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Nach Flyeralarm-Drohung: Transparency fordert Sponsoring-Verhaltenskodex im Sport

Berlin, 20.04.2021

© Paul Bergmeir / Unsplash

Die Antikorruptionsorganisation Transparency International Deutschland e.V. fordert klare Regeln für das Verhalten von Sponsoren im Sport. Transparency Deutschland erwartet von den Sponsoring-Anbietern im Sport, insbesondere dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) und der Deutschen Fußball Liga (DFL), durch einheitliche Vorgaben jeglichem Eindruck entgegenzuwirken, ein Sponsor könnte seine Finanzmacht missbrauchen. Anlass ist die angedrohte Kündigung von Sponsoringverträgen der Online-Druckerei Flyeralarm mit dem DFB mit der Begründung, dass der ebenfalls von Flyeralarm gesponserte Fußball-Zweitligist Würzburger Kickers durch Fehlentscheidungen von Schiedsrichtern wiederholt benachteiligt worden sei.

Jochen Reinhardt, Co-Leiter der Arbeitsgruppe Sport von Transparency Deutschland, sagt:

„Ein Verband schuldet einem Sponsor als Gegenleistung einen Werbewert, nicht aber bestimmte Schiedsrichterleistungen! Sonst stünden Schiedsrichter*innen in Spielen mit Beteiligung eines auch vom Verbandssponsor unterstützten Teams unter unzumutbarem ‚Wohlverhaltensdruck‘.“

Reinhardt kritisierte den Würzburger Fußballchef Felix Magath, der es am Sonntag in einer TV-Sendung als „völligen Blödsinn“ bezeichnet hatte, die Kündigungsandrohung als den Versuch einer Einflussnahme des Zweitligisten auf den DFB zu bewerten:

„Bestenfalls kann man Magath Naivität unterstellen. Aber die Wirkung der Würzburger Aktion auf Schiedsrichter*innen kann verheerend sein. In der Öffentlichkeit könnte zudem der Eindruck entstehen, dass im Geflecht DFB/Sponsoren/Schiedsrichter Abhängigkeiten bestehen.“

Wenn ein doppeltes Sponsoring-Engagement für Verband und Team, wie es z.B. auch mit VW als Hauptsponsor des DFB und alleiniger Gesellschafter des VfL Wolfsburg besteht, nicht bereits als Interessenkonflikt gewertet wird, müssen zumindest unzulässige Einflussnahmen ausgeschlossen werden. Dies könne durch einen Kodex und/oder Vertragsstrafen erfolgen.

Sylvia Schenk, Sportexpertin bei Transparency Deutschland, verdeutlicht:

„Das Problem betrifft nicht nur Druck auf Schiedsrichter*innen, es kann auch um andere Verbandsentscheidungen gehen. So könnte ein Sponsor zum Beispiel versuchen, die Nominierungsentscheidung eines Verbandes für eine Nationalmannschaft durch die Androhung der Kündigung eines Sponsorenvertrages zu beeinflussen.“

Kontakt

Jochen Reinhardt
Co-Leiter der Arbeitsgruppe Sport

Sylvia Schenk
Sportexpertin

Adrian Nennich
Pressesprecher

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