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Für mehr Transparenz, Integrität und Unabhängigkeit im Journalismus

Transparency Deutschland legt Leitlinien für die Praxis vor

Berlin, 15.07.2020

Die Antikorruptionsorganisation Transparency Deutschland hat Leitlinien für die Praxis zugunsten von mehr Transparenz im Journalismus veröffentlicht. Studien haben gezeigt, dass in Redaktionen und Verlagen Nachholbedarf in Sachen Korruptionsprävention besteht. Mit den Leitlinien für die journalistische Praxis soll eine transparente, unabhängige und neutrale Berichterstattung gestärkt werden.

Die Leitlinien basieren auf Erkenntnissen der Studie „Korruption im Journalismus – Wahrnehmung, Meinung, Lösung“ von Transparency Deutschland aus dem Jahr 2016. Eine Online-Befragung unter Journalistinnen und Journalisten hat ergeben, dass fast zwei Drittel von ihnen bereits Erfahrungen mit Korruption gemacht haben.

Dazu Ulrike Fröhling, Leiterin der Arbeitsgruppe Transparenz in den Medien:

„Die Studie hat gezeigt, dass Antikorruptionsbemühungen von Verlagen und Rundfunkanstalten gestärkt werden müssen. Mit den Leitlinien für transparenten Journalismus möchten wir einen konkreten Beitrag leisten. Denn glaubwürdige Medien und unabhängige Journalistinnen und Journalisten sind unabdingbar für eine funktionierende Demokratie und bei der Aufdeckung von Missständen wie Korruption.“

Um mehr Transparenz zu schaffen und die Integrität und Unabhängigkeit von Journalistinnen und Journalisten zu stärken, schlägt Transparency Deutschland vor, die Redaktionen strikt von Anzeigenabteilungen zu trennen. Darüber hinaus sollten strukturelle Abhängigkeiten, finanzielle und geldwerte Unterstützungen sowie Nebentätigkeiten von Journalistinnen und Journalisten offengelegt werden. Auch klare Geschenke- und Compliance-Regelungen sind wichtige Maßnahmen, um Korruption im Journalismus zu bekämpfen.

Durch die Transformation der Medienlandschaft entstehen neue journalistische Angebote, für die die Forderungen nach Transparenz und Unabhängigkeit gleichermaßen gelten. Transparency Deutschland wird die Entwicklung beobachten und die Richtlinien bei Bedarf ergänzen.

Hintergrund

Für die Studie „Korruption im Journalismus – Wahrnehmung, Meinung, Lösung“ von Transparency Deutschland wurden erstmals bundesweit knapp 400 Journalistinnen und Journalisten zum Thema Korruptionswahrnehmung im Journalismus befragt. Im Jahr 2013 hat Transparency Deutschland gemeinsam mit netzwerk recherche e.V., dem Institut für Journalistik der TU Dortmund und der Otto-Brenner-Stiftung die Kurzstudie „Gefallen an Gefälligkeiten: Journalismus und Korruption“ veröffentlicht. Hier wurden Medienhäuser kontaktiert und Regelwerke untersucht. Auch diese Studie kam zu dem Schluss, dass das Interesse am Thema Korruptionsbekämpfung bisher gering und die Regelwerke mangelhaft sind.