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Weltweite Transparency-Studie zeigt mangelnde Transparenz von Impfstoff-Studien und -Beschaffungsverträgen

Weniger als die Hälfte der klinischen Studien und nur 7% der Verträge wurden veröffentlicht

Berlin, 25.05.2021

© Spencer Davis / Unsplash

Das Global Health Programme von Transparency International und die Universität Toronto haben in der Studie „For Whose Benefit?" die Entwicklung und den Verkauf der weltweit 20 wichtigsten COVID-19-Impfstoffe untersucht, darunter AstraZeneca, Pfizer/BioNTech und Moderna. Dafür wurden 86 klinische Studien zu Impfstoffen und 183 Verträge über deren öffentliche Beschaffung bis März 2021 ausgewertet. Der Bericht zeigt, dass es den Studien ganz wesentlich an Transparenz mangelt und wichtige Informationen der Verträge geheim gehalten werden.

Beschaffungsverträge

Weltweit wurden nur 7% der Verträge zur Beschaffung von Impfstoffen über offizielle Kanäle veröffentlicht. Davon enthalten fast alle erhebliche Schwärzungen von Schlüsselinformationen wie Gesamtpreis, Preis pro Dosis und Lieferpläne. Nur ein Vertrag (0,5%) wurde ohne Schwärzungen veröffentlicht. Gerade Deutschland sollte nach den Korruptionsverdachtsfällen rund um die sogenannte Maskenaffäre mit Blick auf Transparenz bei der öffentlichen Beschaffung vorangehen.

Rolf Blaga, Leiter der Arbeitsgruppe Medizin und Gesundheit von Transparency Deutschland, betont:

„Weltweit sind enorme Summen staatlicher Mittel in die Entwicklung und Produktion von Impfstoffen investiert worden. Deshalb hat die Öffentlichkeit ein Recht darauf, die Impfstoff-Beschaffungsverträge ungeschwärzt einzusehen. Das ist in Deutschland besonders aktuell. Denn im Januar 2021 hat das Bundesministerium für Gesundheit 200.000 Impfstoff-Dosen für 400 Millionen Euro bei Eli Lilly und Regeneron bestellt. Im April ist aber die Notzulassung für den Lilly-Impfstoff in den USA zurückgenommen worden, die Studien wurden eingestellt. Was steht für so einen Fall in dem Vertrag mit Lilly?"

Klinische Studien

Nur durch die Transparenz klinischer Studien kann die Sicherheit und Wirksamkeit von Impfstoffen überwacht und selektiver Berichterstattung von Ergebnissen oder Manipulation von Daten vorbeugt werden. Die Analyse von 86 registrierten klinischen Studien zeigt jedoch, dass nur 45% dieser Studien veröffentlicht und davon bei 41% nur die wichtigsten Ergebnisse in einer Pressemitteilung oder auf einer Pressekonferenz bekannt gegeben wurden. Klinische Studienprotokolle wurden nur bei 12% der Studien veröffentlicht.

Dazu erklärt Prof. Dr. Christoph Stein, Vorstandsmitglied von Transparency Deutschland:

„Die mangelnde Transparenz klinischer Studien ist ein Problem, das wir seit langem anprangern. Die Entwicklung der Impfstoffe und ihre Bedeutung in der aktuellen Ausnahmesituation weltweit führt vor Augen, wie dringlich die umfassende Veröffentlichung der Daten klinischer Studien ist. Intransparenz schafft Raum für irreführende und potenziell gefährliche Halbwahrheiten und Desinformation.“

Hintergrund

Die Studie „For Whose Benefit?" wurde durch das Global Health Programme von Transparency International sowie dem World Health Organization Collaborating Centre for Governance, Accountability, and Transparency in the Pharmaceutical Sector an der Universität Toronto durchgeführt.

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Kontakt

Rolf Blaga
Leiter der Arbeitsgruppe Medizin und Gesundheit

Prof. Dr. Christoph Stein
Vorstandsmitglied

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Pressesprecher

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