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Corruption Perceptions Index 2004
Datum: 21.10.04
Komplette Datei: 04-10-20_CPI_2004_DEU.pdf

Fragen und Antworten

Was ist der Corruption Perceptions Index?

Der TI Corruption Perceptions Index (CPI) listet Länder nach dem Grad auf, in dem dort Korruption bei Amtsträgern und Politikern wahrgenommen wird. Es ist ein zusammengesetzter Index, der sich auf verschiedene Umfragen und Untersuchungen stützt, die von neun unabhängigen Institutionen durchgeführt wurden. Es wurden Geschäftsleute sowie Länderanalysten befragt und Umfragen mit Staatsbürgern im In- und Ausland miteinbezogen

 

Wie wird Korruption für TI-Indices definiert?

Der CPI konzentriert sich auf Korruption im öffentlichen Sektor und definiert Korruption als den Missbrauch von öffentlicher Macht zu persönlichem Nutzen. In den Umfragen für den Index geht es meist um Fragen im Zusammenhang mit dem Missbrauch öffentlicher Macht zum privaten Vorteil. Besonderer Wert wird dabei beispielsweise auf Bestechung von Amtsträgern bei öffentlichen Ausschreibungen gelegt. Die Quellen unterscheiden nicht zwischen administrativer und politischer Korruption oder zwischen kleinerer und größerer Korruption.

 

Warum beruht der CPI ausschließlich auf Wahrnehmungen?

Vergleichende Aussagen über das unterschiedliche Ausmaß von Korruption in verschiedenen Ländern lassen sich nur schwer auf objektive empirische Daten aufbauen, beispielsweise indem man die Anzahl von Ermittlungsverfahren oder von Gerichtsurteilen vergleicht. Diese ländervergleichenden Daten spiegeln nicht das tatsächliche Ausmaß der Korruption wider, sondern belegen vielmehr die Kompetenz der Strafverfolgungsbehörden, Gerichte und/oder der Medien, Korruption zu untersuchen und aufzudecken. Die einzige Methode zur Ermittlung vergleichbarer Daten ist daher, auf die Erfahrungen und Wahrnehmungen derer aufzubauen, die mit der Realität der Korruption am unmittelbarsten konfrontiert sind.

 

Ist der CPI ein verlässliches Instrument zur Entscheidung über Hilfszahlungen?

Einige Regierungen haben angefangen sich zu fragen, ob es überhaupt sinnvoll ist, in Länder die als korrupt wahrgenommen werden Entwicklungshilfe zu leisten – und haben versucht, mittels Korruptionsindizes zu entscheide, welche Länder Hilfe erhalten sollen und welche nicht.

TI ermuntert nicht dazu, den CPI auf diese Weise zu nutzen. Länder, die als sehr korrupt wahrgenommen werden, sollten nicht dafür bestraft werden. Sie brauchen besondere Hilfe, um der Spirale aus Korruption und Armut zu entkommen. Wenn ein Land als korrupt gilt, aber bereit ist, Veränderungen vorzunehmen sollte dies ein Anlass für Geldgeber sein, Investitionen zu tätigen, um Korruption systematisch bekämpfen zu können. Wenn Investoren größere Entwicklungsprojekte in korrupten Ländern unterstützen wollen, sollten sie besonderes Augenmerk auf korrputionsanfällige Bereiche richten und sicherstellen, dass angemessene Kontrollmechanismen eingerichtet werden, um Bestechungsfälle zu beschränken.

 

Welche Länder wurden neu in den CPI 2004 aufgenommen?

Die folgenden Staaten sind im CPI 2004 aber nicht im CPI 2003 enthalten: Barbados, Benin, Tschad, Demokratische Republik Kongo, Eritrea, Gabun, Malta, Mongolei, Nepal, Niger, Seychellen, Surinam and Turkmenistan.

 

Kann man aus dem CPI schließen, dass das Land mit dem niedrigsten Wert das korrupteste der Welt ist?

