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Finanzmarkt

Standpunkte

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1. Nachweis nachhaltiger Führungskultur durch regulierte Finanzdienstleister

Was heißt das?

Transparenz, Rechenschaft und Integrität von Finanzdienstleistern gegen „Frivolität“ im Geschäftsgebaren!

Warum?

Ein wesentlicher Grund für die Finanzkrise von 2008 war das Fehlen einer modernen Führungskultur, die einen kontroversen Diskurs fördert, Hinweisgeber schützt und besonders integere Verantwortungsträger fördert. So konnte sich eine  gefährliche „Frivolität des Geschäftsgebaren“ entwickeln - indirekte Beihilfe zur Steuerhinterziehung, Beihilfe zur Bilanzmanipulation, Beihilfe zur Manipulation von öffentlichen Haushalten, Beihilfe zur Umgehung  
von Bank-Aufsichtsregeln und Verkauf von Kapitalanlagen ohne adäquate Risikoaufklärung.

Stakeholder – Mitarbeiter, Kunden, Aktionäre und Gläubiger, Aufseher und die Öffentlichkeit – verlangen daher völlig zu Recht einen Nachweis für nachhaltige Führungskultur;  durch eine Schieflage des Finanzdienstleisters wären erneut alle Stakeholder betroffen.

Wie?

Finanzdienstleister liefern Nachweise für folgende Elemente einer nachhaltigen Führungskultur:

1. Nachhaltiges HR- Management-Konzept – mit Änderungen nach 2008!

2. Compliance Management System (CMS) – mit jährlichem Testat der Wirtschaftsprüfer!

3. Moderner CSR-Bericht mit Darstellung des Engagements für fairen Wettbewerb und funktionierende Regulierung der Märkte!

4. Darstellung der Geschäfte in anderen kooperativen Jurisdiktionen – sog. Offshore-Financial-Centers – im jährlichen Geschäftsbericht mit Begründung und Compliance-System!

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2. Nachweis einer modernen Führungskultur in den Institutionen der Kapitalmarktaufsicht – Bafin und Bundesbank

Was heißt das?

Transparenz, Rechenschaft und Integrität von Bafin und Bundesbank gegen eher Markt-ferne, passive Überwachungsmentalität

Warum?

Eine wesentliche Ursache für die Krise 2008 war auch die Tatsache, dass die Marktaufsicht mangels Führungskultur – zu geringe Bezahlung und schwache Ausbildung – wesentliche systemische Risiken übersehen hat sowie nicht ausreichend pro-aktiv und sanktionierend auf Finanzdienstleister zugegangen 
ist. Ohne eine besser geführte Marktaufsicht wird es keine verlässliche Ordnungspolitik für weiterhin volatile und fragile Kapitalmärkte geben.

Alle Stakeholder müssen sich mangels eigener Kompetenz auf die der Marktaufseher verlassen können. Schließlich sind sie alle in irgendeiner Form auch „Risikoträger“.

Wie?

Bafin und Buba liefern den Nachweis einer reformierten Führungskultur  mit angepasstem C M S in ihren Institutionen – genehmigt durch das BFM.

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3. Volle Transparenz der Lobbying-Aktivitäten der Finanzdienstleister

Was heißt das?

Lobbying ist ein legitimes Mittel zur Wahrung der Interessen von Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Wenn Lobbying unter den Bedingungen von Transparenz, Rechenschaft und Integrität geleistet wird, kann es nur schwer zu Manipulation + Erpressung des Gesetzgebers (State Capture) kommen. Eine Beratung mit Augenmaß und Mitarbeit an Gesetzesvorlagen Ausführungsbestimmungen durch Finanzdienstleister, Anwaltskanzleien, NGO-Vertreter und andere Spezialisten  ist unter solchen Umständen zu begrüßen.

Warum?

Im Rahmen der Versuche den Finanzmarkt nach der Krise 2008 zu reformieren, ist der Eindruck entstanden, dass ausgewählte Finanzdienstleister maßgeblichen Einfluss auf die Reformbemühungen nehmen, ohne auch an die dringend erforderliche Verbesserung von Sicherheit und Stabilität des Finanzmarktes zu denken.

Alle Stakeholder allerdings haben ein fundamentales Interesse, dass zunächst der Sicherheit und Stabilität die höchste Priorität eingeräumt wird – durchaus zu Lasten der Geschäftsmodelle einiger Finanzdienstleister. Denn die nächste Krise kommt bestimmt! 

Wie?

Alle Finanzdienstleister mögen in jährlichen Geschäfts- oder CSR-Berichten aufführen, in welchen Projekten, an welcher Stelle, mit welchem Ziele Lobby-Arbeit geleistet wurde.

Dabei geht es nicht um die Transparenz aller Kontaktstellen oder aller geführten Hintergrundgespräche. Eine Darstellung der Aufwendungen wäre auch für den Aktionär hilfreich und vermittelt den anderen Stakeholder den Eindruck von „legitimem Lobbying mit Augenmaß“.

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4. Nachweis eines fairen und integrierten Entlohnungssystems

Was heißt das?

