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PressemitteilungGesundheitswesen

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung versucht Vertrauensverlust in Ärzteschaft zu stoppen

01.10.2009

Berlin, 01.10.2009 - Die Antikorruptionsorganisation Transparency International Deutschland begrüßt den Vorstoß der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Anwendungsbeobachtungen schärfer zu regulieren. Der Vorstoß zeigt, dass auch die Ärzteschaft nicht länger nur Zuschauer des schwindenden Vertrauens zum Arzt sein will. Sylvia Schenk, Vorsitzende von Transparency Deutschland: "Das Vertrauensverhältnis des Patienten zum Arzt ist viel zu wichtig, als es durch kurzfristige Profitinteressen zu gefährden. Jeder Mensch in diesem Land, ob gesetzlich oder privat versichert, muss das Vertrauen haben können, dass er nach bestem Wissen und Gewissen behandelt wird". In der FAZ von heute hatte KBV-Vorstand Müller den dringenden Verdacht geäußert, dass Anwendungsbeobachtungen - die Transparency seit Jahren scharf kritisiert - vor allem zur Verkaufsförderung der Pharmaunternehmen veranlasst würden. Bereits Anfang September hatten behauptete Kickback-Zahlungen für Aufsehen gesorgt. Dabei ging es um die Auftragsvergabe zwischen Ärzten und Krankenhäusern, Zahnärzten und Dentallaboren, Internisten und Röntgenärzten oder Orthopäden und Schuhmachermeistern.
 
Der heutige Ruf der Kassenärztlichen Bundesvereinigung nach dem Gesetzgeber darf allerdings nicht von der eigenen Verantwortung der KBV ablenken. Anke Martiny, Vorstandsmitglied von Transparency Deutschland: "Wir fordern die KBV und die regionalen Kassenärztlichen Vereinigungen auf, die ihr vorliegenden Listen zu Anwendungsbeobachtungen endlich zu veröffentlichen und erst dann nach dem Gesetzgeber zu rufen". Nach §67 Arzneimittelgesetz sind die Pharmaunternehmen längst verpflichtet, alle Anwendungsbeobachtungen zu melden, und überhöhte Entschädigungen sind verboten. Weiterhin sind die Kassenärztlichen Vereinigungen für die Verfolgung und Ahndung von Verstößen gegen die Berufsordnung zuständig. Anke Martiny: "Die Kassenärztlichen Vereinigungen müssen endlich Zahlen und Fakten auf den Tisch legen, wie sie ihrer Pflicht nachkommen Unregelmäßigkeiten nachzugehen. Wir sind gegen den gläsernen Patienten, aber für den gläsernen Arzt".

Kontakt

Dr. Anke Martiny, Vorstandsmitglied
Dr. Christian Humborg, Geschäftsführer
Transparency International Deutschland e.V.
Tel.: 030/ 54 98 98 0