Unsere Korporativen Mitglieder: GTECH GmbH - Ein Interview mit Michael Koch, Geschäftsführer der GTECH GmbH Deutschland
Was hat Sie bewogen, bei TI Mitglied zu werden? Bitte geben Sie uns zugleich einen knappen Eindruck von Ihrem Unternehmen.
Transparenz in den Geschäftsprozessen und die Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung sind in der Unternehmenskultur von GTECH schon lange fest verankert. Transparente Geschäftsabläufe sind die unverzichtbare Grundlage eines fairen Wettbewerbs. Die Arbeit von Transparency International findet deshalb unsere volle Unterstützung. Der Beitritt als korporatives Mitglied ist aus unserer Sicht ein logischer Schritt auf dem Weg, GTECH als fairen Geschäftspartner im Markt zu positionieren.
Die GTECH Corporation (NYSE: GTK) ist ein international führendes Technologie-Unternehmen mit einem Jahresumsatz von über einer Milliarde US$ und mehr als 5.400 Mitarbeitern in über 50 Ländern. GTECH liefert Software, Netzwerke und professionelle Dienstleistungen für leistungsstarke Transaktionsverarbeitungssysteme.
Die Kernkompetenzen des Unternehmens sind Lotterie-Systeme sowie der wachsende Bereich finanzieller Transaktionsverarbeitung.
Hat Ihr Unternehmen in Deutschland oder im Ausland schon einmal bittere Erfahrungen mit Schäden durch Korruption machen müssen?
Als international agierendes Unternehmen ist GTECH - genauso wie viele andere Unternehmen – hin und wieder auch mit Vorwürfen von Intransparenz oder gar Korruption konfrontiert. Entscheidend ist, dass GTECH diese Fälle stets unverzüglich, vorbehaltlos, konsequent - gegebenenfalls auch in Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden - aufklärt und ein etwaiges Fehlverhalten einzelner Angestellten unter keinen Umständen duldet.
Das Unternehmen GTECH steht gleichermaßen für technische Spitzenleistung und uneingeschränkte Seriosität und Integrität. Konsequentes Handeln liegt beidem zugrunde.
In sämtlichen GTECH-Tochterunternehmen weltweit wird dafür gesorgt, dass alle MitarbeiterInnen die unternehmensinternen Richtlinien kennen und strikt einhalten. Außerdem nutzt GTECH anonyme, von unabhängigen Anbietern betriebene „Hotlines“, über die unsere MitarbeiterInnen auftretende Probleme melden können. Alle gemeldeten Vorfälle werden eingehend untersucht.
Glauben Sie, dass die Software-Branche durch Wirtschaftskriminalität/Korruption besonders gefährdet ist?
Die Software-Industrie ist tatsächlich anfälliger für Wirtschaftskriminalität, besonders im Bereich des geistigen Eigentums, wozu z.B. Patente, der Markenschutz, Urheberrechte und Geschäftsgeheimnisse zählen. In der gesamten High-Tech-Branche hat der Schutz des geistigen Eigentums einen hohen Stellenwert: Wir leben schließlich von Ideen, Entwicklungen, Computersoftware, Markennamen, Formeln und Prozessen.
Wie haben Sie Ihren Verhaltenskodex und Ihr Compliance-Programm entwickelt? Standen verschiedene Modelle zur Auswahl? Haben Sie eine Schwachstellen-Analyse gemacht? Waren Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von unteren Ebenen an der Entwicklung beteiligt, oder haben Vorstand, Rechtsabteilung und Kommunikationsabteilung diese Programme „von oben“ entwickelt?
Wir bei GTECH glauben daran, dass die richtigen Dinge aus den richtigen Gründen heraus getan werden müssen. Wir sind stolz, sagen zu können, dass wir in der Lage sind, Probleme mit z.B. Interessenskonflikten, vertraulichen und geschützten Informationen, Wettbewerbspraktiken sowie der Annahme von Zuwendungen zu erkennen und angemessen mit ihnen umzugehen. Wichtige Instrumente hierfür sind der unternehmenseigene Verhaltenskodex sowie ein Compliance-Programm, dessen Einhaltung von einer Compliance-Abteilung überwacht wird.
Den Verhaltenskodex hat ein vom Unternehmen einberufenes Komitee aus MitarbeiterInnen aller Ebenen und aller Abteilungen gemeinsam mit der Rechtsabteilung entwickelt. GTECH nahm zusätzlich auch die Hilfe der „Ethics Officer Association“ (EOA), einer professionellen Gesellschaft für Verantwortliche von Ethik-, Compliance- und Verhaltensprogrammen sowie eines Beraters des „Center for Business Ethics“ vom Bentley College in Anspruch. Dieser Verhaltenskodex, „Lead with Integrity”, der automatisch auch allen neuen MitarbeiterInnen übergeben wird, beschreibt unser Engagement für ein integres Geschäftsgebaren.
Die Compliance-Abteilung von GTECH ist verantwortlich für die Überwachung unseres unternehmensweit angewendeten, proaktiven Compliance-Programms, mit dem ethische Geschäftspraktiken und Entscheidungen gefördert werden sollen. Sie hilft bei der Lösung von Problemen und berät bei Vorfällen in Zusammenhang mit der Geschäftsethik, der Einhaltung von Gesetzen und Verordnungen sowie von GTECH-internen Richtlinien.
Der Verhaltenskodex und das Compliance-Programm sind Teil einer web-basierten Schulung, die alle MitarbeiterInnen erfolgreich absolvieren müssen. Die Schulung ist in fünf Sprachen verfügbar und beinhaltet Auszüge aus dem Verhaltenskodex, aktuelle Ereignisse, praktische Fallbeispiele sowie eine abschließende Prüfung.
Wie haben die MitarbeiterInnen auf das Ansinnen, sich jährlich "checken" zu lassen, reagiert?
Unsere MitarbeiterInnen wissen, dass die integre Durchführung unserer Geschäfte essentiell für den Erfolg von GTECH ist. Die Charakteristika unseres Geschäfts fordern sowohl von GTECH als auch von unseren Kunden ein Höchstmaß an Glaubwürdigkeit und Transparenz. Unsere MitarbeiterInnen empfinden die jährliche Compliance-Zertifizierung nicht als „gecheckt werden“, sondern als Chance, bei den Regeln und Richtlinien, die für unsere tägliche Geschäfte gelten, auf dem neuesten Stand zu bleiben. Eines der Ziele des Compliance-Programms von GTECH ist es, unseren MitarbeiterInnen stets auch die hinter den Geschäftspraktiken stehende Unternehmenspolitik bewusst zu machen. Die jährliche Zertifizierung bietet dafür eine gute Gelegenheit.
Wie entwickeln Sie Ihr Programm weiter?
Ein gutes Compliance-Programm zeichnet sich dadurch aus, dass es wächst und sich anpasst, wenn sich das Unternehmen oder die Branche verändern. Das GTECH-Compliance-Team prüft daher regelmäßig unsere Richtlinien, um sicherzustellen, dass das Unternehmen stets die höchsten geschäftlichen und ethischen Standards erfüllt. So wie unser Unternehmen wächst, werden auch die Effizienz und Relevanz der unternehmensinternen Richtlinien und Prozeduren neu bewertet. Wir wollen den Erwartungen vorhandener wie neuer Kunden nicht nur gerecht werden, sondern diese übertreffen.
Die Fragen stellte Anke Martiny
Dieser Artikel ist im Rundbrief 30 (S. 11f.) vom November 2004 erschienen.

