Lobbyismus für Klima- und Umweltpolitik: Wie sich wirtschaftliche und gemeinnützige Akteure unterscheiden
Berlin, 17.12.2025 – Im Bereich Umwelt und Klima ist der Anteil an Regelungsvorhaben von wirtschaftlichen Akteuren deutlich höher als der von gemeinnützigen Akteuren. Das zeigt eine Analyse von Daten des Lobbyregisters. Aus dem Register lassen sich noch viele weitere Einblicke gewinnen.
80 Prozent der Regelungsvorhaben im Bereich Umwelt und Klima werden von wirtschaftlichen Akteuren, wie Unternehmen, GmbHs oder Handelsorganisationen, durchgeführt. Demgegenüber steht ein Anteil von lediglich 20 Prozent bei gemeinnützigen Akteuren, wie NGOs oder Stiftungen. Das zeigt unsere Analyse aus Daten des Lobbyregisters vom Dezember 2025. Auch die Budgets, die den Akteuren der Interessensvertretung zur Verfügung stehen, sind sehr unterschiedlich: Während wirtschaftliche Akteure im Schnitt über rund 40,7 Millionen Euro Jahresbudget verfügen, sind es bei gemeinnützigen Akteuren nur etwa 7,8 Millionen Euro. Das zeigt: Wirtschaftlichen Akteuren haben deutlich höhere finanzielle Ressourcen für Lobbyaktivitäten – und damit mehr Möglichkeiten, den politischen Meinungsbildungsprozess zu prägen.
Beispiel: Novelle des Kohlenstoffdioxid-Speicherungsgesetzes (KSpG)
Im Bereich Carbon Capture und Storage (Kohlenstoffabscheidung und -speicherung, CCS) bewegt sich aktuell sowohl global als auch national viel. Kritisch ist an der Technologie, dass sie als unsicher, teuer und zumindest beim aktuellen Stand der Technik als eher unwirksam gilt. Zum UN-Klimagipfel im November erhielten 531 CCS-Lobbyist:innen Zugang – mehr als 62 nationale Delegationen zusammen (526 Personen). Das ist die höchste Zahl an CCS-Lobbyist:innen, die je bei einem UN-Klimagipfel registriert wurde. Auch in Deutschland wird viel über CCS diskutiert. Die Novelle des Kohlenstoffdioxid-Speicherungsgesetzes (KSpG) ist seit dem 28. November 2025 Kraft. Das neue Gesetz ermöglicht den Einsatz von CCS-Technologien, um die Klimaziele zu erreichen. Unsere Analyse zeigt auch hier: Wirtschaftliche Interessen waren deutlich stärker bei der Entstehung involviert als gemeinnützige. Von 99 Akteuren, die ein Regelungsvorhaben zum KSpG im Lobbyregister angegeben haben, verfolgen 84 privatwirtschaftliche Interessen und nur 15 gemeinnützige (85 vs. 15 Prozent). Darunter sind beispielsweise ExxonMobil, Shell, Uniper SE – Unternehmen mit fossilem Geschäftsmodell. Unter den gemeinnützigen sind Klimaschutzverbände wie WWF Deutschland, NABU und urgewald e.V..
Hinter dieser Recherche steht das Lobbyregister: Ein starkes Werkzeug zur Kontrolle von Einflussnahme auf Umwelt- und Klimagesetzgebung
Das Lobbyregister ist ein starkes Werkzeug für Bürger:innen: Es macht sichtbar, wer versucht, Einfluss auf politische Prozesse zu nehmen, stärkt demokratische Kontrolle und schafft Vertrauen – und ist für alle zugänglich. Mit Integrity Watch Deutschland bietet Transparency Deutschland tagesaktuelle, interaktive Grafiken mit Lobbyregister-Daten, die sich leicht filtern lassen – beispielsweise nach dem Bereich Energie und Klima. Das ermöglicht eine schnelle und einfache Recherche. Außerdem lassen sich die Daten herunterladen. Detaillierte Informationen über das Lobbyregister und zur Eintragung finden sich im offiziellen Lobbyregister-Handbuch.
Es braucht noch mehr Transparenz
Damit politische Entscheidungen wirklich nachvollziehbar werden und Korruptionsrisiken sinken, braucht es gezielte Ergänzungen des Lobbyregisters. Wir fordern deshalb:
- Kontakttransparenz nach EU-Vorbild: Offenlegung von Treffen zwischen Lobbyvertreter:innen und den Ministerien
- Die Zusammenführung des Informationsfreiheitsgesetzes und des Umweltinformationsgesetzes in ein Bundestransparenzgesetz mit proaktiven Veröffentlichungspflichten.
- Eine Offenlegung von Zuwendungen über 50.000 € an Lobbyorganisationen
- Keine Ausnahmen der Eintragungspflicht für Kirchen, Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände
Der exekutive Fußabdruck in der Gemeinsamen Geschäftsordnung der Bundesministerien (GGO) sollte durch konkrete Vorgaben ergänzt werden, um eine einheitliche Umsetzung sicherzustellen. Perspektivisch fordert Transparency Deutschland seine gesetzliche Verankerung und inhaltliche Weiterentwicklung.
Diese Publikation wurde mit finanzieller Unterstützung der Waverley Street Foundation im Rahmen des „Climate Governance Integrity Programme“ von Transparency International organisiert. Der Inhalt liegt in der alleinigen Verantwortung von Transparency International Deutschland e.V. und spiegelt nicht zwangsläufig die Meinung der Waverley Street Foundation wider.