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Abstimmung ist Signal für mehr Transparenz und Bürgerbeteiligung – nur so kann die Olympiabewerbung nachhaltig erfolgreich sein

09.05.2011

Berlin, 09.05.2011 - Der knappe Ausgang des Bürgerentscheides in Garmisch-Partenkirchen pro Olympiabewerbung München 2018 – von rund 21.000 Wahlberechtigten hatten 6.853 für die Bewerbung gestimmt und 5.526 den Antrag der Olympiakritiker unterstützt – unterstreicht die Bedeutung, die Transparenz und umfassende Einbindung der Stakeholder, insbesondere der Bevölkerung vor Ort, bei den Planungen und deren Umsetzung hat. Dass sich mit 49,4% beinahe die Hälfte der Wähler, die sich am Bürgerentscheid beteiligt haben, für die juristische Überprüfung des Vertragswerks mit dem IOC ausspricht, zeigt deutlich das fehlende Vertrauen in die konkrete Ausgestaltung der Bewerbung.

Die Antikorruptionsorganisation Transparency International Deutschland hatte bereits in der Vergangenheit entsprechende Forderungen an die Bewerbungsgesellschaft gestellt und sieht sich darin durch den knappen Ausgang, insbesondere aber die in absoluten Zahlen geringe Unterstützung der Bewerbung (nur rund 33 % der Wahlberechtigten sprachen sich für Olympia, 26 % dagegen aus) bestätigt. Die Zustimmung der Bevölkerung spielt für das IOC eine entscheidende Rolle.

„Umso wichtiger ist es, jetzt die Kritiker ernst zu nehmen und in alle weiteren Schritte einzubeziehen“ sagt Ulrike Spitz von der Arbeitsgruppe Sport von Transparency Deutschland. „Dies gilt nicht nur in den kommenden zwei Monaten bis zur Entscheidung des IOC, sondern vor allem in der weiteren Vorbereitung der Spiele, wenn München den Zuschlag bekommt. Nur so kann Deutschland als Ausrichter von Olympischen Spielen eine Vorreiterrolle in Transparenz und Bürgerbeteiligung einnehmen.“

Bei einer Olympiabewerbung besteht in wichtigen Punkten wenig Spielraum, weil das IOC z.B. beim Host-City-Vertrag strikte Vorgaben macht. Dies kann zu Misstrauen führen, das nur durch eine offensive und ehrliche Informationspolitik aus dem Weg zu räumen ist.

Sylvia Schenk, für Sport verantwortliches Vorstandsmitglied von Transparency Deutschland, verweist darauf, dass der Münchener Oberbürgermeister Ude in seiner Funktion als neugewählter Präsident des Deutschen Städtetages gerade erst mehr Bürgerbeteiligung gefordert hat: „Diese ist ohne ausreichende Information mit umfassender Transparenz als Grundlage jeglicher Beteiligung aber nicht machbar. An seiner Forderung als Präsident des Städtetages muss Ude sich auch bezüglich der Olympiabewerbung messen lassen.“

Bei der Münchener Bewerbung fehlt es bislang zudem an einer klaren ethischen Positionierung – auch diese ein wesentlicher Teil von Nachhaltigkeit. Das Organisationskomitee London 2012 (LOCOG) hat dazu im April den ersten Nachhaltigkeitsbericht vorgelegt. Dort kann nachgelesen werden, was an Maßnahmen gegen Korruption und zum Umgang mit Interessenkonflikten innerhalb LOCOG gilt; zudem werden die Vorgaben über die Ausschreibungsprozeduren auch in die Lieferkette weitergegeben.

Kontakt

Sylvia Schenk, Vorstandsmitglied
Dr. Christian Humborg, Geschäftsführer
Transparency International Deutschland e.V.
Tel.: 030- 54 98 98 0