Fragen und Antworten

Was ist der Corruption Perceptions Index?

Der TI Korruptionswahrnehmungsindex (CPI) listet Länder nach dem Grad auf, in dem dort Korruption bei Amtsträgern und Politikern wahrgenommen wird. Es ist ein zusammengesetzter Index, der sich auf verschiedene Umfragen und Untersuchungen stützt, die von neun unabhängigen Institutionen durchgeführt wurden. Es wurden Geschäftsleute sowie Länderanalysten befragt und Umfragen mit Staatsbürgern im In- und Ausland miteinbezogen.

 

Wie wird Korruption für TI-Indices definiert?

Der CPI konzentriert sich auf Korruption im öffentlichen Sektor und definiert Korruption als den Missbrauch von öffentlicher Macht zu persönlichem Nutzen. In den Umfragen für den Index geht es meist um Fragen im Zusammenhang mit dem Missbrauch öffentlicher Macht zum privaten Vorteil. Besonderer Wert wird dabei beispielsweise auf die Problemfelder Bestechung von Amtsträgern bei öffentlichen Ausschreibungen gelegt. Die Quellen unterscheiden nicht zwischen administrativer und politischer Korruption oder zwischen kleinerer und größerer Korruption.

 

Warum beruht der CPI ausschließlich auf Wahrnehmungen?

Eine Beurteilung des unterschiedlichen Ausmaßes von Korruption in verschiedenen Ländern lässt sich nur schwer auf objektive empirische Daten aufbauen, beispielsweise indem man die Anzahl von Ermittlungsverfahren oder von Gerichtsurteilen vergleicht. Diese ländervergleichenden Daten spiegeln nicht das tatsächliche Ausmaß der Korruption wider, sondern belegen vielmehr die Kompetenz der Strafverfolgungsbehörden, Gerichte und/oder der Medien, Korruption zu untersuchen und aufzudecken. Die einzige Methode zur Ermittlung vergleichbarer Daten ist daher, die Erfahrungen und Wahrnehmungen derer heranzuziehen, die mit der Realität der Korruption am unmittelbarsten konfrontiert sind.

 

Ist der CPI ein verlässliches Maß für die wahrgenommene Korruption in einem Land?

Im Hinblick auf  die Wahrnehmung von Korruption ist der CPI ein solides Messinstrument. Seine Verlässlichkeit ist jedoch je nach Land unterschiedlich. Länder mit einer geringen Zahl von Quellen für den CPI und mit großen Bewertungsunterschieden zwischen den Quellen, was sich in einem hohen  Vertrauensintervall auswirkt, sind im Rangplatz und im Punktwert weniger verlässlich.

 

Ist der CPI ein verlässliches Instrument zur Entscheidung über Hilfszahlungen?

Einige Regierungen haben angefangen sich zu fragen, ob es überhaupt sinnvoll ist, in Ländern die als korrupt wahrgenommen werden Entwicklungshilfe zu leisten – und haben versucht, mittels Korruptionsindizes zu entscheiden, welche Länder Hilfe erhalten sollen und welche nicht.

TI ermuntert nicht dazu, den CPI auf diese Weise zu nutzen. Länder, die als sehr korrupt wahrgenommen werden, sollten nicht dafür bestraft werden. Sie brauchen besondere Hilfe, um der Spirale aus Korruption und Armut zu entkommen. Wenn ein Land als korrupt gilt, aber bereit ist, Veränderungen vorzunehmen, sollte dies ein Anlass für Geldgeber sein, Investitionen zu tätigen, um Korruption systematisch bekämpfen zu können. Wenn Investoren größere Entwicklungsprojekte in als korrupt wahrgenommenen Ländern unterstützen wollen, sollten sie besonderes Augenmerk auf korruptionsanfällige Bereiche richten und sicherstellen, dass angemessene Kontrollmechanismen eingerichtet werden, um Bestechungsfälle zu beschränken.

 

Wie viele Länder sind im CPI enthalten?

Der CPI 2005 listet 159 Staaten auf. Um im CPI aufgenommen zu werden, müssen aus wenigstens drei Quellen Daten verfügbar sein. 2004 waren nur 146 Länder im Index erfasst. Die Zunahme in der Länderabdeckung ist  auf die Einbeziehung einer zusätzlichen Quelle zurückzuführen.

