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Transparency Deutschland fordert nach Olympia Neustart im Vorgehen gegen Doping

Hinweisgeber schützen, wertebasierte Fördersysteme schaffen

Berlin, 24.08.2016

Die Anti-Doping-Politik im internationalen Sport muss nach den Olympischen Sommerspielen in Rio de Janeiro völlig neue Wege gehen. Die Anti-Korruptionsorganisation Transparency International Deutschland e. V. fordert eine schärfere Trennung von Politik und Sport und die Unabhängigkeit der Anti-Doping Testlabore. Außerdem müssen Hinweisgeber geschützt sowie Integrität als Förderkriterium der nationalen und internationalen Sportförderung eingeführt werden.

„Die Vorgänge rund um systematisches, vom Staat gefördertes Doping in Russland und die Hinweise, dass manche Sportarten weltweit vom Doping verseucht sind, zeigen das Scheitern des bisherigen Anti-Doping-Konzepts auf“, erklärt Sylvia Schenk, Leiterin der Arbeitsgruppe Sport von Transparency Deutschland.

Der nationale und internationale Kampf gegen Doping hat ein Unabhängigkeitsproblem, das wiederholt zu Interessenkonflikten und letztendlich zu Manipulationen geführt hat. Es fehlt an unabhängigen Zuständigkeiten auf allen Ebenen: Die nationalen und internationalen Anti-Doping-Agenturen werden von Sportverbänden und Regierungen kontrolliert, die von der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) akkreditierten Labore sind meist rein national besetzt. Die WADA muss unabhängige Experten im Rotationsprinzip in den Laboren einsetzen und den Bereich Investigation, der vor kurzem eingerichtet wurde, konsequent ausbauen.

Aus Sicht von Transparency Deutschland ist die Einführung eines effektiven Whistleblower-Systems ein wesentliches Instrument im Kampf gegen Korruption und Doping. Sportler und Funktionäre, die auf Missstände hinweisen möchten, befinden sich oft in einer schwierigen persönlichen Situation und riskieren mit der Veröffentlichung von Hinweisen viel. Es muss sichergestellt werden, dass Hinweisgeber geschützt werden. Dazu braucht es unabhängige Kontaktstellen.

Vorstände von Internationalen Föderationen (IF) und Nationalen Olympischen Komitees (NOK) müssen künftig für Versäumnisse in der Umsetzung von Anti-Doping-Vorgaben zur Verantwortung gezogen werden können, zum Beispiel durch einen Ausschluss von internationalen Funktionen oder weitergehende Suspendierung. Dazu gehört, dass die unter anderem vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) ausgeschütteten Gelder an IFs und NOKs klare Auflagen zu Anti-Doping-Maßnahmen enthalten und gegebenenfalls einbehalten werden müssen. Auch bei nationalen Fördersystemen darf nicht nur die sportliche Leistung entscheiden, vielmehr müssen wertebasierte Kriterien beziehungsweise die Governance zugrunde gelegt werden.

„Integres und damit auch sportliches Handeln muss in den Mittelpunkt der Förderpolitik rücken“, sagt Peter Conze, Vorstandsmitglied von Transparency Deutschland. „Das Streben nach sportlicher Bestleistung ist kein Freifahrtschein für Betrug und Korruption.“

Kontakt

Sylvia Schenk
Leiterin der Arbeitsgruppe Sport

Dr. Anna-Maija Mertens
Geschäftsführerin

Tel. +49 - 30 - 549898 - 0
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