Sport und Politik: Transparenz auch auf kommunaler Ebene gefragt
Die traditionell enge Verflechtung von Sport und Politik beschränkt sich nicht auf die „große“ Politik und den „großen“ Sport – sie durchdringt alle Ebenen bis zur kleinen Gemeinde mit dem örtlichen Sportverein. Gerne sonnen sich Politiker im Glanz des Sports – das hilft bei der Imagebildung, nicht nur in Wahlkampfzeiten. Ebenso gerne und fleißig hofiert der Sport die Politik, schließlich erfährt er eine hohe staatliche Förderung.
Gegen eine vernünftige Partnerschaft von Sport und Politik spricht generell nichts – unter der Voraussetzung, dass die Öffentlichkeit über gegenseitige Beziehungen auf dem Laufenden gehalten wird. Problematisch wird es, wenn die Vergabe von öffentlichem Geld an den Sport undurchsichtig bleibt. Und ganz kritisch kann es im Profibereich werden: Wenn Vereine von öffentlichem Geld in einer nicht durchschaubaren Weise profitieren und gleichzeitig horrende Ablösesummen und Millionengehälter bezahlen.
Der Sport hat in Sachen Transparenz der Beziehungen zur Politik noch viel Nachholbedarf. Oft ignorieren beide Seiten mögliche Abhängigkeiten. Es fehlt an klaren Regeln, ab wann Befangenheit den Blick auf unabhängige Entscheidungen in der Politik verstellt.
In vielen Profivereinen sitzen amtierende Kommunalpolitiker oder Mitglieder der Stadtverwaltung in wichtigen Vereinsgremien wie im Aufsichts- oder Verwaltungsrat oder Kuratorium. Von Seiten der Politik wird gerne argumentiert, dass dort nicht entschieden wird, sondern im Vorstand oder in der Geschäftsführung – aber in der Realität sind Interessenkonflikte offensichtlich.
Laut Frankfurter Rundschau (06.03.2010) soll zum Beispiel entsprechend eines Rechtsamts-Gutachtens bei zwei Stadtverordneten und zwei Dezernenten Befangenheit bei der Abstimmung in den städtischen Gremien über die Sanierung eines Stadions eines Fußball-Zweitligisten festgestellt worden sein. Die Abstimmung fand dann ohne die betroffenen Amtsträger statt, was dazu führte, dass das politische Gremium mit anderen als den gewählten Mehrheitsverhältnissen entschieden hat. Auch das ist nicht im Sinne des Bürgers – aber immer noch besser als ein Ergebnis, bei dem Amtsträger als befangen eingestuft werden müssen und dennoch abstimmen. Immerhin wird nun in der gleichen Stadt auch schon öffentlich diskutiert, ob die politischen Vertreter im Verwaltungsrat des ortsansässigen Erstligisten nicht auch für befangen erklärt werden müssten, da dort ebenfalls Bauvorhaben anstehen, die die Stadt finanziell unterstützen will.
Denn normalerweise ist diese Art von Befangenheit kein Thema im Sport. Dabei ist es üblich, auch im Handball, Basketball oder Eishockey, dass Bürgermeister, Stadträte oder Staatssekretäre in Aufsichts- oder Verwaltungsräten sitzen und damit zwei Herren dienen: „Ihrem“ Verein und ihrem Mandat beziehungsweise Amt. Und das oft genug bei wichtigen kommunalpolitischen Themen: bei Neu- oder Umbauten städtischer Stadien oder Hallen oder bei Nutzungsbedingungen wie der Höhe der Miete, die ein Profiverein an die Stadt bezahlen muss.
Es gilt also zunächst, mehr Bewusstsein für Abhängigkeiten zu schaffen. Ein Beispiel: Die „Badische Zeitung“ vom 29.7.2010 berichtete, dass zwei Stadträte der Grünen Alternative Freiburg ihre kostenlosen Dauerkarten des ortsansässigen Bundesligisten zurückgegeben haben, weil „Mitglieder des Gemeinderats frei sein müssen von Einflussnahme: Schon das Gefühl der Verbundenheit kann gefährlich sein“. Wie die Zeitung schreibt, teilen die anderen Fraktionen diese Einschätzung nicht. Eine Gemeinderätin wurde zitiert, sie finde „den Verdacht absurd, die Tickets könnten Einfluss haben auf Entscheidungen“. Dies veranlasste einen Blogger zu folgendem Eintrag, dem nicht viel hinzuzufügen ist: „Glauben die Herren Bürgervertreter wirklich, dass der SC Freiburg die Freikarten an die Gemeinderäte einfach ohne Hintergedanken verschenkt, weil er sie nicht anderweitig verkaufen kann?“
Der einzige Weg, Abhängigkeiten und Verflechtungen Herr zu werden, sind Offenlegung und klare Regeln. Folgende Regel wäre präventiv äußerst nützlich: Die, dass Vereinsmandate für politische Mandatsträger nicht akzeptabel sind. Sie reicht aber nicht. Denn es sind genügend Fälle bekannt, bei denen „Sportfans“ aus der Politik auch ohne Vereinsamt mehr als ein Auge für ihren Klub zugedrückt haben.
Deshalb kann nur folgende Frage der Maßstab für die Handelnden sein: Darf die Öffentlichkeit dies alles wissen? Sie muss klar mit Ja beantwortet werden können, egal, ob es um die Unterstützung eines Millionenprojekts oder um die Annahme einer Freikarte geht.
Ulrike Spitz ist Mitglied in der Transparency Arbeitsgruppe Sport und als Journalistin tätig. Sie leitet die PR-Abteilung einer im Aufbau befindlichen Organisation außerhalb des Sports.
Dieser Artikel ist im Scheinwerfer 49 (S. 15) vom November 2010 erschienen.

