Sport

Transparency-Experte: Regulierung des Sportwettenmarktes ist ein wichtiger Beitrag gegen „Match Fixing“

Experten schätzen den internationalen Sportwettenmarkt für 2016 auf ca. 1,4 Billionen Euro stark, 60 Prozent davon werden im Fußball umgesetzt. Tendenz wohl steigend. Was davon illegal durch Wettbetrug eingenommen wird, lässt sich kaum seriös kalkulieren. Über 100 Millionen Euro würden es schon sein, vermutet Andreas Krannich von Sportradar, das den internationalen Wettmarkt beobachtet. Zuletzt seien besonders Fußballspiele in der Winterpause anfällig für Spiel- und Wettmanipulation, das sog. „Match Fixing“, gewesen. Dahinter stehen oftmals weltweit tätige kriminelle Organisationen.

„Match Fixing“ spielt auch eine gewichtige Rolle in der Diskussion um eine neue Glücksspielregulierung in Deutschland. Mit der beschäftigte sich Anfang Februar ein Dutzend Experten auf einer gut besuchten Veranstaltung der „Zeitschrift für Wett- und Glückspielrecht“ in Berlin. Hintergrund: Im Jahr 2015 stellte die EU-Kommission fest, dass das Glücksspiel in Deutschland den Ansprüchen an Kohärenz nicht gerecht wird. Im Bereich Sportwetten führte dies dazu, dass die Ministerpräsidentenkonferenz im Oktober 2016 eine Änderung des Glücksspielstaatsvertrages beschloss, durch die die Vergabe von Konzessionen an Sportwettenanbieter neu geregelt werden soll.

Wir brauchen Prävention und Sanktion

Für die Arbeitsgruppe Sport von Transparency International Deutschland beteiligte sich Dr. Adrian Fiedler an der Diskussion. Der Hamburger Rechtsanwalt ist ein renommierter Experte für  „Match Fixing“. Er sprach sich erneut für eine verstärkte präventive Aufklärung von Sportlern aus und forderte, in Verbandssatzungen und im Strafgesetzbuch klare Sanktionen für solches Verhalten zu implementieren.

Darüber hinaus sei jedoch auch  die Regulierung des Sportwettenmarktes ein wichtiger Beitrag gegen „Match Fixing“, da hierdurch bestimmte Anreize für Spielmanipulation reduziert werden könnten. Man könne wieder klarer zwischen legalen und illegalen Sportwetten unterscheiden und das Ordnungsrecht vollziehen. Auf einem legalen Markt lasse sich auch die Höhe der Einsätze besser screenen und damit auffällige Wettmuster, die auf Manipulationen hindeuteten, besser erkannt werden.

Der Transparency-Referent gab sich abschließend optimistisch, dass sich wirtschaftliche Interessen und die Ziele des Glücksspielstaatsvertrags so in Einklang bringen lassen, dass ein maßgeblicher Beitrag zur Bekämpfung von Match-Fixing geleistet werden kann.

Bildzeile:
Dr. Adrian Fiedler (Mitte) referierte als Vertreter von Transparency International Deutschland zum Thema „Match Fixing“. Foto: AutomatenMarkt

 

Aktuelles

17.02.2017

Zusammenarbeit von Zivilgesellschaft und Sport intensivieren

Lausanne – Zu einer intensiveren und systematischen Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Organisationen hat Sylvia Schenk, Vorsitzende der AG Sport von Transparency International Deutschland, die Sportverbände aufgerufen. Im „2. Internationalen Forum für Sport-Integrität“ in Lausanne nannte sie besonders ein Plus an Glaubwürdigkeit als Vorteil für den Sport. „Ja, wir haben zunächst unterschiedliche Sichtweisen und sind auch unbequem. Aber es gibt schon gute Beispiele gelungener Kooperationen, die den Sport letztendlich stärker machen, wie der Bereich Good Governance“, so Schenk.
Einmal mehr sprach sie sich bei der Veranstaltung im Olympischen Museum für die Entwicklung einer „Kultur des Zuhörens“ innerhalb der Verbände gegenüber internen Kritikern aus. Im Rahmen des Forums kündigte das Internationale Olympische Komitee IOC die Schaffung einer Einheit zur Prävention von Wettkampf-Manipulationen an. Diese soll die entsprechende Arbeit noch effizienter gestalten und die direkt beteiligten Parteien wie internationale Verbände, Nationale Olympische Komitees und Sportler stärker einbinden.
Mehr zum Forum

