte seiner Art weltweit.

14. Oktober 2016

Deutscher Sportwettenverband begrüßt neues DLTB-Debattenformat „Über Kreuz"

Berlin – Wie der Internetblog Wettrecht.blogspot.de am 14.10.2016 berichtet, wurde bei einer Veranstaltung des Deutschen Lotto- und Totoblocks (DLTB) über Integrität im Sport und die Regulierung des Sportwettenmarktes diskutiert. Aufhänger der Veranstaltung ist die von der Bundesregierung geplante Einführung eines Straftatbestandes gegen Spielmanipulationen, die auch einen Sportwettenbezug haben können. Ein gemeinsames Kernanliegen des DLTB und des Deutschen Sportwettenverbands (DSWV) ist die Integrität im Sport und die dringend erforderliche markt- und rechtskonforme Novelle des Glücksspielstaatsvertrags zur Regulierung des Sportwettenmarktes. Laut Dr. Adrian Fiedler, Mitglied der Arbeitsgruppe Sport bei Transparency Deutschland, ist die unklare Rechtslage auf dem deutschen Sportwettenmarkt angesichts des gescheiterten Glücksspielstaatsvertrags allerdings das weitaus größere Problem.

 

 

29. September 2016

Dokumentation über Menschenrechtsverletzungen in Rio vorgelegt

Genf – Die Menschenrechtsorganisation „Terre des Hommes“ (TdH) präsentierte  heute in Genf eine besondere Bilanz der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro: "Breaking Records: Child rights violations during Rio 2016 Olympics". Darin wurden zahlreiche Menschenrechtsverletzungen besonders an Kindern und Jugendlichen vor und während der Spiele dokumentiert. Vorrangig geht es um Vertreibungen von 22 000 Familien, willkürliche Festnahmen und massive Polizeigewalt. Mit der Präsentation und in weiteren Gesprächen will „Terre des Hommes“ mehr Druck auf das IOC ausüben, damit bei künftigen Spielen die Einhaltung der Menschenrechte stärker in den Blickpunkt rückt. Transparency International Deutschland arbeitet mit TdH in der „Sports and Rights Alliance“ zusammen.
Mehr zum Thema finden Sie hier.


15. September 2016

Schenk: Zwanziger  muss von Zahlungen an Beckenbauer gewusst haben

Hamburg – Als Versuche der Verschleierung wertet Sylvia Schenk, Leiterin der Arbeitsgruppe Sport, die Vorgänge um die Zahlungen an Franz Beckenbauer in seiner Zeit als OK-Vorsitzender für die Fußball-WM 2006 in Deutschland. In einem Interview mit dem Radiosender NDR Info kritisierte sie vor allem den späteren DFB-Präsidenten Theo Zwanziger, der als damaliger DFB-Schatzmeister von den Zahlungen gewusst haben musste. Sie forderte erneut rückhaltlose Aufklärung aller dubiosen Vorgänge rund um die WM-Bewerbung des DFB. Schenk stellte aber auch fest, dass solche Verschleierungsversuche heute wohl nicht mehr möglich seien. Sie forderte den DFB auf, die Bewerbung um die EURO 2024 und dort besonders das Thema Finanzen absolut transparent zu halten.
Das komplette Interview finden Sie hier

 

25. Juli 2016

Transparency fordert Anti-Doping-Gipfel mit unabhängigen Experten

Am Tag nach der IOC-Entscheidung zur Zulassung russischer Athleten bei den Olympischen Spielen in Rio fordert die Arbeitsgruppe Sport von Transparency International Deutschland „eine völlige Überarbeitung und Neuaufstellung des Anti-Doping-Kampfes im internationalen Spitzensport“. Im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (SID) setzte sich die Leiterin der AG, Sylvia Schenk, für die Einberufung eines Gipfels unabhängiger Fachleute ein. Außerdem plädierte Schenk vehement für eine grundsätzliche Begrenzung politischer Einflüsse auf den Sport.
„Dieser Vorgang zeigt doch, dass der Anti-Doping-Kampf an seine Grenzen gestoßen ist. Das Schlimme ist, dass man in Rio doch selbst ohne Russen in keinem Wettkampf glauben kann, dass Medaillengewinner und andere Teilnehmer sauber sind“, sagte Schenk. Wesentlicher Bestandteil einer Problemlösung muss aus Sicht der früheren Leichtathletin „die Entpolitisierung des internationalen Spitzensports sein“.
 