 

Welche Länder wurden neu in den CPI 2005 aufgenommen?

Die folgenden Staaten sind im CPI 2005 aber nicht im CPI 2004 enthalten: Afghanistan, Burkina Faso, Burundi, Kambodscha, Äquatorialguinea, Fidschi, Guayana, Laos, Lesotho, Liberia, Ruanda, Somalia und Swasiland.

 

Kann man aus dem CPI schließen, dass das Land mit dem niedrigsten Wert das korrupteste der Welt ist?

Nein. Das Land mit dem niedrigsten Wert wird nur innerhalb der für den Index untersuchten Länder als am meisten korrupt wahrgenommen. Auf der Welt gibt es über 200 souveräne Staaten, von denen der CPI 2005 nur 159 listet.

 

Was ist von größerer Bedeutung, der Rang eines Landes oder der Punktwert?

Die Rangliste ermöglicht es TI einen Index zu bilden. Der Punktwert eines Landes ist jedoch ein weit wichtigeres Instrument, um den wahrgenommenen Korruptionsgrad eines Landes darzustellen.

 

Können Daten aus einem Jahr mit denen aus einem früheren Jahr verglichen werden?

In erster Linie bietet der Index eine Momentaufnahme der Eindrücke von Geschäftsleuten und Länderanalysten. Er konzentriert sich weniger auf jährliche Veränderungen.

Die Ergebnisse früherer Jahre sollten anhand der Punktwerte und nicht des Ranges verglichen werden. Der Rang eines Landes kann sich schlicht und ergreifend deshalb verändern, weil neue Länder in den Index aufgenommen oder andere herausgenommen wurden. Vergleicht man jedoch den Punktwert, so deutet ein höherer Wert darauf hin, dass die Befragten eine positivere Einschätzung lieferten, während ein niedrigerer Wert andeutet, dass die Befragten ihre Wahrnehmung nach unten revidiert haben. Allerdings hängt der Vergleich des Ranges eines Landes von einem Jahr zum anderen nicht nur von Veränderungen in der Wahrnehmung ab, sondern auch von Veränderungen in Erhebungsbasis und Methodik. Jedes Jahr werden einige Quellen nicht aktualisiert und müssen so aus dem CPI gestrichen werden, während neue Quellen hinzugefügt werden. Bei einer Änderung der befragten Klientel und einer leicht modifizierten Methodik kann eine Veränderung des Wertes ebenso mit der Tatsache zusammenhängen, dass andere Gesichtspunkte untersucht und andere Fragen gestellt wurden.

 

Warum gibt es keine größere Veränderung im Punktwert eines bestimmten Landes, auch wenn verschärfte oder unterlassene Antikorruptions-Reformen oder kürzlich aufgedeckte Korruptionsfälle festzustellen sind?

Es ist schwierig einen CPI-Punktwert in kurzer Zeit zu verbessern. Der CPI basiert auf Daten der vergangenen drei Jahre (für weitere Informationen siehe Frage 15 über Quellen des CPI). Dies hat zur Folge, dass eine Veränderung in der wahrgenommenen Korruption nur längerfristig nachvollziehbar ist. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, dass wesentliche Bestrebungen von Regierungen und anderen Akteuren, Korruption im eigenen Land zu bekämpfen, trotz nachweisbarer Wirkung nicht in einem verbesserten Punktwert resultieren, da die Erfolge nicht angemessen kommuniziert wurden.

 

Bei welchen Ländern haben sich die Werte von 2004 bis 2005 am meisten verschlechtert?

Vergleiche von einem zum anderen Jahr durchzuführen, ist problematisch. Allerdings kann man, soweit Veränderungen in den Ergebnissen einzelner Quellen zurückverfolgt werden können, vorsichtig gewisse Tendenzen ausmachen. Nennenswerte Beispiele für eine negative Tendenz sind Barbados, Belarus, Costa Rica, Gabun, Nepal, Papua-Neuguinea, Russland, Seychellen, Sri Lanka, Surinam, Trinidad & Tobago und Uruguay. In diesen Fällen traten tatsächliche Veränderungen in der Korruptionswahrnehmung während der letzten drei Jahre auf.

 

Bei welchen Ländern haben sich die Werte am meisten verbessert?

