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PressemitteilungFinanzwesen

Transparency Deutschland kritisiert gravierende Lücken im Transparenzregister

Berlin, 06.11.2020 – Der tschechische Premierminister Andrej Babiš taucht nicht als Anteilseigner einer wichtigen Tochterfirma seines Unternehmens Agrofert in Deutschland auf.

© Miloslav Hamřík / Pixabay
Der tschechische Premierminister Andrej Babiš

You can find an English version of this press release below the German text.

Die Antikorruptionsorganisation Transparency Deutschland kritisiert, dass das deutsche Transparenzregister gravierende Lücken aufweist. Ein prominenter Fall führt dies erneut vor Augen: Der tschechische Premierminister Andrej Babiš taucht nicht als Anteilseigner des tschechischen Unternehmens Agrofert im Register auf, obwohl dieses eine wichtige Tochterfirma in Deutschland hat. Aus den britischen und slowakischen Transparenzregistern geht hervor, dass Babiš der wirtschaftlich Berechtigte der Agrofert-Gruppe ist. In Deutschland gelang es ihm jedoch, dank der mangelnden Überprüfung der zuständigen Behörden durch das Übertragen an mehrere Treuhandfonds seine Verbindungen zu dem Unternehmen zu vertuschen.

Dazu Stephan Klaus Ohme, Finanzexperte von Transparency Deutschland:

 „Fehlende Offenlegung der wirtschaftlich Berechtigten und damit der tatsächlichen Eigentümerstrukturen  ist inakzeptabel. Dies kann das das Tor auch für mögliche illegale Vermögenstransfers  wie Geldwäsche eröffnen. Das deutsche Transparenzregister erfasst Besitzverhältnisse nur oberflächlich, Daten werden oft nicht verifiziert.“

Zudem ist der Austausch mit weiteren Transparenzregistern auch auf europäischer Ebene unzureichend. Um einer global vernetzten Wirtschaft gerecht zu werden, müssen innerhalb der EU deshalb nationale Register miteinander „synchronisiert“ werden.

Transparency Deutschland fordert, dass

  • Daten über wirtschaftliche Begünstigte von den zuständigen Behörden unabhängig überprüft und verifiziert werden;
  • Informationen über wirtschaftliche Begünstigte ohne Gebühren und ohne vorherige Registrierung zugänglich gemacht werden;
  • Datensätze maschinenlesbar zur Verfügung gestellt werden, um umfangreiche Analysen der Registereinträge durchführen zu können;
  • Schlupflöcher, wie beispielsweise die Möglichkeit, dass fiktive autorisierte Personen gemeldet werden können, geschlossen und
  • fehlende Untersuchungspflichten für das Transparenzregister nachgebessert werden.

Hintergrund

Der tschechische Konzern Agrofert besitzt mit der SKW Stickstoffwerke Piesteritz GmbH in Deutschland eine wichtige Tochterfirma. Im Juni 2018 hat Transparency International Tschechien enthüllt, dass Babiš wirtschaftlich Berechtigter von Agrofert ist. Laut Recherchen von Transparency International wird Premierminister Babiš im deutschen Transparenzregister für das Unternehmen aus Wittenberg jedoch nicht gelistet. Vor der Einführung eines Verbots auf die Auszahlung von EU-Subventionen an Unternehmen mit Interessenkonflikten übertrug Andrej Babiš seine Anteile an zwei Treuhandfonds, deren Gründer und Begünstigter er ist. Durch die Treuhandfonds kann der tschechische Premierminister weiterhin direkten und indirekten Einfluss auf die gesamte Unternehmensgruppe ausüben; im Aufsichtsrat der Fonds sitzt unter anderem seine Ehefrau Monika Babišová. Sie wird zusammen mit Agrofert CEO Zbyněk Průša auch im Eintrag der SKW Stickstoffe Piesteritz GmbH als wirtschaftlich Berechtigte geführt, ihr Ehemann hingegen nicht. Infolgedessen hat das tschechische Chapter von Transparency International weitere Interessenkonflikte von Andrej Babiš aufgedeckt, eine Reihe von Beschwerden sowohl bei den tschechischen als auch bei den EU-Behörden eingereicht und weitere rechtliche Schritte unternommen.

Kontakt

Stephan Klaus Ohme
Leiter der Arbeitsgruppe Finanzwesen

Sylvia Schwab
Pressesprecherin

presse@transparency.de
+49 30 54 98 98 0


Transparency Germany criticizes serious gaps in the transparency register

Czech Prime Minister not listed as beneficial owner in Germany

Berlin, November 6, 2020 – The anti-corruption organisation Transparency Germany criticizes that the German transparency register (Transparenzregister) has serious gaps. A prominent case illustrates this once again: Czech Prime Minister Andrej Babiš does not appear in the register as a shareholder of the Czech company Agrofert, even though it has an important subsidiary in Germany. It is known from information contained in both the UK Persons of Significant Control and the Slovak register that Andrej Babiš is the final beneficiary of the Agrofert group. In Germany, however, he was able to hide his personal and economic ties to the German subsidiary by transferring it to several trust funds. The information was recorded as such by competent authorities, without any proper verification of the data.

Stephan Klaus Ohme, financial expert at Transparency Germany:

“Lack of disclosure of beneficial ownership in the German transparency register is unacceptable as the actual owner must be -identifiable. This can open the door for illicit financial flows such as money laundering. The German transparency register records ownership relationships only superficially, data is often not verified.”

In addition, the exchange with other transparency registers is insufficient at the European level. In order to do justice to a globally networked economy, national registers within the EU must be "synchronized".

Transparency Germany recommends that:

  • Beneficial ownership data should be independently verified by competent authorities;
  • Beneficial ownership information be accessible without fees and prior registration;
  • Datasets be machine-readable for large-scale analyses of register entries;
  • Loopholes must be closed by allowing fictitious authorized persons to be reported;
  • Missing obligations to investigate must be remedied for the transparency register.

Background

The Czech group Agrofert has an important subsidiary in Germany with SKW Stickstoffwerke Piesteritz GmbH. In June 2018, Transparency International Czech Republic revealed that Babiš is the beneficial owner of Agrofert. According to investigations by Transparency International, Prime Minister Babiš is not listed in the German transparency register for the Wittenberg-based company. Before the introduction of a ban on the payment of EU subsidies to companies with conflicts of interest, Babiš transferred his shares to two trust funds of which he is the founder and beneficiary. Through the trust funds, the Prime Minister continued to exercise direct and indirect influence on the entire group of companies; among others, his wife Monika Babišová is member of the supervisory board of the funds. Together with Agrofert CEO Zbyněk Průša, Babišová is listed as the beneficial owner of SKW Stickstoffe Piesteritz GmbH, whereas her husband, the Prime Minister, is not. Following this, Transparency International Czech Republic uncovered further conflicts of interest of Andrej Babiš, filed a number of complaints with both the Czech and EU authorities and took further legal action.

Contact

Stephan Klaus Ohme
Head of Working Group Financial Sector

Sylvia Schwab
Press Officer

presse@transparency.de
+49 30 54 98 98 0