Unternehmensethik/CSR

1. Unternehmensethiker sind Koalitionspartner von Transparency Deutschland!

Wirtschafts- und Unternehmensethiker helfen mit wissenschaftlicher Methode -Empirie und Logik- das Umfeld für Korruption und angewandte Korruptionsprävention zu analysieren.

So weist die moderne Unternehmensethik empirisch seit Anfang der Neunziger Jahre die Sozialschädlichkeit von Korruption für jede Gesellschaft nach. Für Entwicklungsländer ist Korruption als das größte Hindernis in vielen Studien belegt.

Moral und Gesetze haben nicht ausreichend erfolgreich  Korruption in Politik und Wirtschaft unterbinden können. Appelle an weniger Eigeninteresse der Handelnden sind zu häufig erfolglos geblieben. Einen fundamentalen Gesinnungswandel kann man nicht feststellen.

Moderne Unternehmensethiker machen daher Vorschläge zu einem Bedingungswandel. In diesem sorgen Anreize dafür, dass alle Betroffenen mehr für Korruptionsprävention tun - wie Karl Homann von der LMU München und Ingo Pies von der MLU Halle/Wittenberg.

Komplementär zu diesem Ansatz ist die analytische Unternehmensethik von Hans-Ulrich Küpper von der LMU München, der sich als Betriebswirt und Controller –vermutlich erstmalig– mit der Analyse von Wirkungen von Werten und Normen, ihre Beziehungen und Konflikte mit ökonomischen Kriterien befasst. Dabei drückt er sich nicht um die Begründung von Wertungen und vor allem das Aufzeigen von Verfahren zur Konfliktlösung.   

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass immer mehr Unternehmen die schädlichen Folgen von Korruption erkennen – wie unfairer Wettbewerb, wachsende Erpressbarkeit und massive Reputationsrisiken. Als Folge lassen sie sich leichter für intensivere Selbststeuerungsmaßnahmen gewinnen, denn es geht um die Beherrschung von unternehmerischen Risiken.

Unternehmen beteiligen sich an der Gestaltung eines sogenannten „enabling environment“ –einer Rahmenordnung– aufgrund von ganz konkreten strukturellen Anreizen.  Diese sollen vor allem durch Selbststeuerung der Unternehmen gefunden werden - flankiert durch Recht und Gesetz sowie durch eine moralische Sensibilisierung.

 

2. Unternehmen mit der Verpflichtung zu „Good Corporate Citizenship“ und „nachhaltiger CSR“ sind potentielle Koalitionspartner von Transparency Deutschland!

Die Betonung der Selbststeuerung in der Gestaltung der Rahmenordnung ist Übernahme von gesellschaftlicher Verantwortungechte Corporate Citizenship oder nachhaltige CSR – Corporate Social Responsibility.

Sehr hilfreich ist der Trend, dass Öffentlichkeit und Kapitalmarkt immer mehr nach konkreten Maßnahmen von Unternehmen hinsichtlich „Corporate Citizenship“ und CSR fragen.

In den anglo-amerikanischen Kapitalmärkten versuchen bereits 80 Prozent aller größeren Unternehmen ihre gesellschaftliche Verantwortung in sogenannten "CSR-Reports" zu dokumentieren. In Deutschland sind es erst 20 Prozent. Ganz wenige Unternehmen berichten in den CSR-Reports über Verstöße gegen Führungsleitlinien und über entsprechende personelle Konsequenzen – wie zum Beispiel BP.

Auch dem freiwilligen Verhaltens-Kodex der UNO „Global Compact“ sind nur wenige deutsche Unternehmen beigetreten. Dort ist das „10. Verbot“ gegen Korruption in 2004 dazugekommen.

Die Mehrzahl der größeren Unternehmen in Deutschland beschränkt ihre Maßnahmen zur Korruptionsprävention auf die Verabschiedung von Führungsleitlinien. Diese sind häufig weder ausreichend kommuniziert noch systematisch in die Abläufe und Prozesse implementiert. Öffentlichkeitswirksame „Unfälle“ werden meist als Ausnahmen dargestellt, sind aber häufig das Resultat fehlender Unternehmenskulturen.

3. „Null-Toleranz gegen Korruption“ ist ohne Gestaltung einer modernen Unternehmenskultur nicht erreichbar!

Korruption ist ja nur ein paradigmatischer Fall der Wirtschaftskriminalität. Wer in stürmischen Zeiten die hohen Schäden aus Wirtschaftskriminalität im Unternehmen wirklich verhindern will, muss sich um die Gestaltung einer offenen und fairen Unternehmenskultur bemühen. Die Verteilung von Führungsleitlinien nach dem Muster „Postwurfsendungen“ reicht nicht.

Unternehmenskultur gestalten erfolgreiche Unternehmen durch das „Managen von Werten“ mit System – das heißt mit geplantem Ablauf, ausreichender Zeit und konfliktorientiertem Diskurs.

Null-Toleranz gegen Korruption erreichen nur die Unternehmen, die die sogenannten Wertemanagementsysteme eingeführt haben. Der Unternehmensethiker Josef Wieland von der FH Konstanz hat ein solches WerteManagementSystem (WMS) entworfen. Dem Ziel „Null-Toleranz“ käme das WMS durch folgende Schritte näher.

 

Literatur

Karl Homann, „Unternehmensethik + Korruption“ in zfbf 49 von 3/1997

Ingo Pies, „Zur Theorie + Praxis der Korruptionsbekämpfung“ in Wirtschaftsethik-Studie 2005

Josef Wieland, „Handbuch Wertemanagement“, 2004, Murmann Verlag

Hans-Ulrich Küpper, „Unternehmensethik“, 2006, erscheint erst im März/April 2006

(Stand: März 2006)

 

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