 

31. Januar 2017

Mega Sport Events: Neue „White Papers“ über Gefahren für Menschenrechte

Frankfurt - Menschenrechtsfragen im Umfeld sportlicher Großveranstaltungen sind spätestens seit den Olympischen Spielen in Rio ein wichtiges Thema im internationalen Sport. Seit heute präsentiert sich nun die internationale Initiative „Mega Sporting Event Platform for Human Rights“ (MSE-Platform) mit einem frischen Internet-Auftritt. Diese hat sich zum Ziel gesetzt, neue Dialogformen und Handlungsstrategien zu entwickeln, um mögliche Bedrohungen für Menschenrechte im Umfeld großer Sportveranstaltungen  frühzeitig zu erkennen und zu kommunizieren. Die MSE-Platform wird vom „Institute for Human Rights and Business“ getragen. Kernstück der Website sind elf sog. „White Papers“, die den aktuellen Kenntnis- und Debattenstand über mögliche Gefahren für Menschenrechte bei sportlichen Großveranstaltungen zusammenfassen – vom Planungsprozess über die Durchführung bis hin zur Nachbereitung. Sylvia Schenk, Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft Sport von Transparency International Deutschland, beschreibt in ihrem White Paper, welche Bedrohung von Korruption für die Menschenrechte im Sportbereich ausgeht. Sämtliche White Papers finden Sie hier.

 

29. Januar 2017

Transparency soll DFB-Bewerbung um die EURO 2024 begleiten

Ludwigshafen – Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat Transparency International Deutschland gebeten, seine Bewerbung für die Europameisterschaft 2024 zu begleiten. Ausgangspunkt des DFB-Interesses waren die dem Verband im Frühjahr 2016 von Transparency übermittelten „Grundsätze einer transparenten Bewerbung um die EURO 2024“. Im Interview mit „Die Rheinpfalz“ erläutert nun Transparency-Sport-AG-Sprecherin Sylvia Schenk, wie eine derartige Begleitung aus Sicht der Anti-Korruptionsorganisation aussehen könnte. Dabei gibt sie sich optimistisch, dass man auch mit einer völlig sauberen Bewerbung den Zuschlag für die EM bekommen könnte, „da auch die Uefa entsprechende Vorgaben macht und die Öffentlichkeit sehr genau hinschauen wird“. Das komplette Interview gibt es hier.

 

Archivierte Meldungen

Beiträge aus dem Pressespiegel zum Thema

Hintergrund

Sport ist ein wesentlicher Faktor der gesellschaftlichen Wirklichkeit - in den Medien nimmt die Sportberichterstattung einen großen Raum ein, der Umsatz im Sport rechnet sich längst in Milliarden. Die gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedeutung des Sports sowie seine Vorbildwirkung und globale Verankerung verlangen von den Verantwortlichen ein beispielhaftes Engagement für ethische Grundsätze und Fairness, wie sie in der Olympischen Charta niedergelegt sind. Nur auf dieser Basis lassen sich die Werte des Sports, seine Glaubwürdigkeit und damit auch seine erzieherische Funktion dauerhaft sichern.