Nein. Erstens belegt das Land mit dem niedrigsten Wert nur innerhalb der für den Index untersuchten Länder den letzten Rang. Außerdem gibt es über 200 souveräne Staaten auf der Welt und der CPI 2004 listet nur 146.

 

Was ist von größerer Bedeutung, der Rang eines Landes oder der Punktwert?

Die Rangliste ermöglicht es TI einen Index zu bilden. Der Punktwert eines Landes ist jedoch ein weit wichtigeres Instrument, um den wahrgenommenen Korruptionsgrad eines Landes darzustellen.

 

Können Daten aus einem Jahr mit denen aus einem früheren Jahr verglichen werden?

In erster Linie bietet der Index eine jährliche Momentaufnahme der Eindrücke von Geschäftsleuten und Länderanalysten. Er konzentriert sich weniger auf jährliche Veränderungen.

Die Ergebnisse früherer Jahre sollten anhand der Punktwerte und nicht des Ranges verglichen werden. Der Rang eines Landes kann sich schlicht deshalb verändern, weil neue Länder in den Index aufgenommen und andere herausgenommen wurden. Vergleicht man jedoch den Punktwert, so deutet ein höherer Wert darauf hin, dass die Befragten eine positivere Einschätzung lieferten, während ein niedrigerer Wert andeutet, dass die Befragten ihre Wahrnehmung nach unten revidiert haben. Allerdings hängt der Vergleich des Ranges eines Landes von einem Jahr zum anderen nicht nur von Veränderungen in der Wahrnehmung ab, sondern auch von Veränderungen in Erhebungsbasis und Methodik. Bei einer Änderung der befragten Klientel und einer leicht modifizierten Methodik kann eine Veränderung des Wertes ebenso mit der Tatsache zusammenhängen, dass andere Gesichtspunkte untersucht und andere Fragen gestellt wurden.

 

Bei welchen Ländern haben sich die Werte von 2003 bis 2004 am meisten verschlechtert?

Vergleiche von einem zum anderen Jahr durchzuführen, ist problematisch. Allerdings kann man, soweit Veränderungen auf die betreffende Veränderung Veränderungen in den Ergebnissen einzelner Quellen zurückverfolgt werden können, vorsichtig gewisse Tendenzen ausmachen. Nennenswerte Beispiele für eine negative Tendenz sind Bahrain, Belize, Zypern, die Dominikanische Republik, Jamaika, Kuwait, Luxemburg, Mauritius, Oman, Polen, Saudi Arabien, Senegal, und Trinidad und Tobago. In diesen Fällen traten tatsächliche Veränderungen in der Korruptionswahrnehmung während der letzten drei Jahre auf. Die deutliche Verschlechterung von Ländern wie Weißrussland, Kuba, Israel, Italien, Namibia, Pakistan, den Palästinensischen Gebieten und Katar bezüglich ihrer Punktwerte ist teilweise auf technische Gründe zurückzuführen.

 

Bei welchen Ländern haben sich die Werte seit letztem Jahr am meisten verbessert?

Unter denselben Vorbehalten können auf der Grundlage von Daten aus Quellen, die regelmäßig für die Ausarbeitung des Index verwendet wurden, können Verbesserungen für Österreich, Botswana, die Tschechische Republik, El Salvador, Frankreich, Gambia, Deutschland, Jordanien, die Schweiz, Tansania, Thailand, Uganda, die Vereinigten Arabischen Emirate und Uruguay festgestellt werden. Die Verbesserung von Ländern wie Kamerun, Costa Rica, Estland, Libyen, Mazedonien (FYR), Madagaskar, Papua-Neuguinea, und Serbien und Montenegro bezüglich ihrer Punktwerte ist teilweise auf technische Gründe zurückzuführen.

 

Den CPI gibt es nun seit 10 Jahren. Lassen sich dabei langfristige Entwicklungen erkennen?

