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PressemitteilungWirtschaft

Transparency diskutiert mit Thüringer Justizminister über „Unternehmensverantwortung – heute“

02.03.2013

Veranstaltung beim Erinnerungsort Topf und Söhne in Erfurt

Erfurt, 02.03.2013 – Die Antikorruptionsorganisation Transparency International Deutschland lädt am heutigen Abend gemeinsam mit dem Förderkreis des Erinnerungsortes Topf & Söhne e.V. zu der Veranstaltung „Unternehmensverantwortung – heute“ ein. Die Veranstaltung findet in den Räumlichkeiten des Erinnerungsortes statt. Der Thüringer Justizminister, Holger Poppenhäger, erklärt in seiner Rede:

„Unternehmensverantwortung auf der Höhe der Zeit heißt vor allem, sich am Maßstab der Nachhaltigkeit messen zu lassen. Dies gilt nicht nur im Hinblick auf soziale und ökologische Standards und das allgemeine Geschäftsmodell, sondern auch in Bezug auf die Transparenz von Unternehmensentscheidungen und Vergütungsregelungen.

Dort, wo freiwillige Lösungen nicht zu den angestrebten Ergebnissen führen – wie beispielsweise im Bereich der Gleichstellung und Frauenförderung in Vorständen und Aufsichtsräten – muss die Politik gesetzgeberisch intervenieren.“

Korruptionsregister in der öffentlichen Verwaltung

„Im Bereich der Korruptionsprävention und Korruptionsbekämpfung ist der erneute Anlauf zur Einführung eines bundesweiten Vergaberegisters für Aufträge der öffentlichen Hand ausdrücklich zu begrüßen. Korruption und unlauterer Wettbewerb führen nicht nur zu immensen Schäden für den „ehrbaren Kaufmann“. Sie gehen auch zulasten der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, Verbraucherinnen und Verbraucher und der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler. Ein solches bundesweites Register kann ein zusätzliches, wirksames Instrument zur Unterbindung von Korruption und unlauterem Wettbewerb sein, indem es vor allem mögliche unternehmerische Ausweichreaktionen innerhalb Deutschlands aufgrund unterschiedlicher Regelungen in den einzelnen Bundesländern unmöglich macht“, so der Thüringer Justizminister weiter.

„Um Korruption im öffentlichen Vergabewesen wirksam zu verhindern, ist ein bundesweites Korruptionsregister überfällig. Redliche Firmen können so geschützt werden. Den „schwarzen Schafen“ wird das Handwerk gelegt“, so die Vorsitzende von Transparency Deutschland, Edda Müller. Seit langem fordert Transparency Deutschland ein bundesweites Korruptionsregister in der öffentlichen Vergabe.

Besserer Schutz von Hinweisgebern

Weiterer Nachholbedarf besteht beim gesetzlichen Schutz von Hinweisgebern. Angestellte, die auf ungesetzliches Verhalten ihrer Arbeitgeber hinweisen, müssen häufig mit Repressalien rechnen. Dabei zeigen gerade die jüngsten Lebensmittelskandale wie wichtig es wäre, wenn Menschen mit Zivilcourage und Verantwortung für das allgemeine Wohl nicht mit persönlichen Nachteilen rechnen müssten, wenn sie Gesetzesverstöße anzeigen.

Edda Müller: „Vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte werden Hinweisgeber in Deutschland gerne mit Denunzianten verwechselt. Der Vergleich ist jedoch falsch. Denunzianten liefern um ihres eigenen Vorteils wegen unbescholtene Menschen „ans Messer“. Menschen, die Gesetzesverstöße und unredliches Tun in ihrem Arbeitsumfeld aufdecken, handeln dagegen uneigennützig. Auch angesichts unzureichender öffentlicher Kontrollen können sie dazu beitragen, dass Wirtschaftskriminalität und Korruption vermieden werden.“

Gesellschaftliche Verantwortung übernehmen

Unternehmensverantwortung heute verlangt – gerade auch im globalisierten Markt und angesichts der sich in Deutschland auftuenden Schere zwischen arm und reich –  gesellschaftlich verantwortliches unternehmerisches Handeln und eine verantwortungsbewusste Unternehmensführung.

„Antikorruption muss gelebt werden – sie funktioniert nicht, wenn sie nur auf dem Papier steht. Unternehmerische Verantwortung beginnt dort, wo Manager Vorbild sind und ein Klima der Korruptionsvermeidung fördern. Dies ist nur dann glaubwürdig, wenn sie insgesamt integer handeln. Einerseits null Toleranz bei Korruption predigen und andererseits Schwarzarbeiter beschäftigen oder „Hungerlöhne“ zahlen, verträgt sich nicht“, erklärt Edda Müller bei der Podiumsdiskussion.

Neben Dr. Holger Poppenhäger und Prof. Dr. Edda Müller diskutieren auf der heutigen Veranstaltung Angelika Pohlenz, Generalsekretär der Internationalen Handelskammer (ICC) Deutschland e.V., und Rüdiger Bender, Vorsitzender des Förderkreises des Erinnerungsortes Topf & Söhne e.V. Moderiert wird die Diskussion von Dr. Bettina Hollstein vom Max-Weber-Kolleg, Erfurt.

Kontakt

Prof. Dr. Edda Müller, Vorsitzende
Dr. Christian Humborg, Geschäftsführer
Transparency International Deutschland e. V.
Tel.: 030/ 54 98 98 0