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Konferenz zur Strafverfolgung der Korruption (STRAKO) 2025: Umweltkriminalität im Fokus

Berlin, 10.10.2025 – Die STRAKO 2025 brachte Expert:innen aus Politik, Justiz und Zivilgesellschaft zusammen, um Strategien gegen Umweltkriminalität zu diskutieren. Zwei Tage lang debattierten über 100 Teilnehmer:innen über spezialisierte Staatsanwaltschaften, Hinweisgeberschutz und internationale Kooperation. Fazit: Umweltkriminalität ist leider immer noch ein risikoarmes Verbrechen mit Milliardengewinnen.

© FES / bundesfoto / ZK

Erster Tag der Konferenz

Florian Dähne von der Friedrich-Ebert-Stiftung und Franz-Josef Meuter von Transparency International Deutschland eröffneten den ersten Tag der Konferenz, der ähnlich gut besucht war wie die vorangehende STRAKO 2023. 

Im ersten Vortrag wurde die 2024 eröffnete Vernetzungsstelle für Umweltkriminalität vom LKA NRW vorgestellt, die als Bindeglied für die ressortübergreifende Zusammenarbeit zwischen Politik und Ermittlungsbehörden fungiert. In der anschließenden Diskussionsrunde wurden die Vereinheitlichung der Meldepflicht für Umweltstraftaten, der Datenaustausch zwischen den Behörden, die internationale Zusammenarbeit und die geringe öffentliche Wahrnehmung von Umweltkriminalität debattiert.

Anschließend begannen die Speed-Debatings, die kurze Inputs mit intensiven Diskussionsrunden verbanden.

Vortrag 1 betonte die Vorteile spezialisierter Staatsanwaltschaften wie beispielsweise schnellere Verfahren, die auch in der Diskussion bestätigt wurden. Im zusammenfassenden Vortrag wurde später eine Aktivierung der Öffentlichkeit vorgeschlagen, um Veränderung herbeizuführen.

Vortrag 2 hob die Notwendigkeit einer Reform des Unternehmenssanktionsrechts hervor, um die Umgehungsstrategien von Unternehmen wirksam zu bekämpfen und die EU-Richtlinie 2024/1203 umzusetzen.

Vortrag 3 beschäftigte sich mit Hinweisgebersystemen bei Polizei- und Justiz. In Vortrag und Diskussion kristallisierte sich heraus, dass weitere Aufklärung und bessere Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz von Whistleblower:innen notwendig seien.

Vortrag 4 bemängelte Defizite bei der Bekämpfung von Geldwäsche in Deutschland. Als Verbesserungsmöglichkeiten wurden Beweiserleichterungen und Beweislastumkehr diskutiert. Im zusammenfassenden Vortrag wurden mehr Personal bei der Finanzermittlung, eine verstärkte Vernetzung der Länderpolizeien, eine Spezialisierung in der Justiz und ein Fokus auf Kryptowährungen gefordert.

Vortrag 5 verhandelte die Umgehung von EU-Vorgaben beim Schiffsrecycling durch „Abfalltourismus“, in dessen Rahmen die Schiffe durch „Beaching“ in Asien unter fehlenden Arbeits- und Umweltstandards verschrottet werden. Als Lösung wurde ein internationales Pfandsystem für Schiffe diskutiert.

Der Abschlussvortrag zu Wirtschafts- und Finanzkriminalität bemängelte, dass die Schadenshöhe im Anreizsystem bei der Ressourcenausstattung der Verwaltung keinerlei Rolle spiele. Dabei nähmen die illegalen Gewinne aus Finanzkriminalität seit Jahren zu – die dreistellige Milliardenverluste für die öffentliche Hand verursachten.

Zweiter Tag der Konferenz

Mit 104 Teilnehmer:innen war der öffentliche Teil der STRAKO noch etwas besser besucht als bei der vorangehenden STRAKO 2023.

Dr. Sabine Fandrych, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Friedrich-Ebert-Stiftung, und Alexandra Herzog, Vorstandsvorsitzende von Transparency International Deutschland, eröffneten den zweiten Tag mit einem Verweis auf die EU-Umweltstrafrechtsrichtlinie und den im Koalitionsvertrag verankerten Aktionsplan gegen Umweltkriminalität.