Zunächst sei klar gestellt, der CPI wurde nicht mit dem Ziel geschaffen, Langzeitvergleiche vornehmen zu können. Dies ist auch der Tatsache geschuldet, dass die Zahl der für den Index verwendeten Untersuchungen variieren kann. Zu den Ländern, bei denen sich über die Jahre hinweg jedoch eine Verbesserung erkennen lässt, sind unter anderem Kolumbien, Bulgarien, Estland, Hongkong, Mexiko und Spanien. Argentinien, Ecuador, Polen und Simbabwe zum Beispiel gehören zu den Ländern, in denen sich über die Jahre hinweg Verschlechterungen erkennen lassen. Derzeit laufen weitere Untersuchungen zu Langzeitentwicklungen der Korruptionswahrnehmung. Die Ergebnisse werden 2005/2006 erwartet.

 

Was sind die Quellen für den CPI?

Der CPI 2004 bezieht sich auf 18 verschiedene Erhebungen und Untersuchungen von 12 unabhängigen Instituten. TI sucht nach zuverlässigem Datenmaterial für den CPI. TI ist bestrebt zu gewährleisten, dass nur verlässliche Quellen verwendet werden, dass die Untersuchungen mit absoluter Integrität durchgeführt und nur anerkannte Methoden zur Analyse der Umfrageergebnisse angewendet werden. Um im CPI verwendet zu werden, müssen die Daten gut dokumentiert und eine Einschätzung der Verlässlichkeit möglich sein.

Wesentliche Veränderungen im Umfang der Korruption in einem Land entwickeln sich nur langsam. Aus diesem Grund hat TI festgelegt, dem CPI einen fortlaufenden, über 3 Jahre hinweg ermittelnden Durchschnitt zugrunde zu legen. Daher basiert der CPI 2004 ausschließlich auf Untersuchungsdaten, die zwischen 2002 und 2004 gesammelt wurden.

Eine detailliertere Beschreibung der Methodik des CPI 2004 finden Sie unter www.transparency.org/surveys/ oder www.icgg.org

 

Wessen Meinungen sind für die Untersuchung herangezogen worden?

Die Untersuchungen wurden unter Geschäftsleuten und Länderanalysten durchgeführt. Außerdem wurden Untersuchungen unter den Einwohnern der betreffenden Länder herangezogen. Interessanter weise stimmten die Ansichten der Einwohner eines Landes häufig mit den Meinungen ausländischer Experten überein.

In der Vergangenheit handelte es sich bei den im Ausland Befragten oft um Geschäftsleute aus der westlichen Welt, so dass der Standpunkt der Entwicklungsländer unterrepräsentiert war. Das hat sich geändert, denn Gallup International hat im Namen von Transparency International Personen aus Schwellenländern befragt, die die Arbeit der Beamten im öffentlichen Dienst in Industriestaaten beurteilen sollten. Ein ähnlicher Ansatz wurde von Information International verwendet. Die Ergebnisse dieser Umfragen entsprechen weitgehend denen anderer Quellen, was darauf hinweist, dass der CPI Einschätzungen erfasst, die unabhängig von kulturellen Voraussetzungen sind und eine globale Perspektive darstellen.

 

Wie wird der Index zusammengestellt?

TI ist bestrebt, sicherzustellen, dass die verwendeten Methodologien und Datenanalysen von höchster Qualität sind. Eine detailliertere Beschreibung der Methodik des CPI 2002 finden Sie unter www.transparency.org/surveys/#cpi oder www.icgg.org.

Die angewandte Methodik wird von einem wissenschaftlichen Beirat (Steering Committee) geprüft, der aus führenden internationalen Fachleuten aus den Bereichen Korruption, Ökonometrie und Statistik besteht. Die Mitglieder des wissenschaftlichen Beirats machen Verbesserungsvorschläge zum CPI. Die abschließende Entscheidung über die Methodik zur Ermittlung des CPI liegt jedoch bei der Geschäftsführung von TI. Die statistische Arbeit am CPI wird an der Universität Passau unter der Leitung von Prof. Dr. Johann Graf Lambsdorff durchgeführt.