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Vorstellung korporatives Mitglied: Die Volksbank in der Ortenau eG

Interview mit Sabine Warner, Chief Compliance Officer, Volksbank in der Ortenau eG

Die Volksbank in der Ortenau eG ist eine Volksbank mittlerer Größe mit Hauptsitz in Offenburg. Neben den typischen Kerngeschäften wie dem Privat- und Firmenkundengeschäft im Geldanlage- und Kreditbereich bietet die Bank weitere Spezialgeschäftsfelder an: Immobilienfinanzierung und -vermittlung, die Abwicklung des Zahlungsverkehrs für Händler inklusive Terminalgeschäft sowie das Acquiring von Kreditkartenakzeptanzen an – auch über die eigene Region hinaus. Zudem betreibt die Bank ein eigenes Reisebüro.

Was hat Sie motiviert, sich um eine korporative Mitgliedschaft bei Transparency Deutschland zu bewerben?

Die Volksbank in der Ortenau eG hat schon vor Jahren damit begonnen, über den Tellerrand der Einhaltung rechtlicher Vorgaben hinauszuschauen. Wir engagieren uns in sozialen Projekten, fördern Nachhaltigkeit und legen großen Wert auf Transparenz und die Optimierung ethischer Compliance-Standards. Da war für uns die Bewerbung als korporatives Mitglied bei Transparency Deutschland nur ein weiterer konsequenter Schritt in diese Richtung.

Wo liegen in Ihren Geschäftsfeldern die wesentlichen Korruptionsrisiken und wie beugen Sie diesen konkret vor?

Im Wertpapiergeschäft sind wir bspw. streng reguliert. Provisionen müssen deklariert und dem Kunden gegenüber offengelegt werden. Die Offenlegung wird im Compliance-Bereich regelmäßig kontrolliert. Dieser Prozess läuft schon seit langem völlig problemlos. Zudem werden unsere Mitarbeiter – gerade auf der Führungsebene – zur Vertiefung geschäftlicher Kontakte bspw. auf Veranstaltungen mit Event-Charakter eingeladen. Hier gibt es die klare Vorgabe, entsprechende Veranstaltungen dem Compliance-Bereich anzuzeigen und genehmigen zu lassen. Vor kurzem gab es eine Einladung, bei der wir die Teilnahme nicht mal ablehnen mussten, weil die Verantwortlichen selbst den möglichen Interessenkonflikt bereits erkannt hatten. Dieses Risikobewusstsein freut uns als Compliancer – so sehen wir, dass unsere Sensibilisierungsmaßnahmen im Unternehmen durchaus erfolgreich sind.

Wie bewerten Sie angesichts der aktuellen Situation im Automobilsektor die Effektivität von Compliance-Management-Systemen (CMS) im Allgemeinen? Hat die allgemeine Compliance-Arbeit jetzt ein Glaubwürdigkeitsproblem?

Ein Glaubwürdigkeitsproblem sehe ich nicht. Vielmehr ist es doch so: Reine Selbstverpflichtungen – wie die zahlreichen Code of Conducts auch von großen Wirtschaftsunternehmen zeigen – bewirken im Fall der Fälle nicht wirklich viel. Die mittlerweile erfolgreich implementierten Compliance-Managementsysteme im Bereich der Geldwäsche- und Betrugsprävention sowie im Bereich des Wertpapierhandelsgeschäfts beweisen es: Compliance ohne gesetzliche Vorgaben – die natürlich auch entsprechend beaufsichtigt und regelmäßig geprüft werden – funktionieren oft nicht ausreichend.

Wie gehen Sie persönlich bei Ihrer täglichen Arbeit mit dieser Entwicklung um?

Die Skandale in der Automobilindustrie bestärken mich in der Überzeugung, dass es richtig ist, was ich in unserem Haus vorgebe und umsetze. Die ganzen Kontrollen, die der eine oder andere manchmal auch als lästig empfinden mag, haben durchaus ihren Sinn, nämlich Verstöße und damit auch Schäden zu vermeiden. 

Was erhoffen Sie sich von Ihrer Mitgliedschaft bei Transparency Deutschland und was denken Sie, zu unserer Vereinsarbeit beisteuern zu können?

Ich wünsche mir den Austausch mit Compliance-Bereichen anderer Unternehmen. Auch wenn diese nicht aus dem Finanzbereich stammen, kann doch jeder von Erfahrungen aus anderen Branche lernen und möglicherweise etwas übernehmen. Neben der Teilnahme an Mitgliedertreffen stelle ich mir eine gemeinsame Arbeit im Zusammenhang mit unseren Verbänden vor. Ich denke, im Hinblick auf eine Transparenz bei der gemeinsamen Compliancearbeit – nicht nur beschränkt auf das Thema Korruptionsbekämpfung – ist noch Einiges an Potential vorhanden. 

Die Fragen stellte Christian Lantermann.