Archivierte Meldungen

Beiträge aus dem Pressespiegel zum Thema

Hintergrund

Sport ist ein wesentlicher Faktor der gesellschaftlichen Wirklichkeit - in den Medien nimmt die Sportberichterstattung einen großen Raum ein, der Umsatz im Sport rechnet sich längst in Milliarden. Die gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedeutung des Sports sowie seine Vorbildwirkung und globale Verankerung verlangen von den Verantwortlichen ein beispielhaftes Engagement für ethische Grundsätze und Fairness, wie sie in der Olympischen Charta niedergelegt sind. Nur auf dieser Basis lassen sich die Werte des Sports, seine Glaubwürdigkeit und damit auch seine erzieherische Funktion dauerhaft sichern.

 

Würden diese Prinzipien konsequent umgesetzt, wäre dies die beste Prävention gegen Fehlentwicklung und Korruption, die – trotz zahlreicher Fälle – im Sport immer noch viel zu wenig thematisiert werden. Der Fokus der Arbeit von Transparency Deutschland liegt also auf der Schärfung des Bewusstseins für Missstände im Sport, die jene Prinzipien in Frage stellen, die der Sport sich selbst gibt, und der Stärkung von integrem und fairem Verhalten in allen Bereichen: auf dem Platz genauso wie in den Führungsebenen des Sports.  

 

Im internationalen Sport – ausgehend vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) nach dem Bestechungsskandal um die Vergabe der Olympischen Winterspiele 2002 nach Salt Lake City – haben eine Reihe von Verbänden bereits Beschlüsse zu ethischem Verhalten gefasst und u.a. Ethikkommissionen eingerichtet und Ethik Codes verabschiedet. Allerdings fehlt es, von einzelnen Ausnahmen abgesehen, an der tatsächlichen Änderung von Strukturen und Verfahren hin zu größerer Transparenz und Verantwortlichkeit sowie der konsequenten Verfolgung von Verstößen gegen entsprechende Regeln.

 

In Deutschland werden zurzeit in Zusammenarbeit mit Transparency Deutschland solche Vorgaben mehr und mehr thematisiert und verabschiedet, gerade weil das große öffentliche Interesse dem Sport eine herausragende Rolle bei der Durchsetzung von demokratischen und transparenten Strukturen zuschreibt. Insgesamt geht es nicht nur um die Situation in Deutschland, sondern darüber hinaus um eine internationale Wirkung mit dem Ziel, weltweit zu transparenten und demokratischen Sportstrukturen beizutragen. Für Infrastrukturprojekte gibt das Handbuch  The United Nations Convention against Corruption: A Strategy for Safeguarding against Corruption in Major Public EventsOrientierung.

 

Mitmachen?

Wenn Sie sich aktiv in der von Sylvia Schenk geleiteten Arbeitsgruppe Sport engagieren wollen, melden Sie sich unter office(at)transparency.de.

Unsere Dokumente zum Thema

Stellungnahme zum Gesetzentwurf zur Strafbarkeit von Sportwettbetrug und der Manipulation berufssportlicher Wettbewerb, 26.09.2016 (pdf, 187 kB)

Global Corruption Report 2016 Sport, 23.02.2016 (englisch) 

Selbstverpflichtungserklärung für FIFA Präsidentschaftskandidaten, 25.01.2016 (englisch, pdf, 284 kB)

Stellungnahme zum Entwurf eines Gesetzes zur Strafbarkeit von Sportwettbetrug und der Manipulation berufssportlicher Wettbewerbe, 11.01.2016 (pdf, 192 kB)

Stellungnahme von Transparency International Deutschland e.V. zur Umsetzung der Konvention des Europarats gegen die Manipulation von Sportwettbewerben, 09. September 2015 (pdf, 160 kB)

„Ethik und Transparenz in den deutschen Landessportbünden – eine Analyse“, Praktikumsprojekt Christoph Stiller, März 2015 (pdf, 153kB)

