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Der Beirat stellt sich vor: Barbara Stolterfoht

Barbara Stolterfoht ist engagierte – mittlerweile pensionierte – Sozialpolitikerin. In all ihren politischen Ämtern wie auch als Vorsitzende des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes setzte sich die Sozialdemokratin und gelernte Kindergärtnerin für mehr Gerechtigkeit und Chancengleichheit ein.

Barbara Stolterfoht studierte Sozial- und Politikwissenschaften in Göttingen, Paris und Berlin. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Deutschen Institut für Urbanistik (difu) und am Wissenschaftszentrum Berlin sammelte sie Erfahrungen in der Öffentlichkeitsarbeit, Forschungsplanung und Forschungskoordination. Ehrenamtlich war sie in der SPD aktiv, doch erst nach 20 Jahren Berufserfahrung außerhalb der Politik machte sie die Politik zu ihrem Hauptberuf. Als Frauenbeauftragte und Stadträtin für Gesundheit und Soziales wie auch als Landesdirektorin des hessischen Landeswohlfahrtsverbandes waren sozial- und gesundheitspolitische Innovationen ihr Hauptanliegen. Von 1995 bis 1999 hatte Barbara Stolterfoht das Amt der Ministerin für Frauen, Arbeit und Sozialordnung in Hessens rot grüner Landesregierung inne. Nach dem Regierungswechsel war sie für die darauffolgenden vier Jahre als Landtagsabgeordnete Vorsitzende des Petitionsausschusses und Mitglied im Wissenschaftsausschuss.

Im Paritätischen Wohlfahrtsverband war Barbara Stolterfoht von 2000 bis 2008 Vorstandvorsitzende, von 2004 bis 2006 war sie Präsidentin der Bundesarbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtspflege. In diesen Funktionen wie auch als Mitglied in der Regierungskommission zur Sicherung der Nachhaltigkeit in der Finanzierung der Sozialen Sicherungssysteme war sie eine oft unbequeme Partnerin der Bundesregierung. Im Ruhestand hat Barbara Stolterfoht nun neben ihrer Coaching- und Beratungsfirma auch mehr Zeit für ihre Familie.


Was ist Ihre Motivation, sich bei Transparency International ehrenamtlich im Beirat zu engagieren?

Mit der wachsenden Tendenz zur Kommerzialisierung auch des sozialen Bereichs in Verbindung mit der wachsenden Konkurrenz zwischen freigemeinnützigen und gewinnorientierten, privaten Unternehmen wächst natürlich auch in diesem Bereich die Gefahr der Korruption.

Im Laufe ihrer beruflichen Karriere in der Sozialpolitik, wo ist Ihnen dort das Thema Korruption zum ersten Mal begegnet?

Nach der Einführung der Pflegeversicherung wuchs die Zahl der kommerziellen Pflegedienste schlagartig. Da traten dann die gleichen Probleme auf, mit denen wir auch im Gesundheitswesen zu kämpfen haben.

Wo sehen Sie Entwicklungs- und Verbesserungsmöglichkeiten bei den großen Wohlfahrtsverbänden, wenn es um die Stärkung der Transparenz geht?

Ich denke die Wohlfahrtsverbände sind nicht weniger transparent als die Gewerkschaften oder Arbeitgeberverbände und sicher transparenter als der ADAC.

Wie schätzen Sie die Transparenz auf den unterschiedlichen Ebenen des Sozialwesens ein? (Träger, Vereine, Wohlfahrtsverbände, Sozialpolitik)?

Soweit Projekte, Einrichtungen und Träger öffentlich finanziert sind – und das ist in der Sozialpolitik eher die Regel – unterliegen sie den strengen Richtlinien der Geldgeber, ihr Finanzgebaren ist kontrolliert. Intransparent wird es dann, wenn ein Projekt oder eine Einrichtung aus verschiedenen Quellen Geld erhält, mit jeweils unterschiedlichen Bewilligungs- und Abrechnungsanforderungen. Da muss der Projektträger und Zuwendungsempfänger oft die unterschiedlichen Richtlinien kreativ auslegen, um das Projekt überhaupt durchführen zu können. In der Arbeitsgruppe Dritter Sektor von Transparency Deutschland bearbeiten wir ja gerade dies Thema und werden hoffentlich mit interessanten Ergebnissen aufwarten.

Welchen Beitrag kann Ihrer Meinung nach die Zivilgesellschaft leisten, wenn es um den Kampf gegen die Korruption geht?

Die Zivilgesellschaft ist Wächterin, Diskussionsforum und Lobbygruppe zugleich, wenn es darum geht, die Ziele von Transparency durchzusetzen - und Transparency ist aktiver Teil der Zivilgesellschaft.

Welche Aufgaben sehen Sie für Transparency International in der Zukunft?

Die Aufgabenstellung hat sich nicht geändert. Es ist viel zu tun!

Die Fragen stellte Marianne Pundt.

Dieser Artikel ist im Scheinwerfer 45 (S. 23) vom Oktober 2009 erschienen.