| ABC der Korruptionsbekämpfung | |||||||
| Datum: 15.10.04 | |||||||
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| Leitfaden für Unternehmen | |||||||
A-B-C der Korruptionsbekämpfung
Übrigens: Transparency-Mitglieder können im Mitgliederbereich an der Aktualisierung des Lexikons der Korruptionsprävention unter "LEXIKON A-Z" mitarbeiten. Auf der internen Wissensplattform WIKI haben unsere Mitglieder die Möglichkeit, ihr individuelles Wissen mit anderen Mitgliedern auszutauschen und zu diskutieren. Die Mitarbeit an diesem Lexikon ist den Mitgliedern von Transparency International Deutschland vorbehalten - werden Sie Mitglied und und als AutorIn aktiv!
Vorwort
Bestechung, Vorteilsgewährung, Submissionsbetrug oder andere Formen der Korruption im nationalen und internationalen Geschäftsverkehr sind zu einem weit verbreiteten und daher sehr ernst zu nehmenden Faktor der rechtlichen, wirtschaftlichen und politischen Realität geworden. Ob mit Beteiligung von Amtsträgern oder von privat zu privat - in jedem Fall geht es um das Ausnutzen einer Machtposition oder das Zusammenwirken mehrerer Akteure zum eigenen Vorteil und zum Schaden anderer.
Auch in Deutschland ist Korruption weit verbreitet. Daran haben die gesetzlichen Verschärfungen der letzten Jahre offensichtlich noch nichts ändern können. Immerhin zeigt sich in Politik und Öffentlichkeit mittlerweile die spürbar gewachsene Erkenntnis, dass Korruption in allen ihren Erscheinungsformen ein Krebsübel der Gesellschaft ist. Sie diskreditiert das Gebot der Fairness im Geschäftsverkehr, untergräbt das Vertrauen in den öffentlichen Dienst und belastet die Volkswirtschaft.
Diese Bewusstseinsveränderung ist maßgeblich von den verstärkten internationalen Aktivitäten zur Korruptionsbekämpfung beeinflusst worden. Große Bedeutung hat insbesondere die am 15.2.1999 in Kraft getretene OECD-Konvention, in der mehr als 30 Unterzeichnerstaaten sich verpflichtet haben, die Bestechung ausländischer Amtsträger im internationalen Geschäftsverkehr unter Strafe zu stellen. Deutschland hat dies umgesetzt und gleichzeitig die steuerliche Abzugsfähigkeit von Bestechungsgeldern beseitigt. Seit August 2002 ist nun in Deutschland auch die Bestechung privater Geschäftsleute im Ausland strafbar.
Es hat den Anschein, als habe die Wirtschaft die veränderte Rechtslage noch nicht überall zur Kenntnis genommen und die notwendigen Konsequenzen gezogen. Auch Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, Finanz- und Rechnungsprüfungsämter sind häufig nicht ausreichend sensibilisiert. Dabei ist es längst an der Zeit zu erkennen, dass Eigentümer, Manager, Mitarbeiter und Repräsentanten eines jeden Unternehmens zu Opfern oder zu Tätern von Korruption werden können, und dass der Schaden durch Korruption langfristig immer größer ist als ihr Nutzen. Während immerhin die Gruppe der großen, international ausgerichteten Unternehmen mit Programmen zur Korruptionsprävention laufend wächst, scheinen Problembewusstsein und Handlungsbereitschaft vor allem in der mittelständischen Wirtschaft trotz einer Anzahl von Empfehlungen und Rahmenrichtlinien nationaler und supranationaler Verbände und Organisationen noch nicht hinreichend entwickelt.
Diese Broschüre versteht sich deshalb als praktische Hilfe in erster Linie für Unternehmen der mittelständischen Wirtschaft, aber auch für öffentliche Unternehmen und Dienststellen, für sonstige Organisationen mit Wirtschaftsunternehmen (z.B. Gewerkschaften) sowie für die Politik. Sie will diese anregen, über eine wirksame Vorbeugung gegen Korruption in und mit dem eigenen Haus nachzudenken, und gleichzeitig eine Leitlinie für das praktische Vorgehen geben.
Bewusst verzichtet wurde auf die Vorgabe eines "Musterprogramms"; denn jedes Unternehmen muss zunächst seine eigene Situation analysieren und die speziellen Risiken seiner Organisation und seines geschäftlichen Umfeldes identifizieren, bevor es einen darauf abgestimmten Katalog von Regelungen und Maßnahmen entwickeln und einführen kann. Das ABC soll dazu beitragen, dass bei diesem Prozess kein potenzielles Problemfeld übersehen wird.
Wer darüber hinaus davon lernen möchte, wie große, weltweit operierende Unternehmen dieses Thema angehen, den verweisen wir auf die von Transparency International, Berlin, und Social Accountability International, London, gemeinsam mit Vertretern von 20 multinationalen Unternehmen entwickelten "Business Principles for Countering Bribery", in Kürze zugänglich über www.transparency.org.