Jürgen Ebner, stellvertretender Exekutivdirektor von Europol, betonte in seinem Lagebild über die organisierte Umweltkriminalität in Europa die Herausforderungen für die Ermittlungsarbeit: Die kriminellen Netzwerke agieren oft grenzüberschreitend und in rechtlichen Graubereichen. Diesen Herausforderungen sei durch ressortübergreifende Zusammenarbeit zu begegnen.

Die anschließende Podiumsdiskussion behandelte die internationale Kooperation der Ermittlungsbehörden in der EU und darüber hinaus. Moderator Brice Böhmer, Leiter der Abteilung Klima und Umwelt von Transparency International, bezifferte den gesamten geschätzten wirtschaftlichen jährlichen Schaden durch Umweltverbrechen auf ein bis zwei Billionen EURO. Jennifer Scotland, Research Analyst vom Royal United Services Institute, wies darauf hin, dass es sich hauptsächlich um „white collar criminals“ und damit um Wirtschaftskriminalität handle. Es erfordere hochspezialisiertes Expertenwissen, um legale von illegalen Märkten unterscheiden zu können. Jan MacLean, Leiter der deutschen Delegation bei EUROJUST, betonte die Bedeutung von Spezialisierung, Harmonisierung, Priorisierung, Ressourcenbündelung, Wissensaustausch und Kooperation bei der Ermittlung. Dr. Miroslav Angelov von der Generaldirektion Umwelt der Europäischen Kommission sprach sich für eine strategische Herangehensweise aus, um die nationalen Straftatbestände zu vereinheitlichen. Yulia Stange, ehem. Leitung der Nature Crime Alliance, betonte die Bedeutung von rechtlichen Rahmenbedingungen, Tools wie AI bei der Ermittlung, „Follow the money“-Ansatz und die Stärkung lokaler Akteure. Sie verwies unter dem Stichwort Verbrechenskonvergenz auf die Schnittmengen zu anderen Bereichen der internationalen Kriminalität wie Menschenhandel.

Dr. Johannes Dimroth, ständiger Vertreter der Staatssekretärin im Justizministerium, berichtete in seinem Vortrag über die laufende Umsetzung der EU-Umweltkriminalitätsrichtlinie in deutsches Recht. Der Referentenentwurf liege vor und gehe jetzt in die Ressortabstimmung.

Die zweite Podiumsdiskussion behandelte die Umsetzung der EU-Richtlinie in Deutschland und die bestehenden Anforderungen an die Ermittlung und Ahndung von Umweltkriminalität. Marta Orosz, Investigativ-Journalistin vom ZDF, berichtete von Recherchen zum Betrug mit Emissionshandelsprojekten in China. Diese wurden von Hinweisgebern angestoßen, die zuvor von den Behörden ignoriert worden seien. Johannes Zahnen, Senior Officer Forest Policy, WWF Deutschland bemängelte die schlechte Ausstattung der Ermittlungsbehörden und verdeutlichte das geringe Strafmaß am Beispiel illegaler Holzimporte. Sebastian Fiedler (MdB, SPD) betonte die Bedeutung von spezialisierten Verfolgungsbehörden, diese arbeiteten deutlich besser mit EUROJUST zusammen. Lukas Benner (MdB, Bündnis 90/Die Grünen) forderte, dass das BKA eine stärkere Rolle beim Informationsfluss spielen sollte und verwies darauf, dass es häufig Menschen aus der Zivilgesellschaft seien, die auf Missstände aufmerksam machten.

Im Fazit betonte Margarete Bause, stellvertretende Vorsitzende von Transparency Deutschland, dass die Dimensionen und Auswirkungen von Umweltkriminalität noch immer unterschätzt würden. Umweltkriminalität sei nach wie vor ein risikoarmes Verbrechen mit Milliardengewinnen. Die Konferenz habe deutlich gemacht, worauf es bei der Strafverfolgung ankomme: Ressourcen, Expertise, Spezialisierung, Priorisierung und internationaler Datenaustausch. Max Ostermayer von der Friedrich-Ebert-Stiftung sprach sich für eine Klärung der Definition von Umweltkriminalität aus und für eine bessere Aufklärung über die Folgeschäden.

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