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PressemitteilungHinweisgeberschutzGesundheitswesen

Verbesserung des Hinweisgeberschutzes und der Kontrolle von Arzneimitteln überfällig

Transparency Deutschland begrüßt Verleihung des Whistleblowerpreises an ehemalige Mitarbeiter der „Alten Apotheke“ und Can Dündar

Berlin, 01.12.2017

© Jonathan Perez/Unsplash

Die Antikorruptionsorganisation Transparency Deutschland begrüßt die Verleihung des diesjährigen Whistleblowerpreises durch die Vereinigung Deutscher Wissenschaftler (VDW) und IALANA Deutschland an Martin Porwoll, Maria-Elisabeth Klein und Can Dündar. In Deutschland gibt es nach wie vor keinen effektiven Schutz für Hinweisgeber. Die beiden Fälle machen deutlich, wie dringend eine Verbesserung des Hinweisgeberschutzes und der Arzneimittelforschung und -kontrolle in Deutschland ist.

Durch ihre Enthüllungen machten die beiden ehemaligen Mitarbeiter der „Alten Apotheke“ in Bottrop Martin Porwoll und Maria-Elisabeth Klein öffentlich, wie diese über Jahre teure Krebsmedikamente streckte und tausende Menschen in fünf oder sechs Bundesländern betrog. Offenbar fiel die jahrelange „Krebsmittel-Panscherei“ weder den verschreibenden Onkologen noch den Aufsichtsbehörden auf und wäre ohne die beiden mutigen Hinweisgeber nicht entdeckt worden. Patientinnen und Patienten sind darauf angewiesen, dass zugelassene Arzneimittel wirksam und sicher sind.

„Viele wissenschaftliche Erkenntnisse über Nutzen und Schaden von Arzneimitteln sind intransparent, da sie als Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse betrachtet werden. Das könnte erklären, warum es über mehrere Jahre niemandem auffiel, dass gestreckte Substanzen verabreicht wurden“ so Angela Spelsberg, Leiterin der Arbeitsgruppe Gesundheitswesen von Transparency Deutschland.

Transparenzmängel müssen bei Einrichtungen der klinischen Forschung, bei medizinischen Ethikkommissionen, bei den Aufsichtsbehörden und bei der Gesundheitspolitik erkannt und behoben werden. Statt eines weiteren Wegschauens steht hier eine umfassende Reform im Interesse der Patienten und des Allgemeinwohls an.

Hintergrund

Transparency Deutschland hat in einem gemeinsamen Symposium mit dem VDW und Transparency Österreich die Praxis von Post-Marketing-Studien und ihr Potential für Missbrauch und Einflussnahme thematisiert. Die Dokumentation der Veranstaltung finden Sie hier. Das Thema „Hinweisgeberschutz“ ist eines der Schwerpunktthemen von Transparency Deutschland im Wahljahr 2017. Die 18 Kernforderungen an die deutsche Politik zur Bundestagswahl finden Sie hier.

Kontakt

Dr. med. Angela Spelsberg
Leiterin der Arbeitsgruppe Gesundheitswesen

Dr. Rainer Frank
Leiter der Arbeitsgruppe Hinweisgeber

Sylvia Schwab
Pressesprecherin

Tel. +49 - 30 - 549898 - 0
presse@transparency.de