Erfolgspartizipation für alle - auch mit größerer Dynamik für Leistungsträger – ist unter wichtigen Voraussetzungen wünschenswert. Diese sind: Faire Zielvereinbarungen, angemessene Ausbildung, enges Coaching, funktionsfähige Compliance und Controlling- Systeme. Bei Geschäften mit hohem Risikopotential sind die Boni entsprechend  auf die Zukunft „vorzutragen“.

Blinde „Halte-, Treue- und Wechselprämien“ nach Usancen der Profi-Sportler sind nie fair und sicher nicht integriert in eine modernen Führungskultur zu handhaben.

Warum?

Ein wesentlicher Grund für die kollektive Unvernunft und das systematische Weggucken vieler Verantwortungsträger vor der Finanzkrise 2008 waren Gier + Eitelkeit bedient durch enorme Bonusorgien von den unteren bis in die obersten Hierarchien – unter den Augen von Aufsichtsrat, Aktionären und Marktaufsicht. Nicht zuletzt ist zur Kenntniszunehmen, dass ein großer Teil der Boni in den letzten fünf Jahren völlig unberechtigt ausgezahlt wurde. Wie wir heute wissen, waren die Risikokosten für Ausfälle viel zu niedrig angesetzt und damit die Erträge als Basis der Boni zu hoch.

Alle Stakeholder haben daher eine Interesse an voller Transparenz, Rechenschaft und Integrität der Entlohnungssysteme und ihrer Integration in eine moderne Unternehmenskultur.

Wie?

1. Darstellung des Entlohnungssystems mit Berechnungsformel, Compliance und Controllingsystem und Integration in die Unternehmenskultur – im jährlichen Geschäftsbericht mit Testat des Wirtschaftsprüfers!

2. Abnahme des Entlohnungssystems durch Bafin – „Bafin-Testat“ wegen Kenntnis Risikosysteme!

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5. Darstellung der gesamten Wertschöpfungskette von Produkten und Dienstleistungen im Privatkundengeschäft

Was heißt das?

Jeder Verkauf einer Finanzdienstleistung schafft den Konflikt zwischen Nutzen für das Unternehmen und seinen Berater und dem Nutzen für den Kunden. Die Wertschöpfungsketten sind kostenintensiv und verleiten daher zu gefährlicher „Drückerkolonnen-Mentalität“, die in Krisenzeiten Kapital- und Bankenmärkte destabilisieren können.

Warum?

Als am 15.09.2008 Lehman Brothers in Konkurs ging und der Interbankenmarkt in der Folge zusammenbrach, mussten am 05.10.2008 die Kanzlerin und der Finanzminister eine „politische Patronatserklärung“ für die wesentlichen Einlagen der Kunden bei allen deutschen Kreditinstituten abgeben. Es galt einen „Run auf die Banken“ zu verhindern. Das Misstrauen aller Kunden in ihre  
Bank war gewaltig. Tausende waren Halter von Lehman-Zertifikaten. Ein „Run“  hätte den Kollaps der gesamten Wirtschaft bedeutet. 

Wie?

1. Darstellung der Wertschöpfungskette im Privatkundengeschäft – mit Verantwortungsbereichen, externen Lieferanten und Treuhändern, Zielkunden mit Risikoprofil und Bonifizierungsregeln – im jährlichen Geschäftsbericht!

2. Darstellung der Wertschöpfungskette pro Produkt/Dienstleistung mit kritischem Risikoprofil – in Produktbeschreibung für den Kunden

3. Darstellung der institutsspezifischen  Einlagensicherung mit Maximal-Beträgen und gegenwärtig nachweisbarer Deckung – politische Patronatserklärungen á la Kanzler und Finanzminister oder á la private Banken, Sparkassen und Genossenschaften ohne nachweisbare Deckungen für die Krise von Morgen sind gefährlich und systemisch nicht zu verantworten.

 

 

Unsere Dokumente

Bangkok declaration on stolen asstest recovery and the management of frozen assets. Transparency International, 9. November 2010.

Scheinwerfer 47 "Finanzmarktkrise". 2/2010

Forderungen für die 17. Legislaturperiode - Thema: Finanzmarkt, Scheinwerfer 45, Oktober 2009.

Weiterführende Dokumente

Mutual Evaluation Report - Executive Summary: Anti-Money Laundering and Combating the Financing of Terrorism. Financial Action Task Force, 19.02.2011.

Country-by-Country Reporting - Holding multinational corporations to account wherever they are. Richard Murphy, Task Force on Financial Integrity and Economic Development, 2009 (pdf, 1,6 MB)

Undue Dilligence - How banks do business with corrupt regimes  Report des Non-Profit Unternehmes Global Witness Limited, 2009

Task Force on Financial Integrity and Economic Development Website des Verbandes von Zivilgesellschaft und Regierungen aus aller Welt für mehr Transparenz im weltweiten Finanzsystem

Financial Action Taskforce Website der Organisation für die weltweiten Anti-Geldwäsche Anstrengungen

Finanzplatz Schweiz Website und Broschüre von Transparency Schweiz, 2008

Financial Intetelligence Unit (FIU) des Bundeskriminalamtes. Jahresbericht 2010

 

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