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PressemitteilungGesundheitswesen

Verschwendung, Betrug und Korruption machen deutsches Gesundheitssystem unfinanzierbar

TI Deutschland fordert mehr Transparenz im Gesundheitswesen

Berlin, 27.04.2000

Fehlende Transparenz ist die Hauptursache für Verschwendung, Missbrauch und Betrug im Gesundheitswesen. Eklatante Transparenzmängel sind zugleich ein Einfallstor für Korruption. Dies ist das Ergebnis einer heute von Transparency International Deutschland veröffentlichten Studie.

"Wir teilen die Expertenmeinung, dass das deutsche Gesundheitswesen auch mit den vorhandenen Mitteln finanzierbar bleibt", sagte die Autorin der Studie und Geschäftsführerin von TI Deutschland, Dr. Anke Martiny, in München. "Allerdings müssen Missbrauch, Betrug und Korruption verschwinden. Die Politik versagt bisher vor dem Problem, dass sich einzelne Gruppen missbräuchlich und systematisch Vorteile zu Lasten des gesamten Gesundheitssystems verschaffen." Daran seien Patienten, Ärzte und Apotheker ebenso beteiligt wie Krankenkassen oder die Pharmaindustrie. "Die Hauptlast von Missbrauch und Verschwendung tragen die Patienten als Beitragszahler", so Martiny, "und sie können am wenigsten daran ändern. Aber sie sind auch nicht unschuldig".

Die Studie ist das Ergebnis einer Serie von Expertenanhörungen aus allen Bereichen des Gesundheitswesens in den vergangenen zwei Jahren. Dabei hatte TI Deutschland - die deutsche Sektion der internationalen Anti-Korruptionsorganisation - als überparteiliche Nicht-Regierungsorganisation kein Eigeninteresse an einer wie auch immer gearteten Gesundheitsreform. Vielmehr verfolgt TI Deutschland nachdrücklich den Ansatz, Licht in das Dunkel der Intransparenz zu bringen. Ziel ist es, die Einfallstore für korruptives bzw. missbräuchliches Verhalten bei allen am Gesundheitssystem Beteiligten zu benennen und auf eine Änderung - sei es des öffentlichen Bewusstseins, sei es der Gesetze - zu dringen.

Zu den Kernforderungen der Studie zählen unter anderem:

  • Informationsrechte für unabhängige Experten nach der Arzneimittelzulassung
  • Stärkere demokratische Binnen- und Außenkontrolle von Ärzte- und Apothekerkammern, Krankenkassen und kassenärztlichen Vereinigungen
  • "Kontoauszüge" über Behandlung und Kosten bei jedem Arztbesuch
  • Offenlegung der Finanzierung von ärztlicher Fortbildung, wissenschaftlicher Forschung und Publikationen durch Pharma-Anbieter sowie ärztlicher Nebentätigkeiten und Drittmittelprojekte an Hochschulen
  • Aufbau einer von der Pharmaindustrie unabhängigen klinisch-therapeutischen Forschung
  • Stärkung der fachlichen Kompetenz der Staatsanwaltschaften

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:

Dr. Anke Martiny, Tel.: 030 - 54 98 98 0

Dagmar Schröder, Tel.: 030 - 54 98 98 0