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Professionelle Compliance auch im Profisport erforderlich

11.03.2009

Berlin, 11.03.2009 - Die Antikorruptionsorganisation Transparency International Deutschland e.V. weist auf Compliance-Defizite im Profisport hin und fordert, entsprechende Strukturen und Prozesse einzuführen und zu verbessern. Dazu gehört auch ein professioneller Umgang mit Verdachtsfällen. Die Vorgänge beim THW Kiel zeigen erneut, dass der Sport hier den Entwicklungen in der Wirtschaft vielfach hinterher hinkt. Profivereine und -ligen sind als Wirtschaftsunternehmen den gleichen Anforderungen zu unterwerfen, wie sie auch sonst im Hinblick auf Korruptionsprävention und rechtlich einwandfreiem Verhalten gelten. Wichtige Instrumente sind Verhaltensregeln, die auch den Umgang mit Interessenkonflikten regeln, Antikorruptions-Schulungen auf allen Ebenen und die Einführung von Ombudsleuten, an die sich Hinweisgeber wenden können.

Sylvia Schenk, Vorsitzende von Transparency Deutschland: "Verantwortliche im Sport können durch ihre hohe Identifikation mit ihrem Verein und die Bedeutung, die ihr Team im lokalen Umfeld hat, anfällig für Handlungen außerhalb der Legalität sein. Dabei hat gerade der Sport viel an Glaubwürdigkeit zu verlieren, denn er lebt vom positiven Image. Wenn die Menschen sich nicht mehr darauf verlassen können, dass das bessere Team gewinnt, geht Vertrauen in allgemeinverbindliche Regeln verloren. Darum sind Prävention sowie konsequente Aufklärung und Sanktionierung so wichtig."

Anfang des Monats waren Vorwürfe erhoben worden, dass Verantwortliche des THW Kiel durch Geldleistungen das Ergebnis von Handballspielen beeinflusst hätten. Am 2. März befasste sich der Aufsichtsrat der Handball-Bundesliga mit den Vorwürfen. Präsident Rainer Wittke erklärte, dass an den Vorwürfen nichts dran sei. Am vergangenen Sonntag hatte dann die Staatsanwaltschaft Kiel mehrere Wohnungen durchsucht. Beim Treffen des Europäischen Handball-Verbandes am vergangenen Montag wurde der Sachverhalt nur am Rande behandelt.

Korruptionsbeschuldigungen erfordern jedoch eine systematische und umfassende Recherche, gerade um die Integrität der sich korrekt verhaltenden Beteiligten und Schiedsrichter zu schützen.

"Wenn vorschnell ein Schlussstrich gezogen wird und dann doch neue Verdachtsmomente auftreten, wird das Misstrauen gegenüber denjenigen, die aufklären sollen, umso größer. Es ist dringend erforderlich, jetzt seitens der Handballliga bzw. des Europäischen Verbandes unabhängige Experten mit der Untersuchung zu beauftragen und für die Zukunft weitergehende Konsequenzen hinsichtlich der Strukturen zu ziehen." so Sylvia Schenk.

Transparency weist darauf hin, dass bei Werder Bremen laut Pressemeldungen der vergangenen Woche die Hintergründe einer Überweisung von 50.000 Euro vom Vorstandsvorsitzenden Jürgen L. Born an den Chef der Spielerberatungs-Agentur Image, Carlos Delgado, noch nicht abschließend geklärt sind. Auch hier scheinen die notwendigen Vorgaben zu fehlen - Regeln zum Umgang mit Interessenkonflikten können in solchen Fällen den Handelnden Sicherheit verschaffen. 

Kontakt

Sylvia Schenk, Vorsitzende
Dr. Christian Humborg, Geschäftsführer
Transparency International Deutschland e.V.
Tel.: 030/ 54 98 98 0