Nationales CSR-Forum legt Empfehlungsbericht für Bundesregierung vor
In Europa ist man schon weiter – die EU-Kommission startete bereits 2002 das europäische Multistakeholder-Forum zu Corporate Social Responsibility (CSR und Länder wie z.B. Dänemark und Schweden sind zu dem Thema seit den Neunziger Jahren auf nationaler Ebene aktiv. In Deutschland dagegen schreckte der englische Begriff ab, genauso wie noch immer manche eine deutsche Übersetzung für Compliance suchen. So war es höchste Zeit, als im April 2007 das Bundesministerium für Arbeit und Soziales zunächst zu einer CSR-Konferenz einlud und dann im Januar 2008 das Nationale CSR-Forum berief. Rund vierzig Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft (Unternehmen unterschiedlicher Größenordnung sowie Verbände), Gewerkschaften, Zivilgesellschaft und weiteren Institutionen bildeten einen heterogenen Kreis, der im Konsens einen Vorschlag zu einer nationalen CSR-Strategie entwickeln sollte. Die Politik war zwar durch mehrere Ministerien vertreten, hielt sich aber in den Beratungen zurück und hatte auch kein Stimmrecht.
Skepsis herrschte am Anfang: Sollte die Zivilgesellschaft nur als Feigenblatt dienen? Bedeutet Konsens die Einigung auf den allerkleinsten gemeinsamen Nenner? Wird durch die von der Wirtschaft geforderte „Freiwilligkeit von CSR“ von Anfang an alles ins Reich der Beliebigkeit geschoben? Es gab ein zähes Ringen um wesentliche Positionen – aber nie ein Hauen und Stechen. Wechselseitig wuchs Verständnis für unterschiedliche Sicht- und Herangehensweisen und die verschiedenen Verantwortungsebenen. Dabei wurde sichtbar, dass die globalen Probleme letztlich alle gleichermaßen tangieren.
Nachdem der Empfehlungsbericht am 22. Juni 2010 verabschiedet wurde, ist schwer zu sagen, was wichtiger ist: Das Ergebnis als solches oder der zweijährige Prozess – über einen Regierungswechsel hinweg – im CSR-Forum und den begleitenden Arbeitsgruppen zu sechs Aktionsfeldern.
Für Transparency Deutschland hat sich das Engagement gelohnt. Es wurden nicht nur wichtige Kontakte geknüpft oder vertieft, wir konnten auch Unterstützung für wesentliche Positionen finden. Herausragend ist der Appell des CSRForums´ an die Bundesregierung, die UN-Konvention gegen Korruption zu ratifizieren und die Umsetzung voranzutreiben. Aber auch die Forderung, CSR im Bereich der öffentlichen Beschaffung zu stärken, verlangt von der Politik, endlich mit gutem Beispiel voranzugehen. Denn gerade bei CSR geht es um Glaubwürdigkeit – hier wären allerdings noch deutlichere Hinweise auch Richtung Wirtschaft im Empfehlungsbericht wünschenswert gewesen.
Es wird jetzt an der Anti-Korruptions-Bewegung liegen, ihre Forderungen noch mehr mit dem Anliegen von CSR als prägend für das Kerngeschäft von kleinen und großen Unternehmen zu verknüpfen. Das CSR-Forum hat eine Basis gelegt, auf der Transparency aufbauen kann.
Sylvia Schenk ist Mitglied im Vorstand von Transparency Deutschland.
Von Transparency Deutschland haben am Empfehlungsbericht mitgewirkt: Sylvia Schenk (federführend), Paul Hell (Aktionsfeld 1), Andreas Novak (Aktionsfeld 2), Shirley van Buiren (Aktionsfeld 4), Gabriele C. Klug (Aktionsfeld 6). Den Empfehlungsbericht finden Sie unter: www.csr-in-deutschland.de.
Dieser Artikel ist im Scheinwefer Nr. 48 vom Juli 2010 erschienen.

