Intransparenz im Sport

Warum sie das Vertrauen in den Dritten Sektor in besonderem Maße untergräbt und welchen Beitrag die Initiative von Transparency leisten könnte, diesem Trend entgegen zu wirken

Gemeinnützige Organisationen sind eine wichtige Stütze der Gesellschaft, ohne die sie nicht funktionieren würde. Sportvereine und -verbände leisten einen beträchtlichen Teil dieser unverzichtbaren Arbeit. Laut Sportentwicklungsbericht 2009/2010 sind allein im Ehrenamt 1,85 Millionen Menschen engagiert, die im Jahr einen Wert von rund 6,7 Milliarden Euro erwirtschaften. Somit stellt der organisierte Sport nach wie vor den quantitativ bedeutsamsten Träger freiwilligen Engagements dar.

Gemeinnützige Organisationen sind in Deutschland im Vergleich zu Kapitalgesellschaften nicht verpflichtet, die Öffentlichkeit über die Herkunft und Verwendung ihrer Mittel zu informieren. Ihre Mitglieder müssen darauf vertrauen, dass die von ihnen gewählten Verantwortlichen in den Vorständen seriös arbeiten und sie entsprechend informieren. Die Deklarationspflicht gegenüber dem Fiskus hängt in erster Linie vom Umfang der Aktivitäten ab. Im Vordergrund stehen vor allem die Prüfung des wirtschaftlichen Bereichs sowie der Gemeinnützigkeit.

Sensibelster Punkt der Vorstandsarbeit sind die Finanzen. Sportvereine, deren Mannschaften in höheren Ligen spielen,haben mit Sportrechtevermarktung, Ablösesummen und Sponsoring zu tun, und jonglieren mit teilweise sehr hohen Geldbeträgen. Marketinggesellschaften zur Abwicklung dieser Geschäfte erschweren oft die Übersicht über die diversen Transaktionen.

Dazu kommt, dass gerade im Sport eine enge Verflechtung von Sportfunktionären, Wirtschaft und Politik die Regel ist. Die Sportstrukturen begünstigen das Wegsehen, da sie häufig klare Regelungen, echte Demokratie und Transparenz vermissen lassen. Dabei ist der einzige Schutz vor aufkommendem Misstrauen Transparenz. Die Notwendigkeit dieser Forderung zeigen die folgenden Beispiele internationaler Sportverbände.

Nach einem Artikel der Süddeutschen Zeitung (27.5.2010) soll der Radrennfahrer Lance Armstrong dem Radweltverband UCI eine Spende von mehreren tausend Dollar überwiesen haben. Über die Höhe der Summe gibt die Zeitung widersprüchliche Aussagen von Pat McQuaid, dem Präsidenten der UCI, und Armstrong an.

Hohe Funktionäre eines internationalen Verbandes sollen vor einem Strafgericht in der Schweiz eingeräumt haben, offenkundige Schmiergelder in Millionenhöhe kassiert zu haben. Zwecks Verfahrenseinstellung (damit die Namen nicht öffentlich werden) sollen sie dem Weltverband 5,5 Millionen Franken zurückerstattet haben (Süddeutsche Zeitung, 25.06.2010).

Der Präsident eines Weltverbandes soll 2004 einer Firma eines guten Freundes einen gut dotierten Beratervertrag mit einem Sportrechtevermarkter vermittelt haben. Der Auftrag soll unter anderem geheißen haben, Geschäftskontakte mit nationalen und internationalen Verbänden einzufädeln. Darüber hinaus soll die Firma vom Rechtevermarkter, gleichzeitig exklusiver Rechtepartner des betroffenen Weltverbandes, eine Vermittlungsprovision in Höhe von 400.000 Schweizer Franken für einen Vertrag zwischen dem Verband und einem langjährigen Sponsorpartner kassiert haben. Im Jahr 2005 soll der gleiche gute Freund des Präsidenten auch in der Geschäftsleitung der Immobiliengesellschaft des Verbandes aufgetaucht sein (Süddeutsche Zeitung 10.05.2009)

Bei solchen Beispielen muss man sich die Frage stellen, wer eigentlich die Funktionäre kontrolliert. Bei vielen Sportvereinen und -verbänden fehlen echte Kontrollmechanismen; meist beschränkt man sich auf die Selbstkontrolle. Die Entscheider in ,ehrenamtlichen’ Positionen werden nur durch ihre Mitglieder bzw. die verschiedenen Gremien kontrolliert. Die Beispiele zeigen, dass dies oft nicht funktioniert.

Deshalb muss in der Korruptionsbekämpfung von beiden Seiten gearbeitet werden: Von oben, das heißt, dass die großen übergeordneten Verbände zu einer Kooperation für eine transparente Zivilgesellschaft gewonnen werden müssen. Aber auch von unten, also indem man den Druck der Mitglieder auf die Verbände stärkt.

Es wäre ein erster, aber bedeutender Schritt in die richtige Richtung, wenn möglichst viele Sportvereine und –Verbände die Selbstverpflichtung der Initiative Transparente Zivilgesellschaft unterzeichnen und gleichzeitig ihre Mitglieder darüber informieren würden. Neben der Selbstkontrolle wäre damit eine zweite wichtige Säule zu mehr Transparenz geschaffen.

Christoph Geissler ist diplomierter Sportökonom und war zuletzt als administrativer Geschäftsführer der Internationalen Handball Föderation in Basel tätig. Ulrike Spitz arbeitete viele Jahre als Sportjournalistin, unter anderem für die Frankfurter Rundschau, und danach als Pressesprecherin der Nationalen Anti-Doping Agentur. Sie ist heute in der Öffentlichkeitsarbeit außerhalb des Sports tätig.

Dieser Artikel ist im Scheinwerfer Nr. 48 (S. 11) vom Juli 2010 erschienen.

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