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Interview Transparency Jordanien

Das Interview mit Transparency Jordanien ist im Scheinwerfer 75 erschienen. Deutsch und Englisch

Vorstellung nationaler Chapter: Rasheed – Transparency Jordanien
Die Fragen stellte Anja Schöne. Sie hat Fragen und Antworten aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt.

Interview mit Osama Al Azzam, Chair of Board Rasheed
Rasheed bedeutet im Arabischen so viel wie rationale Entscheidungsfindung oder Good Governance. Das jordanische Chapter von Transparency International hat seinen Sitz in der Hauptstadt Amman. In dem kleinen Büro arbeiten drei festangestellte Mitarbeiter, zeitweise unterstützt von Projektmitarbeitern. Im Interview erklärt Chair of Board Osama Al Azzam die Arbeitsweise des Chapters.

Was hat Sie persönlich motiviert sich in Jordanien gegen Korruption zu engagieren?
Wir sind überzeugt davon, dass die Zivilgesellschaft eine aktive und positive Rolle im Kampf gegen Korruption übernehmen muss. Im Jahr 2013 hat sich eine Gruppe von Aktivisten in Amman zusammengeschlossen, die den Menschen mehr Gehör im Kampf gegen Korruption verschaffen wollte. Wir haben unseren Registrierungsprozess 2013 abgeschlossen. Im September 2017 feiern wir unseren vierten Geburtstag.

Jordanien kämpft mit vielen Problemen gleichzeitig: Flüchtlinge, Terrorismus und Kriege in der Region. Der Rückgang beim Tourismus als Einnahmequelle ist deutlich zu spüren. Auf dem Korruptionswahrnehmungsindex steht Jordanien auf Platz 57. In welchen Bereichen ist Korruption in Jordanien am weitesten verbreitet?
Im Prinzip sind alle Bereiche betroffen. Aber die Schnittstellen zwischen Regierung und privatem Sektor sind besonders gefährdet. Dabei müssen diese Bereiche besonders transparent sein. Nur so können wir Investitionen ermöglichen, die wir dringend benötigen, um den finanziellen und wirtschaftlichen Druck zu überstehen, der durch die Flüchtlingskrise und eine hohe Arbeitslosenquote entsteht.

An welchen Projekten arbeiten Sie mit Rasheed derzeit?
Bei Rasheed richten wir unser Hauptaugenmerk auf die Ausweitung der Rechenschaftspflichten und Verantwortlichkeiten. Dazu nutzen wir ein mehrgliedriges Konzept. Es basiert auf evidenzbasierten Untersuchungen der Integritätsrisiken und einem gemeinsamen Antikorruptions-Vorgehen mit allen Beteiligten.

Wie eng arbeiten Sie mit anderen Transparency-Chaptern im nahen und mittlerne Osten zusammen?
Seit unserer Gründung haben wir enge Verbindungen zu anderen Chaptern in der Region aufgebaut. Insbesondere Transparency Palästina (Coalition for Accountability and Integrity, AMAN) verfügt über eine hohes Know-how. Deshalb holen wir uns öfters Rat von dort. Außerdem tauschen wir uns mit Transparency Marokko aus. Bei der Kampagnenfinanzierung nutzen wir Instrumente die von I-Watch in Tunesien entwickelt worden sind.

Wie finanziert sich die Organisation?
Aktuell erhalten wir Gelder von Transparency International, USAID, der niederländischen Botschaft, dem British Council und der Friedrich-Ebert-Stiftung. Derzeit arbeiten wir daran, unser Finanzierung zu diversifizieren. Bis 2020 wollen wir unsere finanzielle Trag- und Leistungsfähigkeit ausbauen.

Was sind Ihre Ziele für die Zukunft?
Wir wollen in Jordanien als aktive und professionelle Watchdog-Organisation wahrgenommen werden. Bis Ende 2017 wollen wir zwei weitere Mitarbeiter gewinnen, um dieses Ziel zu erreichen.
 


Rasheed – Transparency Jordanien
“Rasheed” is an Arabic word that appeared in the oldest and most comprehensive dictionary in Arabic. Rasheed means rational decision or good governance. And Rasheed is the Name of TI’s chapter in Jordan.

Interview with Osama Al Azzam, Chair of Board Rasheed (by Anja Schöne)

How many people are working with Rasheed?
Rasheed is a small office; we have three permanent staff and recruit short term expertise. We are aspiring to include two additional staff by the end of 2017, which is in line with our new strategy.

What’s your personal motivation for your work against corruption?
Our motivation stems from our conviction that civil society has an active and positive role in working against corruption. In 2013, a number of activists met together in Amman and agreed that efforts against corruption must be amalgamated to amplify the voice of the citizen. We completed our registration process with Transparency International by 2013 and we will celebrate our 4th birthday in September 2017.

Currently, Jordan has to deal with lots of problems: war, refugees, decline of tourists, etc. Jordan ranks no. 57 in the CPI. Based on your experience, in which sector in Jordanian society is corruption worst?
All sectors are a priority, of course, but the space that interfaces the government and the private sector is particularly vulnerable. This space needs to be more transparent in order to encourage investments that are of paramount importance to b able to survive the financial and economic pressures from the refugee crisis and high levels of unemployment.

Can you explain which projects Rasheed are currently busy with?
Strengthening accountability is the compass that steer us at Rasheed. We approach this through three-pronged approach: (1) Evidence based research on integrity risks, and (2) collective action.

How are you working with other TI organization in the region? Are you working together closely?
Since our inception, Rasheed has developed a strong working relation with sister chapters in the region. Aman (TI-Palestine) is particularly an expert house that we elicit from. Considering the proximity, we often seek their advice of a myriad of issues. Moreover, we worked on exchanges with Transparency Morocco. We have also adapted tools developed by I-Watch (Tunisia) especially in campaign financing.

How is Rasheed organized financially? Where do you get your funds from?
Rasheed is now in the process of diversifying its funds. We are now funded by TI, USAID, the Embassy of the Netherlands, the British Council and Friedrich Ebert Stiftung. Our 2017-2020 strategy aims at transferring Rasheed into greater financial sustainability.

What are your goals for the future?
We are aiming to be a recognized active and professional watchdog in Jordan.