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Den Nebel lüften: Transparency-Plattform zeigt mögliche Gewinnverschiebungen europäischer Großbanken

Berlin, 27.10.2020

© Annie Spratt / Unsplash

Transparency International EU hat die Steuerangaben von 39 der größten europäischen Banken im Zeitraum von 2015 bis 2019 ausgewertet. Diese deuten auf eine weit verbreitete Nutzung von Steueroasen und Gewinnverschiebungen hin.

Die Ergebnisse wurden heute auf der Online-Plattform "Corporate Tax Tracker" veröffentlicht und in dem neuen Bericht "Murky havens and phantom profits: the tax affairs of EU and UK banks" analysiert.

Von den 39 Banken in der EU und im Vereinigten Königreich, die der Corporate Tax Tracker erfasst, nutzten 31 Niedrigsteuer- oder Nullsteueroasen. 29 Banken deklarierten anscheinend hohe Gewinne in Ländern, in denen sie eigentlich keine Mitarbeiter beschäftigten. Diese "Geisteroperationen" könnten darauf hindeuten, dass die Banken ihre Gewinne verlagern, um ihre Steuerrechnung zu senken. Ohne vollständige Angaben zu den Geschäften der Banken in den betreffenden Ländern ist dies aber unmöglich nachzuvollziehen.

Mehrere Banken, die in der Untersuchung besprochen wurden, darunter Deutsche Bank, HSBC, Barclays und Standard Chartered, waren in den jüngsten FinCEN-Skandal verwickelt, der ihre Beteiligung an der weltweiten Bewegung schmutzigen Geldes unterstellt.

Hintergrund

Seit 2015 sind die Banken in der EU verpflichtet, für jedes Land, in dem sie tätig sind, länderweise Berichte über ihre Gewinne, Steuern und die Zahl ihrer Mitarbeiter zu veröffentlichen. Der Bankensektor und der Rohstoffsektor sind die einzigen Branchen, die solchen Vorschriften unterliegen.

Transparency Deutschland fordert seit langem, dass alle multinationale Unternehmen diesen Vorgaben für mehr Steuertransparenz unterliegen sollten. Die Bundesregierung blockiert jedoch derzeit eine Abstimmung auf EU-Ebene über das sogenannten öffentliche Country-by-Country-Reporting.