 

Würden diese Prinzipien konsequent umgesetzt, wäre dies die beste Prävention gegen Fehlentwicklung und Korruption, die – trotz zahlreicher Fälle – im Sport immer noch viel zu wenig thematisiert werden. Der Fokus der Arbeit von Transparency Deutschland liegt also auf der Schärfung des Bewusstseins für Missstände im Sport, die jene Prinzipien in Frage stellen, die der Sport sich selbst gibt, und der Stärkung von integrem und fairem Verhalten in allen Bereichen: auf dem Platz genauso wie in den Führungsebenen des Sports.  

 

Im internationalen Sport – ausgehend vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) nach dem Bestechungsskandal um die Vergabe der Olympischen Winterspiele 2002 nach Salt Lake City – haben eine Reihe von Verbänden bereits Beschlüsse zu ethischem Verhalten gefasst und u.a. Ethikkommissionen eingerichtet und Ethik Codes verabschiedet. Allerdings fehlt es, von einzelnen Ausnahmen abgesehen, an der tatsächlichen Änderung von Strukturen und Verfahren hin zu größerer Transparenz und Verantwortlichkeit sowie der konsequenten Verfolgung von Verstößen gegen entsprechende Regeln.

 

In Deutschland werden zurzeit in Zusammenarbeit mit Transparency Deutschland solche Vorgaben mehr und mehr thematisiert und verabschiedet, gerade weil das große öffentliche Interesse dem Sport eine herausragende Rolle bei der Durchsetzung von demokratischen und transparenten Strukturen zuschreibt. Insgesamt geht es nicht nur um die Situation in Deutschland, sondern darüber hinaus um eine internationale Wirkung mit dem Ziel, weltweit zu transparenten und demokratischen Sportstrukturen beizutragen. Für Infrastrukturprojekte gibt das Handbuch  The United Nations Convention against Corruption: A Strategy for Safeguarding against Corruption in Major Public EventsOrientierung.

 

Mitmachen?

Wenn Sie sich aktiv in der von Sylvia Schenk geleiteten Arbeitsgruppe Sport engagieren wollen, melden Sie sich unter office(at)transparency.de.

Unsere Dokumente zum Thema

Stellungnahme zum Gesetzentwurf zur Strafbarkeit von Sportwettbetrug und der Manipulation berufssportlicher Wettbewerb, 26.09.2016 (pdf, 187 kB)

Global Corruption Report 2016 Sport, 23.02.2016 (englisch) 

Selbstverpflichtungserklärung für FIFA Präsidentschaftskandidaten, 25.01.2016 (englisch, pdf, 284 kB)

Stellungnahme zum Entwurf eines Gesetzes zur Strafbarkeit von Sportwettbetrug und der Manipulation berufssportlicher Wettbewerbe, 11.01.2016 (pdf, 192 kB)

Stellungnahme von Transparency International Deutschland e.V. zur Umsetzung der Konvention des Europarats gegen die Manipulation von Sportwettbewerben, 09. September 2015 (pdf, 160 kB)

„Ethik und Transparenz in den deutschen Landessportbünden – eine Analyse“, Praktikumsprojekt Christoph Stiller, März 2015 (pdf, 153kB)