Unter denselben Vorbehalten können auf der Grundlage von Daten aus Quellen, die regelmäßig für die Ausarbeitung des Index verwendet wurden, Verbesserungen für Argentinien, Bolivien, Estland, Frankreich, Guatemala, Honduras, Hongkong, Japan, Jordan, Kasachstan, Katar, Libanon, Moldawien, Nigeria, Österreich, Slowakei, Südkorea, Taiwan, Türkei, Ukraine und Jemen festgestellt werden.

 

Den CPI gibt es nun seit 10 Jahren. Lassen sich dabei langfristige Entwicklungen erkennen?

Der CPI wurde nicht mit dem Ziel geschaffen, Langzeitvergleiche vornehmen zu können. Jährliche Veränderungen des Punktwertes eines Landes sind nicht nur zurückzuführen auf eine veränderte Korruptionswahrnehmung sondern auch auf unterschiedliche Stichproben, wechselnde Methodik und Veränderungen in der Zahl der für den Index verwendeten Untersuchungen. Nichtsdestotrotz bietet eine Analyse des CPI, die von Prof. Dr. Johann Graf Lambsdorff 2005 durchgeführt wurde,  erste Forschungsergebnisse in Bezug auf Länderentwicklungen in mehr als 60 Ländern im Zeitraum von 1995 bis 2005. Für weitere Informationen siehe J. Graf Lambsdorff, ‚Determining Trends for Perceived Levels of Corruption’, Passau University Discussion Paper; V-38-06, 2005.

 

Was sind die Quellen für den CPI?

Der CPI 2005 bezieht sich auf 16 verschiedene Erhebungen und Untersuchungen von 10 unabhängigen Instituten. TI sucht nach zuverlässigem Datenmaterial für den CPI.  TI ist bestrebt zu gewährleisten, dass nur verlässliche Quellen verwendet werden, dass die Untersuchungen mit absoluter Integrität durchgeführt und nur anerkannte erstklassige Methoden zur Analyse der Umfrageergebnisse angewendet werden. Um im CPI verwendet zu werden, müssen die Daten gut dokumentiert und eine Einschätzung der Verlässlichkeit möglich sein.

Die Daten, die TI zur Ermittlung des CPI benutzt hat, wurden kostenlos zur Verfügung gestellt mit der Auflage, dass sie nicht veröffentlicht werden dürfen.  Der CPI 2005 wurde auf Basis der Daten folgender Institutionen erstellt: Columbia University, Economist Intelligence Unit, Freedom House Index, Information International, International Institute for Management Development, Merchant International Group, Political and Economic Risk Consultancy, United Nations Economic Commission for Africa, World Economic Forum and World Market Research Centre.

Eine detailliertere Beschreibung der Methodik des CPI 2005 finden Sie unter www.transparency.org/surveys/index.html oder www.icgg.org.

 

Wessen Meinungen sind für die Untersuchung herangezogen worden?

Die Untersuchungen wurden unter Geschäftsleuten und Länderanalysten durchgeführt, darunter solche, die in den betroffenen Ländern wohnen. Es ist wichtig, dass deren Ansichten gut mit den Meinungen ausländischer Experten korrelieren.

In der Vergangenheit handelte es sich bei den im Ausland Befragten oft um Geschäftsleute aus den westlichen Industrienationen, so dass der Standpunkt der Entwicklungsländer unterrepräsentiert war. Das hat sich im Laufe der Zeit geändert, denn immer mehr Experten aus aufstrebenden Marktwirtschaften wurden bei den Befragungen mit einbezogen. Die Ergebnisse dieser Umfragen entsprechen weitgehend denen anderer Quellen, was darauf hinweist, dass der CPI Einschätzungen erfasst, die unabhängig von kulturellen Voraussetzungen sind und eine globale Perspektive darstellen.

 

Warum werden Expertenumfragen, jedoch keine Meinungsumfragen als Basis des CPI verwendet?

