Aktuelles
Meldung Politik

Lobbytransparenz auf einen Blick – Wie Integrity Watch Deutschland zur demokratischen Kontrolle beiträgt

09.12.2025

Am 9. Dezember ist Internationaler Tag gegen Korruption. Die Prävention von Korruption beginnt schon beim Lobbyismus, also dem Einfluss wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Interessen auf politische Entscheidungen. Mit unserer Plattform Integrity Watch Deutschland machen wir sichtbar, wer versucht, auf Gesetzgebungsverfahren Einfluss zu nehmen. Die Informationen basieren auf den tagesaktuellen Daten im deutschen Lobbyregister. Integrity Watch strukturiert diese Daten, macht sie einfach filterbar und bereitet sie visuell auf. Es ist ein praktisches Werkzeug für Recherchen und stärkt die Rolle der Zivilgesellschaft als Wächterin, um mögliche illegitime Einflussnahmen auf die Politik sichtbar zu machen. Wir haben den Internationalen Tag gegen Korruption zum Anlass genommen, um Integrity Watch um zusätzliche Funktionen zu erweitern. Nun stehen die Daten auch zum Download bereit und Infografiken lassen sich einfach in Social-Media-Posts einbetten.

Was kann man mit Integrity Watch Deutschland recherchieren?

Integrity Watch Deutschland ermöglicht eine schnelle, strukturierte und visuell unterstützte Recherche zu verschiedenen Aspekten politischer Einflussnahme. Die interaktiven Grafiken lassen sich filtern und individuell anpassen. Alle Darstellungen können zudem bequem heruntergeladen werden. Auf diese Weise können Nutzer:innen die Daten nicht nur einsehen, sondern aktiv für die eigene Arbeit verwenden. Einige Beispiele finden Sie weiter unten.

Diese Informationen sind über Filter und Suchfunktionen intuitiv zugänglich und können etwa nach Branche, Organisationstyp oder Tätigkeitsfeld sortiert werden. Neu ist, dass die erstellten Grafiken nun auch auf den gängigen Social-Media-Plattformen geteilt werden können– mit nur einem Klick. Und, dass die gefilterten Daten als csv Dateien heruntergeladen werden können. Das erleichtert die weitere Recherche und ermöglicht die Kombination der Informationen mit eigenen Datensätzen.

Tiefer einsteigen: Wer hat wann was beeinflusst?

Über die gezielte Suche nach Gesetzen oder Gesetzesvorhaben – zum Beispiel über das Suchfeld – lässt sich einfach nachvollziehen:

  • Welche Organisation hat wann Stellungnahmen zu Gesetzesvorhaben abgegeben?
  • An welchen Adressatenkreis wurden Stellungnahmen verschickt?
  • Welche thematischen Schwerpunkte lassen sich erkennen?

So wird Lobbyismus nicht mehr nur als abstrakte Größe erfassbar, sondern konkret. Es wird sichtbar, wer versucht hat, politische Entscheidung in eine bestimmte Richtung zu lenken und welche Argumente dabei eine Rolle gespielt haben.


Europäische Perspektive: Lobbyismus kennt keine Grenzen

Spannend ist zudem der europäische Vergleich. Integrity Watch gibt es nicht nur für Deutschland, sondern auch auf europäischer Ebene sowie in mehreren EU-Mitgliedstaaten – darunter Frankreich, Griechenland, Rumänien oder Malta. So finden sich Antworten auf Fragen wie:

  • Sind große Konzerne in mehreren Ländern aktiv? Wo melden Sie die höchsten Ausgaben für Lobbytätigkeiten an?
  • Listen sie die gleichen Mitgliedsorganisationen im nationalen wie im europäischen Lobbyregister?
  • Gibt es Unterschiede in den Positionen zu einzelnen Gesetzen je nach Adressat – EU-Kommission oder nationale Regierung?

Wo die Daten vorhanden sind, entstehen auf diese Weise Vergleichsmöglichkeiten zwischen den Registern, die einen transnationalen Blick auf Einflussnetzwerke und Machtasymmetrien erlauben. Gerade bei multinationalen Unternehmen wird so deutlich, wie strategisch Interessenvertretung betrieben wird – und wo sie auf Lücken in der Regulierung stößt.

Was hat das mit Korruption zu tun?
Wichtig: Lobbyismus an sich ist keine Korruption. Das Vertreten von Interessen ist ein wesentlicher Bestandteil einer repräsentativen Demokratie und trägt dazu bei, unterschiedliche Perspektiven in politische Entscheidungsprozesse einzubringen. Doch wo politische Entscheidungen von finanzstarken Akteuren beeinflusst werden, ohne dass die Öffentlichkeit dies nachvollziehen kann, wächst auch das Risiko von illegitimer Einflussnahme. Beispiele wie der Cum/Ex-Skandal oder Jens Spahns Masken-Affäre verdeutlichen dies. Deshalb ist Transparenz durch das Lobbyregister ein zentrales Mittel zur Korruptionsprävention. Sie schafft Kontrolle, ermöglicht öffentliche Debatten und stärkt die demokratische Integrität.
Integrity Watch Deutschland leistet hier einen wichtigen Beitrag. Die Plattform macht sichtbar, wer versucht, Einfluss auf Politik zu nehmen – und bietet damit eine Grundlage, um diesen Einfluss kritisch zu hinterfragen. Zum internationalen Antikorruptionstag ist das ein starkes Signal: Demokratie lebt vom Mitmachen – und vom Hinschauen.

Entdecken Sie selbst, wie transparent Lobbyismus in Deutschland geworden ist: Integrity Watch Deutschland

 

 

Einige Beispiele

Wer lobbyiert zu welchen Themen? Integrity Watch Deutschland zeigt, welche Typen von Interessenvertreter:innen in einzelnen Themenbereichen besonders aktiv sind. Im Bereich Klima und Umwelt finden sich überwiegend Unternehmen und Wirtschaftsverbände, wie die Grafik zeigt. Diese Einordnung ermöglicht den Nutzer:innen, besser zu verstehen, welche Unternehmen und Organisationen Einfluss nehmen und wie sich die einzelnen Themenfelder entwickeln.
Wer investiert am meisten in Lobbyarbeit? Spitzenreiter bei den gemeldeten finanziellen Aufwendungen ist der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e. V., mit über 15 Millionen Euro pro Jahr.
Welche Akteure verfolgen die meisten Regelungsvorhaben? An der Spitze steht hier Bitkom e. V., der mehr als 220 Regelungsvorhaben angibt – dicht gefolgt vom BDEW Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e. V..
Schlagwörter