Christian Höffling: Korruption als soziale Beziehung.

Opladen: Leske + Budrich, 2002, 240 S., € 19,80

Der Politologe Christian Höffling hat mit seiner in diesem Jahr erschienenen Dissertation einen interessanten Beitrag aus der empirischen Sozialforschung zum Thema "Korruption als soziale Beziehung" vorgelegt. Ziel dieser Arbeit ist es, das Defizit an empirisch gesichertem Wissen über Korruption merklich zu verkleinern. Auf der Grundlage einer umfangreichen Auswahl bundesweit erhobener Strafakten geht er unter soziologischem Blickwinkel der Frage nach, wie sich Korruption unter den Rahmenbedingungen der modernen Gesellschaft entfalten kann. Der hier verwendete soziologische Ansatz definiert Korruption als "soziale Beziehung zwischen individuellen Akteuren in den Rollen von Amtswalter und Klient". Auf eine moralische Bewertung der Straftaten wird hierbei ausdrücklich verzichtet. Auch sollen aus der Arbeit keine praktischen Schlussfolgerungen für die gesellschaftliche Korruptionskontrolle abgeleitet werden. Das Besondere an diesem Ansatz ist die Auffassung, dass illegales Handeln gleichwohl brauchbar sein kann, wenn es für die Ziele oder die Stabilität einer Organisation nützlich ist. Korruption wird wertneutral als konstitutives Element für das gemeinsame Handeln mehrerer Akteure gedeutet. Es geht also um die Grauzone zwischen Kooperation und Korruption. Um diesen Bereich näher zu beleuchten, unterteilt der Autor den Verlauf der korruptiven Beziehung in einzelne "Karrierephasen". Ausgehend von der "präkorruptiven Beziehung" beschreibt Christian Höffling den Weg über die Phase der Anbahnung bis hin zur manifesten Korruptionsbeziehung, der sogenannten "korruptiven Karriere". Wenn diese Schwelle überschritten ist, folgt das Stadium der Etablierung und Routinisierung der Korruptionsbeziehung.

Des weiteren versucht der Autor, die Kriterien für erfolgreiche und misslungene korruptive Beziehungen darzulegen. Leider fällt hier das Ergebnis zu trivial und damit unbefriedigend aus. So führt Höffling den Misserfolg einer korruptiven Beziehung letztlich auf das mangelnde Einschätzungsvermögen der möglichen Kooperationsbereitschaft des Partners zurück.

Darüber hinaus verzichtet der Autor auf eine schlüssige Zusammenfassung seiner Untersuchungsergebnisse, die jedoch gerade hinsichtlich der Einbeziehung zahlreicher Einzelfälle aus der Praxis wünschenswert und hilfreich für die Leserinnen und Leser wäre. Dennoch bietet diese Arbeit einen nützlichen Einblick in die soziologische Korruptionsforschung - auch wenn der zugrundeliegende Ansatz zuerst ungewöhnlich erscheinen mag. Alle, die sich mit dem Thema Korruption tiefergehend beschäftigen, sollten sich die Lektüre dieses Buches nicht entgehen lassen.

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