Der CPI enthielt in früheren Jahren Meinungsumfragen. Nachdem diese Umfragen wegen Verjährung nach drei Jahren dem Index als Quelldaten nicht mehr zur Verfügung standen, beschloss TI, den CPI ausschließlich auf Expertenmeinungen zu stützen. Die Umfragen selbst unterscheiden nicht zwischen verschiedenen Typen von Korruption. Es wird jedoch angenommen, dass Experten eher qualifiziert sind, die „große“ Korruption realitätstreu zu beurteilen. Die Öffentlichkeit hingegen verfügt über Sensibilität gegenüber der Existenz (oder Abwesenheit) von alltäglicher  Korruption.

TI ist auch an einer Beurteilung von Korruption durch die Öffentlichkeit interessiert – insbesondere als Maßstab für Fortschritt im Kampf gegen Bestechungspraktiken. Auf Grund dessen hat TI ein weiteres Instrument, das Global Corruption Barometer, entwickelt, um die Erfahrung der Bevölkerung mit Korruption und ihre Einstellungen gegenüber Korruption zu bewerten (Siehe Frage 20 über die Unterschiede zwischen dem CPI und dem Global Corruption Barometer).

 

Wie wird der Index zusammengestellt?

Eine detailliertere Beschreibung der Methodik des CPI 2005 finden Sie unter. www.transparency.org/surveys/index.html oder www.icgg.org.

TI hat erhebliche Anstrengungen unternommen, um sicherzustellen, dass Methodik zu Analyse der  Daten höchsten Ansprüchen gerecht wird. Die angewandte Methodik wird von einem wissenschaftlichen Beirat (Steering Committee) geprüft, der aus führenden internationalen Fachleuten aus den Bereichen Korruption, Ökonometrie und Statistik besteht. Die Mitglieder des wissenschaftlichen Beirats machen Verbesserungsvorschläge zum CPI. Die abschließende Entscheidung über die Methodik zur Ermittlung des CPI liegt jedoch bei der Geschäftsführung von TI.  Die statistische Arbeit am CPI wird an der Universität Passau unter der Leitung von Prof. Dr. Johann Graf Lambsdorff durchgeführt.

 

Welche Länder könnten in zukünftigen CPIs  aufgeführt werden?

Länder, für die zwei Datensätze zur Verfügung stehen, sind: Antigua und Barbuda, Bahamas, Bermudas, Bhutan, Kaimaninseln, Zentralafrikanische Republik, Dominika, Osttimor, Grenada, Guinea, Guinea-Bissau, Macao, Mauretanien, Nordkorea, Puerto Rico und Togo. Für diese Länder ist mindestens ein weiterer Datensatz zur Aufnahme in den CPI notwendig.

Länder, für die nur ein Datensatz zur Verfügung steht, sind: Andorra, Anguilla, Aruba, Brunei, Kap Verde, Dschibuti, Französisch Guinea, Guadalupe, Komoreninseln, Lichtenstein, Malediven, Martinique, Niederländische Antillen, Samoa, Sao Tome und Principe, St. Kitts und Nevis, St. Vincent und die Grenadinen und die Jungferninseln (USA). Für diese Länder  sind mindestens zwei weitere Datensätze zur Aufnahme in den CPI notwendig.

 

Was ist der Unterschied zwischen dem CPI und Transparency Internationals Global Corruption Barometer?

Der CPI beurteilt das Ausmaß der wahrgenommenen Korruption über  verschiedene Länder hinweg, während das Global Corruption Barometer (siehe www.transparency.org/surveys/index.html) die Einstellungen und Erfahrungen der breiten Öffentlichkeit bezüglich Korruption erfasst. Längerfristig wird das erstmals 2003 veröffentlichte Global Corruption Barometer einen Indikator für die Auswirkungen des Kampfes gegen die Korruption innerhalb eines Landes sein. 

 

Was ist der Unterschied zwischen dem CPI und Transparency Internationals Bribe Payers Index (BPI)?

Während der CPI den allgemeinen Stand der Korruption in Ländern wiedergibt, behandelt der BPI die Korruptionsgeneigtheit von Firmen führender Exportländer im Ausland und damit die Geberseite der Korruption. Der BPI unterstreicht, dass zur Korruption in internationalen Wirtschaftstransaktionen sowohl eine gebende wie auch eine nehmenden Seite gehören. Daher stellt der BPI das Gegenstück  zum CPI dar. Der jüngste Bribe Payers Index wurde im Mai 2002 veröffentlicht und ist zu finden unter: www.tranparency.org/survey/index.thml.

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