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Der DOSB in Trümmern – Personeller Neuanfang und Kulturwandel nötig

Berlin, 10.06.2021

© Jochen Reinhardt

Transparency Deutschland fordert den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) auf, Konsequenzen aus dem Bericht der Ethik-Kommission des DOSB auch bereits im Hinblick auf die Olympischen Spielen in Tokio zu ziehen. Die Folgerung aus dem Bericht der Ethik-Kommission, vorgezogene Neuwahlen für das gesamte DOSB-Präsidium auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung nach den Spielen durchzuführen, ist angesichts der Erkenntnisse zum Führungsversagen im DOSB nicht ausreichend.

Sylvia Schenk, Sportexpertin bei Transparency Deutschland, erklärt:

„Es kann nicht sein, dass diejenigen Spitzenkräfte des DOSB, die das von der Ethik-Kommission bestätigte Führungschaos und die schlechten Beziehungen unter anderem zum IOC verursacht oder zumindest zugelassen haben, in Tokio noch das Team Deutschland anführen. Neben dem unbestrittenen Chef de Mission Dirk Schimmelpfennig muss Deutschland in Tokio von Personen vertreten werden, deren Autorität im In- und Ausland nicht vollständig untergraben ist."

Die Ethik-Kommission hat die anonymen Vorwürfe von Mitarbeiter*innen gegen den DOSB-Präsidenten Alfons Hörmann aufgearbeitet und dabei unter anderem festgestellt, dass zwischen der Kritik der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und der Sicht des Vorstandes und des Präsidiums ein „enormes Missverhältnis“ besteht. Außerdem müssten die Beziehungen von Präsident, Präsidium und Vorstand zu allen wichtigen Stakeholdern – vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) über Mitgliedsorganisationen bis zum Bundesministerium des Inneren, für Heimat und Bau (BMI) – „dringend verbessert werden". Im Ergebnis sieht die Ethik-Kommission zwar keinen Verstoß gegen Ethik-Regeln, stellt der Führung im DOSB aber ein verheerendes Zeugnis aus.

Dazu Nicole Espey, Leiterin der Arbeitsgruppe Sport von Transparency Deutschland:

„Die Ergebnisse der Ethik-Kommission sind ein Offenbarungseid für den DOSB. Wie kann man von Werten des Sports, Teamgeist und Fairness reden, wenn solche Defizite bestehen? Es braucht einen Kulturwandel in der Führung des deutschen Sports! Dies geht nur mit neuen Personen an der Spitze. Denn Präsidium und Vorstand des DOSB hatten sich vorschnell hinter den Präsidenten gestellt. Außerdem haben sie sich bis heute nicht von dem unsäglichen Angriff des Präsidenten der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft Matthias Große gegen die Hinweisgeber*innen distanziert – trotz der Aufforderung durch Transparency. Wer eine solche Erklärung unwidersprochen lässt, schürt genau die Kultur der Angst, die in dem anonymen Schreiben beklagt wurde. Genau deswegen sollte von einem Auftritt in Tokio abgesehen werden.“

Zugleich ist festzuhalten: Der DOSB steht auch vor den Trümmern seiner eigenen Good Governance-Politik. Dies zeigt sich schon am Vorgehen der Ethik-Kommission, die ihren Bericht zeitgleich mit dem Versand an die DOSB-Gremien an die Öffentlichkeit gegeben hat, obwohl die eigene Verfahrensordnung Vertraulichkeit garantiert.

Sylvia Schenk:

„So wichtig Transparenz in dieser Angelegenheit ist, so entscheidend ist die Einhaltung der Verfahrensregeln für das Vertrauen in das Good Governance-System des DOSB – gerade durch die Ethik-Kommission. Wie kann es sein, dass der Bericht durch das Bundestagsbüro von Thomas de Maizère veröffentlicht wurde? Aus unserer Sicht hätte zunächst die Aufforderung an die von dem Bericht betroffenen Personen erfolgen müssen, für eine zeitnahe Veröffentlichung zu sorgen. Angesichts dieses Vorgehens müssen Hinweisgeber*innen und Betroffene auch künftig damit rechnen, dass die Vertraulichkeit nicht gewahrt wird."

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Nicole Espey
Leiterin der Arbeitsgruppe Sport

Sylvia Schenk
Sportexpertin

Adrian Nennich
Pressesprecher

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