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„Der Fisch stinkt immer vom Kopf her!“
Veranstaltung der Regionalgruppe Hamburg/Schleswig-Holstein mit der Handelskammer Hamburg

Seit einigen Jahren findet am 9. Dezember eine gemeinsame Veranstaltung der Regionalgruppe Hamburg/Schleswig-Holstein mit der Handelskammer Hamburg statt. In diesem Jahr stand sie unter dem Thema “Korruption im Mittelstand? Vorbeugen, Erkennen, Reagieren“. In ihren Begrüßungen betonten sowohl Christian Graf für die Handelskammer, als auch Helena Peltonen, Leiterin der Regionalgruppe, die gute partnerschaftliche Zusammenarbeit und den Willen, diese Tradition fortzusetzen.

Den Auftakt bildeten die Ergebnisse zweier Studien, die die Lokalgruppe Hamburg des studentischen Netzwerks sneep gemeinsam mit dem Deutschen Global Compact Netzwerk (DGCN) und Transparency Deutschland durchgeführt hatte. Die Analyse der Fortschrittsberichte der DGCN-Mitgliedsunternehmen ergab zum Thema Korruptionsprävention bedenkliche Ergebnisse: So hat die Korruptionsprävention lediglich für 40 Prozent der betrachteten Unternehmen eine Relevanz und nur 18 haben Mechanismen zum Hinweisgeberschutz etabliert. In einer zweiten Befragung wurde deutlich, dass zwar das Bewusstsein für die Notwendigkeit von Präventionsmaßnahmen vorhanden ist, aber die Umsetzung als problematisch empfunden wird. Als Gründe wurden hauptsächlich fehlende Ressourcen angegeben. Insgesamt wurde das Fehlen konkreter Vorgaben durch die Unternehmensführung beklagt, sowie eine allgemeine Unsicherheit über die Definition von Korruption angemerkt.

In der anschließenden Diskussion zu Lösungsansätzen im Podium wurde in allen Beiträgen die enorm wichtige Rolle der Unternehmensführung hervorgehoben. Korruptionsprävention muss in bestehende Managementstrukturen integriert werden und lässt sich nur top/down effizient verwirklichen. Regelmäßige Gespräche mit den Mitarbeitern, das Vorleben einer sauberen Geschäftsführung und Schutz anzubieten, waren immer wiederkehrende Stichworte.
Bei der Diskussion mit den Teilnehmenden wurde Hinweisgeberschutz für viele Mittelständler als kaum umsetzbar identifiziert, besonders in kleinen Unternehmen mit wenig Personal lasse sich oftmals keine eigene Organisationsstruktur realisieren. Hinzu käme, dass in den Köpfen immer noch das Vorurteil der Nestbeschmutzung manifest sei.

Man war sich einig, dass eine jährliche Berichterstattung nicht ausreicht, sondern dass Korruptions-prävention und die entsprechenden Maßnahmen ständig präsent sein müssen. Als hilfreich wurden eine Zertifizierung oder ein Branchensiegel diskutiert. Die Veranstaltung schloss mit dem eindringlichen Appell an die anwesenden Vertreter des Mittelstandes, Netzwerke zu finden, Branchen-Initiativen zu gründen, Kammern und Verbände einzuschalten sowie das Gespräch mit entsprechenden Organisationen, wie beispielsweise Transparency Deutschland zu suchen.

Ulrike Fröhling