Corruption and sport: building integrity to prevent abuses, Working Paper 2/2014, Transparency International, September 2014
Nach der WM ist vor der WM - Integrität im Sport ist eine Daueraufgabe, Scheinwerfer 64, August 2014
Compliance im Sport, Sylvia Schenk, 10. Juni 2014 (pdf, 217kB)
Prävention schlägt Manipulation – Halbzeit im EU-Projekt „How to stop match-fixing", Scheinwerfer 61, November 2013
Guidelines for Good Governance in Grassroots Sport, April 2013 (pdf, 1,9 MB)
Gemeinsam gegen Spielmanipulation, Scheinwerfer 58, März 2013
Grundsätze einer transparenten Olympiabewerbung, Januar 2013 (pdf, 38,2 kB)
Scheinwerfer 55: Sport und Korruption, Juni 2012 (pdf, 713 kB)
FIFA-Report Safe Hands - Deutsche Übersetzung, 2012 (pdf, 107 kB)
ICC Governance Review. Transparency International, 2011 (pdf, 287 kB)
Schriftwechsel mit der Bewerbungsgesellschaft München 2018 GmbH, Januar bis April 2011
Sport und Politik: Transparenz auch auf kommunaler Ebene gefragt. Scheinwerfer 49, November 2010.
Korruption und Sport: Integrität stärken und Missbrauch verhindern Transparency International, Working Paper, # 03/2009 (pdf, 554 kB)
Hospitality im Compliance-Umfeld - Handhabung von Hospitality-Aktivitäten im deutschen Profisport, Stefan Lugwig und Nadine Jacobi, Deloitte (aus Jahrbuch Sponsoring 2009) New Business Verlag, 2009 (pdf, 1,02 MB)
Aufruf zur Transparenz und zu Maßnahmen gegen Korruption im Sport (pdf, 33 kB)
Strafrechlichte Aspekte im Rahmen von Sponsoren-Einladungen zu Sportveranstaltungen, Scheinwerfer 40
Stellungnahme vom 23.03.2010 zum Thema "Zukunft des Glücksspielwesens in Deutschland" (pdf, 103 kB)
Intransparenz im Sport, Scheinwerfer 48, Juli 2010

Pressemitteilungen zum Thema

Dienstag, 20.12.2016
Pressemitteilung der Sports-And-Rights-Alliance (SRA)

[mehr] 

Dienstag, 13.12.2016
Vergabeprozess für die EURO 2024 gestartet: Zivilgesellschaft erwartet vom DFB eine verantwortungsbewusste Bewerbung

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Mittwoch, 07.12.2016
Kampf gegen Doping braucht mutige Whistleblower

[mehr] 

Donnerstag, 22.09.2016
Mehr Transparenz bei der Bewerbung um die EURO 2024

[mehr] 

Mittwoch, 24.08.2016
Transparency Deutschland fordert nach Olympia Neustart im Vorgehen gegen Doping

[mehr] 

Dienstag, 23.02.2016
Global Corruption Report (GCR) Sport veröffentlicht

[mehr] 

Donnerstag, 14.05.2015
FIFA-Präsidentschaftskandidaten beziehen Position zu den Themen Korruption, Arbeitsstandards und Menschenrechte

[mehr] 

Freitag, 05.12.2014
Zivilgesellschaftliches Bündnis fordert vom IOC eine Vorreiterrolle für saubere internationale Sportveranstaltungen

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Dienstag, 12.08.2014
Transparente Olympiabewerbung: Berlin und Hamburg prüfen Bewerbung um die Spiele 2024

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Donnerstag, 24.10.2013
Gesellschafter stellen Ethik-Code für Münchens Olympiabewerbung 2022 vor

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Donnerstag, 21.06.2012
Transparency nimmt Unternehmen in die Verantwortung - Grundlegende Reform der "Formula One Group" überfällig

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Dienstag, 16.08.2011
Transparency International fordert unabhängige Kommission zur Begleitung der FIFA-Reform und legt Reformvorschläge vor

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Donnerstag, 07.07.2011
Olympia neu denken

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Montag, 09.05.2011
Abstimmung ist Signal für mehr Transparenz und Bürgerbeteiligung – nur so kann die Olympiabewerbung nachhaltig erfolgreich sein

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Freitag, 29.01.2010
Transparency Deutschland fordert klare Regeln bei Beraterverträgen von Sportfunktionären

[mehr] 

Mittwoch, 11.03.2009
Professionelle Compliance auch im Profisport erforderlich

[mehr] 

Montag, 03.04.2006
Transparency Deutschland stellt Aufruf zur Transparenz und zu Maßnahmen gegen Korruption im Sport vor

[mehr] 

Was ist Korruption?

Was macht Transparency Deutschland dagegen?

Initiative Transparente Zivilgesellschaft