Corruption and sport: building integrity to prevent abuses, Working Paper 2/2014, Transparency International, September 2014
Nach der WM ist vor der WM - Integrität im Sport ist eine Daueraufgabe, Scheinwerfer 64, August 2014
Compliance im Sport, Sylvia Schenk, 10. Juni 2014 (pdf, 217kB)
Prävention schlägt Manipulation – Halbzeit im EU-Projekt „How to stop match-fixing", Scheinwerfer 61, November 2013
Guidelines for Good Governance in Grassroots Sport, April 2013 (pdf, 1,9 MB)
Gemeinsam gegen Spielmanipulation, Scheinwerfer 58, März 2013
Grundsätze einer transparenten Olympiabewerbung, Januar 2013 (pdf, 38,2 kB)
Scheinwerfer 55: Sport und Korruption, Juni 2012 (pdf, 713 kB)
FIFA-Report Safe Hands - Deutsche Übersetzung, 2012 (pdf, 107 kB)
ICC Governance Review. Transparency International, 2011 (pdf, 287 kB)
Schriftwechsel mit der Bewerbungsgesellschaft München 2018 GmbH, Januar bis April 2011
Sport und Politik: Transparenz auch auf kommunaler Ebene gefragt. Scheinwerfer 49, November 2010.
Korruption und Sport: Integrität stärken und Missbrauch verhindern Transparency International, Working Paper, # 03/2009 (pdf, 554 kB)
Hospitality im Compliance-Umfeld - Handhabung von Hospitality-Aktivitäten im deutschen Profisport, Stefan Lugwig und Nadine Jacobi, Deloitte (aus Jahrbuch Sponsoring 2009) New Business Verlag, 2009 (pdf, 1,02 MB)
Aufruf zur Transparenz und zu Maßnahmen gegen Korruption im Sport (pdf, 33 kB)
Strafrechlichte Aspekte im Rahmen von Sponsoren-Einladungen zu Sportveranstaltungen, Scheinwerfer 40
Stellungnahme vom 23.03.2010 zum Thema "Zukunft des Glücksspielwesens in Deutschland" (pdf, 103 kB)
Intransparenz im Sport, Scheinwerfer 48, Juli 2010

Pressemitteilungen zum Thema

Donnerstag, 22.09.2016
Mehr Transparenz bei der Bewerbung um die EURO 2024

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Mittwoch, 24.08.2016
Transparency Deutschland fordert nach Olympia Neustart im Vorgehen gegen Doping

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Dienstag, 23.02.2016
Global Corruption Report (GCR) Sport veröffentlicht

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Donnerstag, 14.05.2015
FIFA-Präsidentschaftskandidaten beziehen Position zu den Themen Korruption, Arbeitsstandards und Menschenrechte

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Freitag, 05.12.2014
Zivilgesellschaftliches Bündnis fordert vom IOC eine Vorreiterrolle für saubere internationale Sportveranstaltungen

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Dienstag, 12.08.2014
Transparente Olympiabewerbung: Berlin und Hamburg prüfen Bewerbung um die Spiele 2024

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Donnerstag, 24.10.2013
Gesellschafter stellen Ethik-Code für Münchens Olympiabewerbung 2022 vor

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Donnerstag, 21.06.2012
Transparency nimmt Unternehmen in die Verantwortung - Grundlegende Reform der "Formula One Group" überfällig

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Dienstag, 16.08.2011
Transparency International fordert unabhängige Kommission zur Begleitung der FIFA-Reform und legt Reformvorschläge vor

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Donnerstag, 07.07.2011
Olympia neu denken

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Montag, 09.05.2011
Abstimmung ist Signal für mehr Transparenz und Bürgerbeteiligung – nur so kann die Olympiabewerbung nachhaltig erfolgreich sein

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Freitag, 29.01.2010
Transparency Deutschland fordert klare Regeln bei Beraterverträgen von Sportfunktionären

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Mittwoch, 11.03.2009
Professionelle Compliance auch im Profisport erforderlich

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Montag, 03.04.2006
Transparency Deutschland stellt Aufruf zur Transparenz und zu Maßnahmen gegen Korruption im Sport vor

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Was ist Korruption?

Was macht Transparency Deutschland dagegen?

Initiative Transparente Zivilgesellschaft