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Sport: Transparency sieht Reformbedarf zum Schutz von Menschenrechten

Berlin, 14.06.2022

© Tom Grimbert / Unsplash

Die Antikorruptionsorganisation Transparency Deutschland hat anlässlich der Konferenz „Sport und Menschenrechte“ des Bundesministeriums des Innern und für Heimat (BMI) am heutigen 14. Juni 2022 in Berlin das Positionspapier „Korruptionsprävention und Menschenrechte im Sport“ veröffentlicht.

Viele Skandale der vergangenen Jahre haben die ganze Bandbreite der durch korruptes Verhalten und Machtmissbrauch verursachten Menschenrechtsverletzungen im Sport offengelegt. Dies wurde zuletzt am Fall der chinesischen Tennisspielerin Peng Shuai deutlich: Nachdem sie einen Parteifunktionär des Missbrauchs beschuldigte, verschwand die Sportlerin für einige Zeit von der Bildfläche und durfte im Anschluss nur noch mit Aufpassern in der Öffentlichkeit auftreten. Das Fehlen einer transparenten, auf Integrität basierenden Führungskultur und die Neigung, Probleme herunterzuspielen oder zu vertuschen, schaden Sportlerinnen und Sportlern und dem Sport.

Dazu Sylvia Schenk, Leiterin der Arbeitsgruppe Sport von Transparency Deutschland:

„Auch im Sport gilt: Wo Korruption verbreitet ist, sind die Menschenrechte in Gefahr. Unzureichende Verbandsstrukturen sowie Führungskräfte, die ihre Macht missbrauchen oder sich gar bestechen lassen, unterlaufen die Achtung und Durchsetzung fundamentaler Rechte. Es ist an der Zeit, dass die politischen Entscheidungsträger nicht weiter tatenlos zuschauen und endlich verbindliche Spielregeln für den Sport setzen. Ob mögliche Abhängigkeiten von schmutzigen Geldern oder Verflechtungen mit dubiosen Geldgebern und Herrschern – Sportorganisationen kommen ihrer Vorbildfunktion oft nicht nach und nehmen negative Folgen bis hin zu Menschenrechtsverletzungen leichtfertig in Kauf.“

Good Governance ist unabdingbar für die menschenrechtliche Verantwortung der Sportorganisationen. Deshalb fordert Transparency Deutschland:

  • Die grundlegende Überarbeitung der „Nationalen Strategie Sportgroßveranstaltungen“ von 2021 unter Berücksichtigung der Anforderungen der UN Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte  
  • Menschenrechtliche Anforderungen in den geplanten neuen Governance-Kriterien für die Sportförderung des Bundes  
  • Menschenrechtskonzepte auf der Basis der UN Leitprinzipen für den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), die Landessportbünde (LSB) und die Profiligen 
  • Ein einheitliches, für Betroffene, Hinweisgeber*innen und Vereine/Verbände leicht überschaubares Netzwerk Safe Sport, das die bereits vorhandenen Angebote insbesondere der LSB und das geplante neue Safe Sport Zentrum umfasst. Hierzu gehört dringend auch ein zentrales unabhängiges Hinweisgeber-System. 
  • Die UEFA EURO 2024 als „best practice“ für Good Governance und menschenrechtliche Verantwortung bei einer Sportgroßveranstaltung durch die Bündelung der bisher entwickelten Maßnahmen der zehn Spielorte unter der zentralen Leitung der EURO 2024 GmbH und des BMI.  
  • Ein effektives Governance- und Menschenrechtskonzept – einschließlich erster Umsetzungsschritte – als unverzichtbare Grundlage für eine deutsche Olympiabewerbung. 

Hintergrund

Das Bundesministerium des Innern und für Heimat (BMI) nimmt sich die Olympischen Winterspiele in China und die Fußball-Weltmeisterschaft der Herren in Katar zum Anlass, um zu diskutieren, wie sich die Akteure des internationalen, aber auch des nationalen Sports mit Menschenrechtsfragen beschäftigen. Hierzu veranstaltet das BMI am heutigen 14. Juni 2022 die Konferenz „Sport und Menschenrechte“, auf welcher auch Sylvia Schenk, die Leiterin der Arbeitsgruppe Sport von Transparency Deutschland, als Diskutantin vertreten ist.

Kontakt

Sylvia Schenk
Leiterin der Arbeitsgruppe Sport

Adrian Nennich
Pressesprecher

+49 30 54 98 98 15
presse@transparency.de