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Skandale bei Großunternehmen verhindern – Interne Revision stärken

Fünf Forderungen zur besseren Korruptionsprävention in Großunternehmen

Berlin, 04.09.2020

Die Antikorruptionsorganisation Transparency Deutschland fordert, die Unabhängigkeit Interner Revisorinnen und Revisoren in Großunternehmen zu stärken. Im Lichte des jüngsten, jahrelang unentdeckten Skandals um den insolventen Finanzdienstleister Wirecard müssten unternehmensinterne Prüfverfahren dringend verbessert werden. Das geplante Gesetz zur Stärkung der Integrität in der Wirtschaft sieht zwar vor, interne Untersuchungen zu stärken. Wie die Unabhängigkeit interner Revisorinnen und Revisoren gesichert werden soll, wird allerdings nicht berücksichtigt. 

In einem White Paper hat Transparency jetzt fünf Reformvorschläge vorgelegt, die gesetzlich geregelt werden sollten. Bis zu einer gesetzlichen Regelung sollten Großunternehmen diese Maßnahmen freiwillig umsetzen:

  1. Alle Großunternehmen sollten verbindlich eine Interne Revision oder ein gleichwertiges Überwachungssystem einrichten.
  2. Interne Revisorinnen und Revisoren müssen einen besonderen Kündigungsschutz erhalten, ähnlich wie Datenschutz- oder Immissionsschutzbeauftragte.
  3. Die interne Revision sollte die Möglichkeit erhalten, externe Revisorinnen und Revisoren zu beauftragen, wenn anderenfalls Interessenkonflikte nicht auszuschließen sind.
  4. Interne Revisorinnen und Revisoren müssen eine direkte Zugangsmöglichkeit zu der oder dem Vorstandsvorsitzenden haben, in Konfliktfällen auch zu der oder dem Aufsichtsratsvorsitzenden.
  5. Die Leitung sollte turnusmäßig ein Gespräch mit dem Vorsitz des Aufsichtsrates führen, ohne dass Mitglieder oder Vertreter des Vorstandes bei diesem Gespräch anwesend sind.

Interne Revisionen sind ein wichtiger Baustein zur Prävention von Straftaten wie Korruption.

Dazu Elmar Schwager, Leiter der Arbeitsgruppe Wirtschaft von Transparency Deutschland:

„Die Wirksamkeit der Internen Revision wird immer wieder durch Interessenkonflikte, Korruption und internen Druck erheblich behindert. Ob Dieselskandal, Finanzkrise oder diverse Krisen deutscher Großbanken – immer wieder geraten auch renommierte Organisationen mit Verfehlungen in den Fokus der Öffentlichkeit. Viele Fälle könnten durch eine starke Interne Revision verhindert werden.“

Hintergrund

Transparency Deutschland hat im Jahr 2015 eine Studie zur Unabhängigkeit Interner Revisionen durchgeführt. In der Umfrage erklärten zwei Drittel der befragten Revisorinnen und Revisoren, bereits unangemessene Beeinflussungsversuche und erheblichen Druck bei der Erstellung von Revisionsberichten erlebt zu haben.

Kontakt

Elmar Schwager, Leiter der Arbeitsgruppe Wirtschaft

Heino von Meyer, Vorstandsmitglied

Sylvia Schwab, Pressesprecherin

presse@transparency.de

Tel.: 030 - 54 98 98 0