KorrWiss-Netzwerk: Junge Wissenschaftler diskutieren zu Forschung, Normen und Formen der Korruption

Von Johann Steudle & Frank Heber

 

Das 2013 gegründete Netzwerk Korr-Wiss besteht aus rund 80 Mitgliedern, die sich wissenschaftlich zum Thema Korruption austauschen. Zusätzlich finden regelmäßig Treffen statt, die das Herzstück des Netzwerks bilden. Jungen Korruptionsforschern bieten sie die Möglichkeit, eigene Forschungsideen und -vorhaben vorzustellen und untereinander zu diskutieren. Oksana Huss (Universität Duisburg-Essen) und Frank Heber (Hochschule Hannover und Universität Vechta) luden Ende Februar 2015 zum dritten Treffen an der Universität Duisburg-Essen ein. Neben einigen neuen Gesichtern konnte erfreulicherweise erstmals auch eine Teilnehmerin aus der Schweiz begrüßt werden.

Neues aus der Forschung junger Korruptionswissenschaftler

Elisa Hoven und Anna Cornelia Rink (beide Universität zu Köln) referierten zum Thema Auslandsbestechung. Elisa Hovenführt im Rahmen einer bundesweiten Auswertung staatsanwaltschaftlicher Ermittlungsakten eine rechtstatsächliche und rechtstheoretische Untersuchung durch. Anna Cornelia Rink sprach über die rechtsphilosophische Frage nach dem Verhältnis von Moral und Recht und die Herausforderungen eines sich immer stärker globalisierenden Strafrechts. Nils Köbis (Freie Universität Amsterdam) vertrat eine sozialpsychologische Sichtweise und stellte ein Modell zur Unterscheidung verschiedener Formen korrupten Verhaltens vor. Sein Fokus lag auf der Unterscheidung zwischen individueller und interpersoneller Korruption (mehrere korrupte Akteure missbrauchen Macht in Kollaboration). Mithilfe dieser Unterscheidung wurden die teils gegensätzlichen
psychologischen Dynamiken der beiden Formen diskutiert.

Sarah Engler (Universität Bern) präsentierte eine Studie, in der sie Einflüsse von Korruption auf den Wahlerfolg neuer Parteien in Osteuropa untersuchte. Ihre Ergebnisse zeigen, dass ein Anstieg in der wahrgenommenen Korruption zu einem höheren Stimmenanteil neuer Parteien führt. In osteuropäischen Ländern mit einem historisch gewachsenen hohen Korruptionsniveau seien neue Parteien weniger erfolgreich als in osteuropäischen Ländern mit vergleichsweise niedriger Korruption, da diese dort mit den klientelistischen Partei-Wähler-Netzwerken der etablierten Parteien konkurrieren.

Zudem wurde ein Workshop zur „Kartierung“ von Korruption durchgeführt, bei dem sich die Teilnehmenden über Korruptionsdefinitionen und die Zuordnung ihrer Forschungsvorhaben zu verschiedenen Perspektiven von Korruption austauschten. Johann Steudle (Universität Freiburg und KorrWiss-Mitinitiator) und Nils Köbis unternahmen damit einen ersten Versuch, den Rahmen der Kolloquien für die gemeinsame Beschäftigung mit allgemeinen Frage der Korruptionsforschung zu nutzen.

Künftige Aktivitäten des Netzwerks

Beim Treffen wurde die Planung einer Korruptionsforschungsgruppe (Interdisciplinary Corruption Research Network) vorangetrieben, deren Federführung Ina Kubbe (Leuphana Universität Lüneburg) innehat. Ziel der Initiative ist es, das Thema „Normen und Korruption“ aus verschiedenen Fachdisziplinen zu betrachten und einen Sammelband zu publizieren. Zudem plant die Gruppe Fachtagungen, die allen Korruptionsinteressierten offenstehen sollen. Die erste Tagung soll 2016 in Amsterdam stattfinden.

Das nächste Treffen findet am 16./17. Oktober 2015 in Düsseldorf statt und wird erneut allen jungen Korruptionsforschern – gern auch aus dem deutschsprachigen Ausland   die Möglichkeit bieten, sich zu vernetzen, wissenschaftliche Vorhaben zur Diskussion zu stellen und an der Weiterentwicklung des Netzwerks mitzuwirken. Mit einer E-Mail an korrwiss- subscribe@yahoogroups.com können sich alle an Korruptionsforschung Interessierten für den E-Mail-Verteiler registrieren lassen, um Informationen zu Korruptionsforschung und Hinweise auf zukünftige Aktivitäten des Netzwerks zu erhalten und gerne auch selbst aktiv zu werden. |

 

Dieser Artikel ist im Scheinwerfer Nr. 68 (S. 22) vom Juli 2015 erschienen.

Was ist Korruption?

Was macht Transparency Deutschland dagegen?

Initiative Transparente Zivilgesellschaft